sagen:tss2121
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| - | **[[buch:tss|Der Sagenschatz | + | **[[capitel:tss2000|Sagen aus Thüringens Frühzeit, von Ohrdruf |
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| + | ====== Vom Bonifacius, dem thüringischen Apostel ====== | ||
| + | In dem großen Frankenreiche sank immer mehr das königliche Ansehen, und es hob sich die Macht der sogenannten Hausmaier, (Majores domus). Auf beide aber gaben sehr wenig die nachfolgenden thüringischen Herzoge, sie suchten ihre Unabhängigkeit zu behaupten. Radulfs Sohn, Heden, und wieder dessen Sohn, Gozbert, herrschten so tyrannisch, daß ein großer Theil des thüringischen Volkes sich hülfesuchend zu den Sachsen wandte, die es aber nicht minder bedrückten. Das Land blieb lange ein Spielball in der Hand der Mächtigen. Karl Martell vermachte es seinem Sohn Karlmann, und dieser beschützte es gegen erneute Einfälle der Sachsen; dann kam es unter die Herrschaft Pipins, als Karlmann ein Mönch wurde. Oft zog Pipin in seinem Bruderkrieg gegen Gripho durch Thüringen, und Karl der Große berührte es nicht minder auf seinen Heereszügen, | ||
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| + | Da war es, daß Bonifacius, Bischof von Mainz, der aus England stammte und früher Winfrid hieß, sich aufmachte, und gedachte, Thüringen vom Heidenthum zum Christenthum zu bekehren, doch erkundete er zuvor des Landes Gelegenheit. Ein alter Ritter war da, der sprach zu ihm: Das Land zu Thüringen ist zwölf Meilen lang und breit, beschlossen mit zwei großen Wäldern, dem Thüringer Wald und dem Harzwald, und mit zwei Wassern, der Werra und der Saale; käme es zum Glauben und würde angebaut, so wäre es zur Nahrung in solcher Größe eines der besten Länder der Welt. Wie Bonifacius das vernahm, sammelte er viel Volkes und zog mit Heereskraft nach Thüringen. | ||
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| + | Als die Thüringer das hörten, erschracken sie sehr, fürchteten sich und flohen ein Theil mit Weib und Kind in einen Bruch bei der Unstrut, hinter einen Wall, die Trettenburg, | ||
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| + | Der Bischof sprach zu diesen: Liebe Thüringer, ihr sollt euch taufen lassen und an Christum glauben und seinen Glauben annehmen; thut ihr das, so kommt es euch zu Nutz und Frommen, und soll euch nimmermehr reuen, thut ihr es nicht, so reden wir anders mit einander. Die Thüringer fragten: Was für Nutz und Frommen entsteht uns davon und welcher Genuß? Nun sprach Bonifacius viel davon, daß Gott auf die Erde gekommen sei um der Menschen willen, und selber Mensch geworden, Gerechtigkeit und Friede habe er mitgebracht, | ||
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| + | Da sprachen die Thüringer: So Dein geborner Gott das vermag, so schicke, daß er auch vermöge, uns des Zehnten zu erledigen, den wir dem Hunnenkönig geben müssen von Leib und Gut, sogar von unsern Kindern. Wird uns nur das Eine verkündet, daß wir des Zehnten ledig sind, so wollen wir getreulich glauben und Dir gerne folgen; ist's aber nicht, so wollen wir nimmermehr glauben an die Macht des gebornen Gottes, vielmehr todt und lebendig bei unserm alten Glauben bleiben. Des sage uns eine Antwort zu oder ab. Darauf wußte der Bischof nichts zu erwiedern, ging, und bedachte sich mit den Seinen und sagte denen: Ich bedarf guten Rath, der Hunnenkönig ist zu mächtig, als daß ich die Thüringer ihres Zehnten an ihn frei machen könnte. Soll ich sie bekriegen und tödten, so möchte ich nicht die Last ihres Blutes tragen; soll ich sie in ihrem Unglauben lassen, so möchten andere Neubekehrte auch wieder abfallen. Die Räthe meinten, es sei am besten, Frist zu gewinnen, und den Thüringern Bedenkzeit zu geben. | ||
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| + | Als Bonifacius des Nachts an seiner Ruhe lag und die Seinigen mit ihm, kam eine Stimme von Gott, freisam und schrecklich, | ||
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| + | Solches verkündete nun Bonifacius den Thüringern, | ||
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