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sagen:sdel017

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 +====== Die Eberhardsklause ======
  
 +    A. Stork
 +
 +Was schilt die Mutter ergrimmt und wild?\\
 +„Beim [[wesen:Teufel]], packe Dich fort!“\\
 +Das Mägdlein flieht in den finstern Wald,\\
 +Es irrt ohne Schutz und Hort.\\
 +Wie irret so lang das Kind umher!\\
 +Der Wolf heult heischer nach Raub,\\
 +Es stürzet der Schnee, es starret die Fluth,\\
 +Es raschelt vom Baum das Laub.\\
 +
 +„Wo bleibet mein Kind?“ Das Mutterherz klopft,\\
 +Und Thränen verdunkeln den Blick.\\
 +Sie ruft hinaus in den brausenden Wind,\\
 +Es tönt keine Antwort zurück.\\
 +Sie wacht und jammert die ganze Nacht\\
 +Sie ruft ihr Kind und weint;\\
 +Kaum dämmert der Wintermorgen herauf,\\
 +So weckt sie den Nachbarn und Freund.\\
 +
 +Sie suchen umsonst in Dorf und in Flur,\\
 +Sie suchen auf windiger Höh',\\
 +Ach! nirgends, nirgends ein Fußtritt erscheint\\
 +In dem frisch gefallenen Schnee.\\
 +„Verzeihe mir Gott, bei Dir allein\\
 +Ist Rettung in der Noth;\\
 +Ach! schütze, schütze mein trautes Kind,\\
 +Ach! rett es vom grausamen Tod.“\\
 +
 +Die Mutter in ihres Herzens Noth\\
 +Zur Eberhardsklaus' hinflieht,\\
 +Es wird das Herz ihr leichter, als sie\\
 +Vor der reinen [[vip:hlgmaria|Jungfrau]] kniet.\\
 +Indeß war der zweit' und dritte Tag hin,\\
 +Der vierte Tag auch vergeht:\\
 +„Ach leset die Meß für mein Kind und mich,\\
 +Herr Pater!“ die Mutter fleht.\\
 +
 +Und als für das arme Kindlein empor\\
 +Der Priester die Hostie hebt,\\
 +Da tönet hell aus dem dunklen Wald\\
 +Ein Stimmchen: „Eu'r Töchterlein lebt.“\\
 +Sie stürzen hinzu, da sitzet das Kind\\
 +Holdselig in Engelsgestalt,\\
 +Ein Blumenkranz um das blonde Haar,\\
 +Das lockig sein Antlitz umwallt.\\
 +
 +Und Blumen hält die linke Hand,\\
 +Die recht einen grünen Zweig.\\
 +„Gefunden, gefunden mein trautes Kind,\\
 +Ich Arme, ich bin wieder reich.“\\
 +„Wo bist du gewesen, wer hat dich genährt?“\\
 +Ruft die Mutter tief gerührt. \\
 +„Lieb' Mutter ist stets gewesen bei mir,\\
 +Lieb' Mutter hat mich geführt.“\\
 +
 +„Es hat lieb Mutter getragen ein Licht,\\
 +Ein Hündlein lief dabei,\\
 +Das Hündlein war so weiß wie Schnee,\\
 +Es war so freundlich und treu.“\\
 +„Das war die Mutter Gottes, mein Kind,\\
 +Sie hat dich vom Tode befreit\\
 +In Eberhardsklaus' hab ich zu ihr geweint,\\
 +Sie wandt in Freude mein Leid.“\\
 +„Kommt, danket mit mir in Eberhardsklaus!“\\
 +Sie gehen und opfern den Kranz,\\
 +Die Blumen, das Zweiglein, und Wunder! die blühen\\
 +Noch stets und in ewigem Glanz.\\
 +
 +//Quelle: [[autor:jhschmitz|J.H.Schmitz]], [[buch:sagen_des_eifellandes|Sagen des Eifellandes]], 1. Band, Trier 1847//
 +----
 +{{tag>sagen sagendeseifellandes eifel jhschmitz ballade hlgmaria pater wunder moseleifel klause schnee rettung flucht verirren kranz v2}}
sagen/sdel017.1683024092.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)