sagen:sdel026
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| - | Es war am Morgen eines schönen Sommertages im Jahre 1540. In zauberhafter Klarheit wölbte sich der [[typ:Himmel]] über ein enges, von mächtigen Bergwänden umschlossenes Thal und senkte sein schönes, reines Blau in die grünen, laubigen Spitzen uralter Wälder, welche jene bedeckten. Eine herrliche Gebirgswelt umgibt das Thal. Berge, aus denen hier und da gewaltige Felsen wie versteinerte Druidengestalten herausstarren, | + | Es war am Morgen eines schönen Sommertages im Jahre 1540. In zauberhafter Klarheit wölbte sich der Himmel über ein enges, von mächtigen Bergwänden umschlossenes Thal und senkte sein schönes, reines Blau in die grünen, laubigen Spitzen uralter Wälder, welche jene bedeckten. Eine herrliche Gebirgswelt umgibt das Thal. Berge, aus denen hier und da gewaltige Felsen wie versteinerte Druidengestalten herausstarren, |
| - | Hinter dem Schlosse erhoben sich wieder dunkle Berge, deren Häupter sich in hohe Wälder bargen. Am Fuße des Schloßberges lag ein Städtchen mit kleinen, strohbedeckten Häusern, wohlverwahrt gegen feindliche Angriffe, durch mächtige, mit drohenden Thürmen versehene Mauern. Die Thore, aus gewaltigem, mit [[typ:Eisen]] beschlagenem Gebälk und mit der wappenverzierten Wölbung aber waren weit geöffnet und durch sie strömte aus und ein allerlei Stadt und Landvolk. Ihr freundlicher Aufputz wie ihre muntern Mienen verriethen irgend eine festliche Begehung. An dem heutigen Tage nämlich pflegten alle zur Herrschaft des Schlosses Gehörenden, | + | Hinter dem Schlosse erhoben sich wieder dunkle Berge, deren Häupter sich in hohe Wälder bargen. Am Fuße des Schloßberges lag ein Städtchen mit kleinen, strohbedeckten Häusern, wohlverwahrt gegen feindliche Angriffe, durch mächtige, mit drohenden Thürmen versehene Mauern. Die Thore, aus gewaltigem, mit Eisen beschlagenem Gebälk und mit der wappenverzierten Wölbung aber waren weit geöffnet und durch sie strömte aus und ein allerlei Stadt und Landvolk. Ihr freundlicher Aufputz wie ihre muntern Mienen verriethen irgend eine festliche Begehung. An dem heutigen Tage nämlich pflegten alle zur Herrschaft des Schlosses Gehörenden, |
| - | Mordbrennerische Banden durchzogen überall das Land, verwüsteten die unbeschützten Ortschaften und mordeten ihre Bewohner. Zwar hatten die edelsten Dinasten der [[region: | + | Mordbrennerische Banden durchzogen überall das Land, verwüsteten die unbeschützten Ortschaften und mordeten ihre Bewohner. Zwar hatten die edelsten Dinasten der [[region: |
| - | Ein festliches Hochamt eröffnete den Feiertag. Die Kirche war prächtig mit den Fahnen aller Innungen und mit Blumen geschmückt und kräftige Gesänge durchwogten ihre Hallen und Bittgebete stiegen auf zum Herrn, um Abwendung jeglichen Gefährnisses. Gar freundlich hatten sich die Dirnen herausgeputzt und sie glänzten in ihrem schönsten Sonntagsstaate; | + | Ein festliches Hochamt eröffnete den Feiertag. Die Kirche war prächtig mit den Fahnen aller Innungen und mit Blumen geschmückt und kräftige Gesänge durchwogten ihre Hallen und Bittgebete stiegen auf zum Herrn, um Abwendung jeglichen Gefährnisses. Gar freundlich hatten sich die Dirnen herausgeputzt und sie glänzten in ihrem schönsten Sonntagsstaate; |
| - | Ihre Wangen blühten wie ein Rosenbeet im Glanz der Morgensonne, | + | Ihre Wangen blühten wie ein Rosenbeet im Glanz der Morgensonne, |
| - | Sie aber hatte ihr Herz schon an den [[typ:Junker]] Eitelheinrich verschenkt und war ihm holdselig, gut und treu. Eitelheinrich aber war wie ein junger Eichenstamm im Walde, so hoch, so kräftig und so schlank; sein Auge flammte unter den dunkeln, schattigen Braunen hervor und sein Antlitz war voll edlen Trotzes und Adel. Seine Seele war sanft und keusch, wie frisch gefallener Schnee auf den Bergen. Keiner verstand wie er sich auf dem wildesten Rosse zu tummeln, keiner wie er des Schwertes mächtige Wucht zu handhaben. | + | Sie aber hatte ihr Herz schon an den Junker Eitelheinrich verschenkt und war ihm holdselig, gut und treu. Eitelheinrich aber war wie ein junger Eichenstamm im Walde, so hoch, so kräftig und so schlank; sein Auge flammte unter den dunkeln, schattigen Braunen hervor und sein Antlitz war voll edlen Trotzes und Adel. Seine Seele war sanft und keusch, wie frisch gefallener Schnee auf den Bergen. Keiner verstand wie er sich auf dem wildesten Rosse zu tummeln, keiner wie er des Schwertes mächtige Wucht zu handhaben. |
| Aber nicht in der tollen Fehdelust jener Zeit erprobte und übte er seine männliche Kraft; seine Faust war nur dem Rechte des Unterdrückten und dem Schutze des viel geplagten Bürgers geweiht. Auch war er Meister in allerhand edlen Künsten; er wußte alle Sagen aus der Umgegend; da war kein Felsgetrümmer, | Aber nicht in der tollen Fehdelust jener Zeit erprobte und übte er seine männliche Kraft; seine Faust war nur dem Rechte des Unterdrückten und dem Schutze des viel geplagten Bürgers geweiht. Auch war er Meister in allerhand edlen Künsten; er wußte alle Sagen aus der Umgegend; da war kein Felsgetrümmer, | ||
| - | Sein edles Lockenhaupt deckte eine schimmernde Stahlhaube; sein schlanker Leib war umgeben von einem gewaltigen | + | Sein edles Lockenhaupt deckte eine schimmernde Stahlhaube; sein schlanker Leib war umgeben von einem gewaltigen Harnisch und an seiner Linken funkelte ein gutes Schwert, das theuere Erbe seines geliebten Vaters. Als endlich der Priester seinen letzten Segen ausgespendet hatte über die andächtige Schaar und Alle hocherbaut die Kirche verließen, da nahte Eitelheinrich ganz schüchtern dem Bürgermeister, |
| - | Als nun der Junker bat, Elsbeth auf den Nachmittag zum [[typ:tanz|Tanze]] führen zu dürfen, da lächelte der gute Greis und von seiner Lippe floß bereitwillig das Zugeständniß, | + | Als nun der Junker bat, Elsbeth auf den Nachmittag zum Tanze führen zu dürfen, da lächelte der gute Greis und von seiner Lippe floß bereitwillig das Zugeständniß, |
| - | In den lauten Jubel tönten die Instrumente einiger | + | In den lauten Jubel tönten die Instrumente einiger Fiedler und flink wirbelten lustige Tänzerreihen auf der grünen Wiesenmatte umher. Hoch aus Allen aber ragte Eitelheinrich hervor, an seinem Arm wandelte Elsbeth. Da war wohl manche Dirne, die mit gar neidischen Blicken die schöne Bürgermeisters-Tochter verfolgte und mancher stattlicher Bursche wünschte den Ritter auf sein stilles Schloß oder in eine gefahrvolle Fehde, fern von der bewunderten Zierde des Städtchens. Doch wie sie zusammengingen Hand in Hand, wie sie Jeden gar freundlich grüßten, wie Eitelheinrich mit Jedem trank, der ihm den schäumenden Becher bot, wie sie sich mischten in die Reihen der Tänzer, da verschwand vor solcher Güte und Leutseligkeit aller Neid und ein Jeder wünschte dem schönen Paare Glück und stetes Wohlergehen. |
| Eitelheinrich und Elsbeth sprachen gar viel von Leid und Weh und doch däuchte es ihnen, noch nie so selig gewesen zu sein als heute; sie ließen die Blicke schweifen in die Zukunft wie in ein Eden; sie blickten sich so fromm und innig in die Augen, als ob sie ihre Seelen versenken wollten in die feurig strahlenden Sternenkreise. So verschwand unter Getändel Stunde auf Stunde; schon sank die Sonne hernieder und ruhte, von einem leuchtenden Purpurmantel umhüllt, auf der hohen Eichenwaldung. | Eitelheinrich und Elsbeth sprachen gar viel von Leid und Weh und doch däuchte es ihnen, noch nie so selig gewesen zu sein als heute; sie ließen die Blicke schweifen in die Zukunft wie in ein Eden; sie blickten sich so fromm und innig in die Augen, als ob sie ihre Seelen versenken wollten in die feurig strahlenden Sternenkreise. So verschwand unter Getändel Stunde auf Stunde; schon sank die Sonne hernieder und ruhte, von einem leuchtenden Purpurmantel umhüllt, auf der hohen Eichenwaldung. | ||
| - | Horch, da dröhnte ein schwerer, langer Glockenruf durch das Thal; das klang wie Gewimmer von Sterbenden, wie drängender Hilfschrei in argen Nöthen. Die [[typ:Becher]] sanken von den Lippen der Trinker, die Fiedler ließen erstarrt vor Entsetzen den Bogen ruhen auf den alten Instrumenten und die Tänzer standen still, wie von einem Zauberstab berührt. | + | Horch, da dröhnte ein schwerer, langer Glockenruf durch das Thal; das klang wie Gewimmer von Sterbenden, wie drängender Hilfschrei in argen Nöthen. Die Becher sanken von den Lippen der Trinker, die Fiedler ließen erstarrt vor Entsetzen den Bogen ruhen auf den alten Instrumenten und die Tänzer standen still, wie von einem Zauberstab berührt. |
| Das war keine Feuersbrunst: | Das war keine Feuersbrunst: | ||
| - | Dorthin eilten die Reiter. Eine Schaar der gefürchtetsten | + | Dorthin eilten die Reiter. Eine Schaar der gefürchtetsten Räuber, die Böcke genannt, war, die Abwesenheit der bewaffneten Mannschaft benutzend, hereingedrungen in die Stadt und richtete raubend und mordend ihre gewöhnlichen Verwüstungen an. Mit donnerndem Schlachtrufe stürzte sich Eitelheinrich in den sich drängenden Menschenknäuel; |
| - | Er holte schon in der Ferne zu einem verderblichen Hiebe aus; doch siehe! da stürzt er kopfüber vom Pferde, daß der schwere Fall weit in das Getümmel dröhnte. Er versuchte sich wieder zu erheben, doch vergebens, und wälzte sich in fürchterlichen Krämpfen auf dem Boden. Der Kampf schwieg; der grauen volle Anblick hielt alle gefesselt und beschäftigt. Der Reiter aber stieß gar fürchterliche und grimmige Flüche aus; sein Antlitz färbte sich bald roth, bald blau; seine Hände rissen wie in Todesangst das Wamms auf; er raffte das [[typ:Schwert]] auf und warf es fluchend unter die bange Menschenschaar. Und immer krampfhafter wurden des Reiters Bewegungen; sein Auge unterlief roth mit Blut und seine Lippen bedeckte ein dunkler, dicker Schaum. | + | Er holte schon in der Ferne zu einem verderblichen Hiebe aus; doch siehe! da stürzt er kopfüber vom Pferde, daß der schwere Fall weit in das Getümmel dröhnte. Er versuchte sich wieder zu erheben, doch vergebens, und wälzte sich in fürchterlichen Krämpfen auf dem Boden. Der Kampf schwieg; der grauen volle Anblick hielt alle gefesselt und beschäftigt. Der Reiter aber stieß gar fürchterliche und grimmige Flüche aus; sein Antlitz färbte sich bald roth, bald blau; seine Hände rissen wie in Todesangst das Wamms auf; er raffte das Schwert auf und warf es fluchend unter die bange Menschenschaar. Und immer krampfhafter wurden des Reiters Bewegungen; sein Auge unterlief roth mit Blut und seine Lippen bedeckte ein dunkler, dicker Schaum. |
| - | Da standen Aller Haare zu Berge; es drängte sich eine fürchterliche Gewißheit ihrem Geiste auf. „Die | + | Da standen Aller Haare zu Berge; es drängte sich eine fürchterliche Gewißheit ihrem Geiste auf. „Die Pest, die Pest!“ so scholl es von allen Seiten. Unverfolgt flohen die Räuber aus der Stadt; die Kriegsmänner warfen ihre Waffen dahin und hände ringend eilte Alles in die Hütten. Ein lauter Jammer erfüllte die Luft. Bald drang die Schreckenskunde hinab in's Thal, wo die Versammelten bange harrten; da blieben die Becher halb ungeleert stehen, und alle eilten hinauf in ihre Häuser, als ob dort Schutz zu finden wäre gegen den tückischen Dämon. Eitelheinrich nahm die trostlose Elsbeth auf sein Roß und flog hinab in das Städtlein und trug die Bebende in die Arme des bekümmerten Vaters. |
| - | Und in derselben Nacht [[typ: | + | Und in derselben Nacht starben wohl noch ein Dutzend Leute an der fürchterlichen Krankheit. Bald standen alle Häuser leer; denn ihre Bewohner hatten sich in die nahen Wälder geflüchtet, |
| - | Nur Eitelheinrich hauste noch auf seinem Schlößlein und auch der [[typ:Pfarrer]] blieb auf Gottes Schutz vertrauend in seinem Häuslein dicht an der Kirche. Morgens stieg er hinauf in den Glockenthurm und läutete die [[typ: | + | Nur Eitelheinrich hauste noch auf seinem Schlößlein und auch der Pfarrer blieb auf Gottes Schutz vertrauend in seinem Häuslein dicht an der Kirche. Morgens stieg er hinauf in den Glockenthurm und läutete die Glocken, daß sie weithin hallten über die Berge und in die Thäler: er schmückte sich mit den Kirchengewanden und las die heilige Messe. Oft sah man auf den Glockenruf auf den nahen Hohen verkümmerte Grabesgestalten nahen, jammernd die Hände ringend und weinend hinabblicken auf die geliebten Hütten. |
| - | Wenn denn die Stimme des Priesters das „Sanctus, Sanctus, Sanctus“ sang, dann knieten sie nieder und begruben, zerknirscht wie ob schwerer Sündenschuld die Brust zerschlagend, | + | Wenn denn die Stimme des Priesters das „Sanctus, Sanctus, Sanctus“ sang, dann knieten sie nieder und begruben, zerknirscht wie ob schwerer Sündenschuld die Brust zerschlagend, |
| - | Elsbeth knieete gar oft vor dem Bilde der Gnadenmutter und flehte um Hilfe in diesen schweren Nöthen. Da ward es ihr oft, als ob sie hinaufflöge zu den lieben Englein; da ward es so klar und hell in ihrem Geiste, als ob sie sich bade in der reinen Luft jener verklärten Höhen; da hörte sie Sänge beseligter Geister und ihr Herz füllte sich mit Ruhe, mit dem Odem leichterer Gefilde. Eitelheinrich war Elsbeth | + | Elsbeth knieete gar oft vor dem Bilde der Gnadenmutter und flehte um Hilfe in diesen schweren Nöthen. Da ward es ihr oft, als ob sie hinaufflöge zu den lieben Englein; da ward es so klar und hell in ihrem Geiste, als ob sie sich bade in der reinen Luft jener verklärten Höhen; da hörte sie Sänge beseligter Geister und ihr Herz füllte sich mit Ruhe, mit dem Odem leichterer Gefilde. Eitelheinrich war Elsbeth treu geblieben in alter Liebe. Wenn sich in gottesfürchtigen, |
| - | Nach solchen schwermüthigen Augenblicken eilte er hinaus in's Freie, um aus dem sternenklaren Auge seiner Elsbeth wieder Trost und Lebensmuth zu trinken. Sie sprach ihm so erhaben, so tröstlich von den Freuden der Zukunft, von jenen himmlischen Gefilden, über die der Herr seinen ganzen Liebesegen ausgeschüttet hat, daß es dem armen Rittersmann wieder leicht und stille um das schwer gedrückte Herz wurde. So verging denn Monat auf Monat; ein Jahr war beinahe verstrichen. Die [[typ:Pest]] hatte weit und breit ihr dunkles Banner entfaltet und hauste fürchterlich unter den Menschen. | + | Nach solchen schwermüthigen Augenblicken eilte er hinaus in's Freie, um aus dem sternenklaren Auge seiner Elsbeth wieder Trost und Lebensmuth zu trinken. Sie sprach ihm so erhaben, so tröstlich von den Freuden der Zukunft, von jenen himmlischen Gefilden, über die der Herr seinen ganzen Liebesegen ausgeschüttet hat, daß es dem armen Rittersmann wieder leicht und stille um das schwer gedrückte Herz wurde. So verging denn Monat auf Monat; ein Jahr war beinahe verstrichen. Die Pest hatte weit und breit ihr dunkles Banner entfaltet und hauste fürchterlich unter den Menschen. |
| - | Es war an einem herrlichen Abend, die Sonne auf einem goldenen Schemel von Wolken ruhend, sandte ihre letzten Strahlen hinab auf die schweigenden Höhen, während am Himmel bereits die bleiche Sichel des [[typ:mond|Mondes]] hervorzitterte; | + | Es war an einem herrlichen Abend, die Sonne auf einem goldenen Schemel von Wolken ruhend, sandte ihre letzten Strahlen hinab auf die schweigenden Höhen, während am Himmel bereits die bleiche Sichel des Mondes hervorzitterte; |
| Elsbeth war so traurig zu Muthe und aus ihren Augen drangen brennende Thränen. „Ach, Ritter, mir ziehen seit einigen Tagen gar trübe Ahnungen durch die Seele. Gestern knieete ich unter der Marieneiche; | Elsbeth war so traurig zu Muthe und aus ihren Augen drangen brennende Thränen. „Ach, Ritter, mir ziehen seit einigen Tagen gar trübe Ahnungen durch die Seele. Gestern knieete ich unter der Marieneiche; | ||
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| Und als der Morgen wieder graute, da pilgerte er wie gewöhnlich zu der Wohnung seines stillen Glückes. Allein still und einsam war es da, und als er hineintrat, hörte er kein freundliches Willkommen, kein Laut ertönte; Alles war so ruhig, wie bange Grabesstille. Wie nun der Ritter die Thüre des Kämmerleins öffnete, wehe! da stand er wie versteinert, | Und als der Morgen wieder graute, da pilgerte er wie gewöhnlich zu der Wohnung seines stillen Glückes. Allein still und einsam war es da, und als er hineintrat, hörte er kein freundliches Willkommen, kein Laut ertönte; Alles war so ruhig, wie bange Grabesstille. Wie nun der Ritter die Thüre des Kämmerleins öffnete, wehe! da stand er wie versteinert, | ||
| - | Der arme Greis rang sprachlos die Hände und netzte mit Thränenströmen der Tochter bleiches Antlitz. Und der Ritter rief ihren Namen laut, daß er weit wiederklang in der nahen Waldung, und als kein Schimmer des Lebens auf ihre Wangen kehrte, als kein Laut der [[typ:Liebe]] mehr von ihren Lippen tönte, da raffte er sich auf und eilte auf sein Schloß und sattelte den besten seiner Rappen und sprengte davon Berg auf, Thal ab. Sein Auge war wie gebrochen und seine Lippen waren krampfhaft geschlossen. Er ritt so weit und breit und lange umher, eine unheimliche Gestalt; bis man eines Morgens sein Pferd in einem Felsenthale, | + | Der arme Greis rang sprachlos die Hände und netzte mit Thränenströmen der Tochter bleiches Antlitz. Und der Ritter rief ihren Namen laut, daß er weit wiederklang in der nahen Waldung, und als kein Schimmer des Lebens auf ihre Wangen kehrte, als kein Laut der Liebe mehr von ihren Lippen tönte, da raffte er sich auf und eilte auf sein Schloß und sattelte den besten seiner Rappen und sprengte davon Berg auf, Thal ab. Sein Auge war wie gebrochen und seine Lippen waren krampfhaft geschlossen. Er ritt so weit und breit und lange umher, eine unheimliche Gestalt; bis man eines Morgens sein Pferd in einem Felsenthale, |
| - | Noch steht jetzt ein [[typ:Kreuz]] an der Stelle, wo man Eitelheinrich, | + | Noch steht jetzt ein Kreuz an der Stelle, wo man Eitelheinrich, |
| - | //Quelle: J.H.Schmitz, | + | // |
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