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sagen:temmepommern046

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     Berliner Kalender für 1838, S. 11-14.     Berliner Kalender für 1838, S. 11-14.
  
-Der Herzog Erich von Pommern starb im Jahre 1474, vor Gram und Sorge, auf dem Schlosse zu Wolgast, und wurde begraben im Kloster Eldena bei Greifswald. Er hinterließ sein Gemahl Sophia mit acht Kindern, nämlich fünf Töchtern und drei Söhnen, unter den letzteren als jüngsten den Herzog Bogislav, der nachher der Zehnte genannt wurde. Dieser Herzog Bogislav ist der berühmteste Herzog der Pommern geworden, und er hat so viel Großes und Gutes gethan, daß er noch jetzt bei Jedermann im rühmlichsten Andenken ist. In seiner Jugend aber hat es ihm schlecht und traurig ergangen und ohne den guten Hans Lange wäre er wohl nicht ein so großer und berühmter Herr geworden.+Der Herzog Erich von Pommern starb im Jahre 1474, vor Gram und Sorge, auf dem Schlosse zu Wolgast, und wurde begraben im [[kirche:klostereldena|Kloster Eldena]] bei [[geo:Greifswald]]. Er hinterließ sein Gemahl Sophia mit acht Kindern, nämlich fünf Töchtern und drei Söhnen, unter den letzteren als jüngsten den [[vip:bogislawx|Herzog Bogislav]], der nachher der Zehnte genannt wurde. Dieser Herzog Bogislav ist der berühmteste Herzog der Pommern geworden, und er hat so viel Großes und Gutes gethan, daß er noch jetzt bei Jedermann im rühmlichsten Andenken ist. In seiner Jugend aber hat es ihm schlecht und traurig ergangen und ohne den guten Hans Lange wäre er wohl nicht ein so großer und berühmter Herr geworden.
  
 Herzog Erich hatte nämlich mit seinem Gemahl in unversöhnlichem Unfrieden gelebt, weil sie sich nicht betrug, wie es einer fürstlichen Frau geziemt. Er hatte sie daher, getrennt von ihm, nach Rügenwalde geschickt, wo sie mit ihrem Buhlen, dem Hofmeister Hans Massow, eine fürstliche Hofhaltung hatte. Sie hatte auch ihre beiden jüngsten Prinzen Casimir und Bogislav bei sich, allein sie kümmerte sich um dieselben nicht, und sie war ihnen sogar todfeind um ihres Vaters des Herzogs willen. Sie ließ sie mit den Bürgerkindern in die Schule zu Rügenwalde gehen und gab ihnen nicht einmal die nothdürftigste Kleidung, also daß die armen Herrlein gleich den ärmsten Schülern mit zerrissenen Kleidern gingen, und die Zehen ihnen aus den Schuhen hervorsahen, und Jedermann nicht anders vermeinte, als daß sie es gern gesehen hätte, wenn sie gar umgekommen wären. Herzog Erich hatte nämlich mit seinem Gemahl in unversöhnlichem Unfrieden gelebt, weil sie sich nicht betrug, wie es einer fürstlichen Frau geziemt. Er hatte sie daher, getrennt von ihm, nach Rügenwalde geschickt, wo sie mit ihrem Buhlen, dem Hofmeister Hans Massow, eine fürstliche Hofhaltung hatte. Sie hatte auch ihre beiden jüngsten Prinzen Casimir und Bogislav bei sich, allein sie kümmerte sich um dieselben nicht, und sie war ihnen sogar todfeind um ihres Vaters des Herzogs willen. Sie ließ sie mit den Bürgerkindern in die Schule zu Rügenwalde gehen und gab ihnen nicht einmal die nothdürftigste Kleidung, also daß die armen Herrlein gleich den ärmsten Schülern mit zerrissenen Kleidern gingen, und die Zehen ihnen aus den Schuhen hervorsahen, und Jedermann nicht anders vermeinte, als daß sie es gern gesehen hätte, wenn sie gar umgekommen wären.
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 Deß freute sich der Bauer und er ging alsbald mit dem jungen Herzoge zu einem Gewandschneider, und nahm ihm lundisch Tuch aus zu Rock und Hosen, und kaufte ihm Parchend zu einem Wamms und ein Paar neue Schuhe, und kleidete ihn neu von unten bis oben. Das gefiel dem Herzog Bogislav wohl, er hielt seine neue Kleidung wie ein goldenes Stück, und begann nun auch, von sich etwas mehr zu halten, so daß der Bauer und Jedermann Lust daran hatte, und jener oft zur Stadt kam, und sah, wie es ihm ginge und wie er sich hielte. Deß freute sich der Bauer und er ging alsbald mit dem jungen Herzoge zu einem Gewandschneider, und nahm ihm lundisch Tuch aus zu Rock und Hosen, und kaufte ihm Parchend zu einem Wamms und ein Paar neue Schuhe, und kleidete ihn neu von unten bis oben. Das gefiel dem Herzog Bogislav wohl, er hielt seine neue Kleidung wie ein goldenes Stück, und begann nun auch, von sich etwas mehr zu halten, so daß der Bauer und Jedermann Lust daran hatte, und jener oft zur Stadt kam, und sah, wie es ihm ginge und wie er sich hielte.
  
-Unterdeß war Herzog Erich zu Wolgast gestorben, und bald hernach auch sein ältester Sohn, Herzog Wartislav; und nicht lange darauf starb auch der zweite Sohn, Herzog Casimir, wie man erzählt, an Gift, das ihm seine eigne Mutter gegeben. Da gedachte die Herzogin Sophia, das Regiment für sich zu behalten, als Vormünderin des Herzogs Bogislav.+Unterdeß war Herzog Erich zu [[geo:Wolgast]] gestorben, und bald hernach auch sein ältester Sohn, Herzog Wartislav; und nicht lange darauf starb auch der zweite Sohn, Herzog Casimir, wie man erzählt, an Gift, das ihm seine eigne Mutter gegeben. Da gedachte die Herzogin Sophia, das Regiment für sich zu behalten, als Vormünderin des Herzogs Bogislav.
  
-Nun aber kam Hans Lange zur Stadt und sprach den jungen Herzog, und rieth ihm, seiner Mutter zu entfliehen, und zu seinem Oheim dem Herzog Wartislav zu ziehen, der ihm rathen werde, wie er sein Land und Regiment erhalte. Er gab ihm auch ein Schwert, ein Pferd, Stiefel und Sporn, und was dazu gehört, und ließ ihn heimlich davon reiten. So ritt der Herzog nach Vorpommern, und der Adel allda gesellte sich zu ihm, daß er in kurzen Tagen über dreihundert Pferde bei sich hatte. Damit ritt er zu seinem Oheim Wartislav, der ihm rieth, straks nach Rügenwalde zu reiten, und seiner Mutter das Regiment zu nehmen, und sie dann zu verwahren bis auf weiteren Bescheid. Wie der junge Herzog also gen Rügenwalde ritt, da versammelten sich unterwegs immer mehr Menschen um ihn, sich freuend, daß er der Mutter Beschwerung gebrochen, und wo er zum Adel oder in Städte oder Klöster kam, empfingen sie ihn mit solcher Freude, daß sie nicht wußten, wie viele Ehre und Liebe sie ihm erzeigen sollten.+Nun aber kam [[wesen:hanslange|Hans Lange]] zur Stadt und sprach den jungen Herzog, und rieth ihm, seiner Mutter zu entfliehen, und zu seinem Oheim dem Herzog Wartislav zu ziehen, der ihm rathen werde, wie er sein Land und Regiment erhalte. Er gab ihm auch ein Schwert, ein Pferd, Stiefel und Sporn, und was dazu gehört, und ließ ihn heimlich davon reiten. So ritt der Herzog nach Vorpommern, und der Adel allda gesellte sich zu ihm, daß er in kurzen Tagen über dreihundert Pferde bei sich hatte. Damit ritt er zu seinem Oheim Wartislav, der ihm rieth, straks nach [[geo:Rügenwalde]] zu reiten, und seiner Mutter das Regiment zu nehmen, und sie dann zu verwahren bis auf weiteren Bescheid. Wie der junge Herzog also gen Rügenwalde ritt, da versammelten sich unterwegs immer mehr Menschen um ihn, sich freuend, daß er der Mutter Beschwerung gebrochen, und wo er zum Adel oder in Städte oder Klöster kam, empfingen sie ihn mit solcher Freude, daß sie nicht wußten, wie viele Ehre und Liebe sie ihm erzeigen sollten.
  
-Als aber solches seine Mutter erfuhr, da wartete sie nicht, bis er käme, sondern sie hat alle ihre Schätze und Kleinodien genommen und ist mit Hans Massow, ihrem Hofmeister, nach Danzig geflohen, wo sie in etlichen Jahren Alles verbracht hatte.+Als aber solches seine Mutter erfuhr, da wartete sie nicht, bis er käme, sondern sie hat alle ihre Schätze und Kleinodien genommen und ist mit Hans Massow, ihrem Hofmeister, nach [[geo:Danzig]] geflohen, wo sie in etlichen Jahren Alles verbracht hatte.
  
 Herzog Bogislav übernahm darauf das Regiment. Seiner Mutter schickte er nicht nach, um ihr bei Fremden keinen Schimpf zu machen. Herzog Bogislav übernahm darauf das Regiment. Seiner Mutter schickte er nicht nach, um ihr bei Fremden keinen Schimpf zu machen.
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sagen/temmepommern046.1739459873.txt.gz · Zuletzt geändert: von ewusch