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sagen:tsb132

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 An einem goldenen Sonntage gingen mehrere Männer aus Steinbach spatzieren, und trafen eine vorher von ihnen nie gesehene Höhle an, vor der sie Kleider, Ranzen und Wanderstäbe liegen fanden, und muthmaßten, diese Stücke müßten Venetianern angehören, welche in die Höhle gekrochen seien. Um diesen einen Possen zu spielen, versteckten sie die Sachen hinter einen Baum, und sich selbst verkrochen sie hinter einen anderen, um ihre Freude daran zu haben, wenn jene aus der Höhle kämen, und in Verlegenheit geriethen. Doch aus der Höhle kam niemand, die lauschenden Steinbacher aber überkam der Schlaf, und sie fanden sich mit einem male in einer ihnen wildfremden Gegend, erblickten andere Bäume, andere Blumen, andere Menschen, als daheim, und verstanden die Sprache nicht, welche in dieser fremden Landschaft geredet wurde. Endlich gesellten sich ein Mann zu ihnen, der verstand ihre Sprache in etwas, und sie klagten diesem ihre bereute That und ihre Sehnsucht nach der Heimath. Der Mann warnte sie, gleich dem [[wesen:treuereckart|treuen Eckart]], das was sie gethan, ein anderesmal nicht wieder zu thun, er wolle sie wieder nach Hause bringen; sie möchten seiner nur unter einen Baume, den er ihnen zeigte, eine kurze Weile harren. Die Männer, vom langen herumwandern müde, schliefen abermals ein, und wie sie erwachten, waren sie in ihrer Heimath, unter den Bäumen, hinter die sie sich versteckt und unter denen sie entschlummert waren. Jene Sachen aber waren hinweg, und die zuvor offene Höhle war nicht nur nicht mehr offen, sondern gar nicht mehr zu sehen. Und nun gingen sie in ihr Dorf hinab, da lief und rief ihnen alles verwunderungsvoll entgegen, und stürmte mit Fragen auf sie ein, wo in aller Welt sie denn gewesen und geblieben seien? Am Sonntage Trinitatis waren die Männer aus dem Dorfe spatzieren gegangen, und am siebenten Sonntage nach Trinitatis kehrten sie wieder. An einem goldenen Sonntage gingen mehrere Männer aus Steinbach spatzieren, und trafen eine vorher von ihnen nie gesehene Höhle an, vor der sie Kleider, Ranzen und Wanderstäbe liegen fanden, und muthmaßten, diese Stücke müßten Venetianern angehören, welche in die Höhle gekrochen seien. Um diesen einen Possen zu spielen, versteckten sie die Sachen hinter einen Baum, und sich selbst verkrochen sie hinter einen anderen, um ihre Freude daran zu haben, wenn jene aus der Höhle kämen, und in Verlegenheit geriethen. Doch aus der Höhle kam niemand, die lauschenden Steinbacher aber überkam der Schlaf, und sie fanden sich mit einem male in einer ihnen wildfremden Gegend, erblickten andere Bäume, andere Blumen, andere Menschen, als daheim, und verstanden die Sprache nicht, welche in dieser fremden Landschaft geredet wurde. Endlich gesellten sich ein Mann zu ihnen, der verstand ihre Sprache in etwas, und sie klagten diesem ihre bereute That und ihre Sehnsucht nach der Heimath. Der Mann warnte sie, gleich dem [[wesen:treuereckart|treuen Eckart]], das was sie gethan, ein anderesmal nicht wieder zu thun, er wolle sie wieder nach Hause bringen; sie möchten seiner nur unter einen Baume, den er ihnen zeigte, eine kurze Weile harren. Die Männer, vom langen herumwandern müde, schliefen abermals ein, und wie sie erwachten, waren sie in ihrer Heimath, unter den Bäumen, hinter die sie sich versteckt und unter denen sie entschlummert waren. Jene Sachen aber waren hinweg, und die zuvor offene Höhle war nicht nur nicht mehr offen, sondern gar nicht mehr zu sehen. Und nun gingen sie in ihr Dorf hinab, da lief und rief ihnen alles verwunderungsvoll entgegen, und stürmte mit Fragen auf sie ein, wo in aller Welt sie denn gewesen und geblieben seien? Am Sonntage Trinitatis waren die Männer aus dem Dorfe spatzieren gegangen, und am siebenten Sonntage nach Trinitatis kehrten sie wieder.
  
-Hinter [[geo:badliebenstein|Liebenstein]], beim Dorfe [[geo:Baierrode]], nimmt das Thüringerthal seinen Anfang. Dort sind große Felsen, und eine Wand heißt der Eselssprung, auch Eselsfuß, weil noch die Fußtapfen eines Esels in den Fels eingetieft sind, und zwar soll einst der Herr Christus über das Gebirge auf dem Esel geritten sein, mit dem er in [[geo:Jerusalem]] einzog. Gleich dabei erhebt sich ein Bergeshaupt, der Judenkopf genannt. Eine bewaldete Felskuppe daneben heißt der Eselskopf – es giebt auch unbewaldete Platten, die so heißen – auch dort ist eine Venetianer-Höhle, die sich in der [[zeit|Johannisnacht]] aufthut, das ganze übrige Jahr aber unsichtbar bleibt. Die Venetianer kamen alljährlich zu zweien oder dreien, und wohnten in Steinbach beim Messerschmied Löser, und nahmen diesen einmal mit in die Höhle. Da hing das Gold wie Eiszapfen an den Wänden – aber ehe man es erreichen konnte, mußte man erst über eine große Schlange schreiten, und das ließ der Löser fein bleiben, denn er dachte, selbe Schlange könnte ihn beissen. Dafür ging er so arm aus der Höhle, als er hineingegagenn war. – Ein Liebensteiner Hirte, der am Eselskopf hüthete, nahm einen Stein auf die Schippe, und wollte den nach einer Kuh werfen, da trat ein Venetianer zu ihm, und sprach das bekannte Wort, indem er den Stein an sich nahm: Hirte, der Stein ist mehr werth als die Kuh, nach der Du ihn werfen wolltest. Und schlug vom Stein ein Stück ab, da gleißte alles goldig, und wurde dem Hirten in Wahrheit grün und gelb vor den Augen.+Hinter [[geo:badliebenstein|Liebenstein]], beim Dorfe [[geo:bairoda|Baierrode]], nimmt das Thüringerthal seinen Anfang. Dort sind große Felsen, und eine Wand heißt der Eselssprung, auch Eselsfuß, weil noch die Fußtapfen eines Esels in den Fels eingetieft sind, und zwar soll einst der Herr Christus über das Gebirge auf dem Esel geritten sein, mit dem er in [[geo:Jerusalem]] einzog. Gleich dabei erhebt sich ein Bergeshaupt, der Judenkopf genannt. Eine bewaldete Felskuppe daneben heißt der Eselskopf – es giebt auch unbewaldete Platten, die so heißen – auch dort ist eine Venetianer-Höhle, die sich in der [[zeit:Johannisnacht]] aufthut, das ganze übrige Jahr aber unsichtbar bleibt. Die Venetianer kamen alljährlich zu zweien oder dreien, und wohnten in Steinbach beim Messerschmied Löser, und nahmen diesen einmal mit in die Höhle. Da hing das Gold wie Eiszapfen an den Wänden – aber ehe man es erreichen konnte, mußte man erst über eine große Schlange schreiten, und das ließ der Löser fein bleiben, denn er dachte, selbe Schlange könnte ihn beissen. Dafür ging er so arm aus der Höhle, als er hineingegagenn war. – Ein Liebensteiner Hirte, der am Eselskopf hüthete, nahm einen Stein auf die Schippe, und wollte den nach einer Kuh werfen, da trat ein Venetianer zu ihm, und sprach das bekannte Wort, indem er den Stein an sich nahm: Hirte, der Stein ist mehr werth als die Kuh, nach der Du ihn werfen wolltest. Und schlug vom Stein ein Stück ab, da gleißte alles goldig, und wurde dem Hirten in Wahrheit grün und gelb vor den Augen.
  
 Oberhalb Baierrode quillt noch immer ein Quell der heißt der Goldborn, und hat früher Goldkörner ausgeworfen, daher ward ihm dieser Name. Die Venetianer kannten des Bornes Eigenheit, kamen alljährlich und nahmen die Körner. Die Baierroder merkten das und kamen nun jenen zuvor, so daß letztere als sie wieder kamen, das Nachsehen hatten. Da versetzten sie den Born so, daß er keine Goldkörner mehr ausführte, sondern daß diese sich innerhalb versammelten, dann kamen die Walen und fischten zur guten Stunde den Reichthum heraus. Oberhalb Baierrode quillt noch immer ein Quell der heißt der Goldborn, und hat früher Goldkörner ausgeworfen, daher ward ihm dieser Name. Die Venetianer kannten des Bornes Eigenheit, kamen alljährlich und nahmen die Körner. Die Baierroder merkten das und kamen nun jenen zuvor, so daß letztere als sie wieder kamen, das Nachsehen hatten. Da versetzten sie den Born so, daß er keine Goldkörner mehr ausführte, sondern daß diese sich innerhalb versammelten, dann kamen die Walen und fischten zur guten Stunde den Reichthum heraus.
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