sagen:sdel010
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| + | ====== Der Raubritter am Laachersee ====== | ||
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| + | Vom Laachersee nicht fern, da lag eines Ritters Schloß,\\ | ||
| + | Der lebte nur vom Raube, wie seiner Diener Troß;\\ | ||
| + | In seinem Busen fand sich kein menschliches Gefühl,\\ | ||
| + | Er trieb mit allem Edlen sein frevelvolles Spiel.\\ | ||
| + | Er warf auf Gutes, Schönes nur der Verachtung Hohn,\\ | ||
| + | Und schimpft auf Kirch und Diener und auf Religion,\\ | ||
| + | Hätt' Kirchen all' und Klöster beraubet und verheert,\\ | ||
| + | Konnt er nur all' erreichen mit Wuth und Flamm und Schwert.\\ | ||
| + | |||
| + | Er war der Gegend Schrecken so manches lange Jahr,\\ | ||
| + | Denn keine Mahnung frommte bei ihm und seiner Schaar;\\ | ||
| + | Und kam ein Mönch, zu predigen vor ihm von Gottes Heil,\\ | ||
| + | Dem ward im Burgverließe ein grausiger Tod zu Theil.\\ | ||
| + | D'rauf that der heil' | ||
| + | Die Strafe wird bekehren den Bösen, dacht. Jedermann; | ||
| + | Doch lachte dieser teuflisch, nicht achtend Bann und Fluch,\\ | ||
| + | Begann, wie sonst, von Neuem mit Raublust seinen Zug.\\ | ||
| + | |||
| + | Wenn unter Blumendüften die unschuldvolle Maid\\ | ||
| + | Fromm betend durch die Auen noch wallte zur Abendzeit, | ||
| + | Dann schwang er sich aufs Roß, voll Begierde nach Raub,\\ | ||
| + | Und war für alles Sträuben und Flehen der Unschuld taub.\\ | ||
| + | Die Heerde auf dem Anger war sicher nicht vor ihm,\\ | ||
| + | Das Kind nicht bei der Mutter vor seinem Ungestüm, | ||
| + | Der Mönch nicht am Altare, die Nonn' nicht in der Zell', | ||
| + | Die Hostie nicht sicher im güldenen Gestell.\\ | ||
| + | |||
| + | Da ließ er einst verkünden, er athme krank und schwach,\\ | ||
| + | Und wünsche sammt den Brüdern den Abt des [[kirche: | ||
| + | Damit sie seine Seele, die bald die Erde ließ,\\ | ||
| + | Durch Gnadenmittel brächten in's ew'ge Paradies.\\ | ||
| + | Deß freuten sich die Brüder; denn was beut größ' | ||
| + | Als wenn zum Rechten kehret sich des Verbrechers Brust.\\ | ||
| + | Was freuet mehr den Hirten, als ein verloren Lamm\\ | ||
| + | Aufs Neue zu vereinigen mit seiner Heerde Stamm!\\ | ||
| + | |||
| + | Gleich mit dem Schlitten kommen die Brüder über' | ||
| + | Dem Lechzenden zu reichen des Himmels Gnadenspeis'; | ||
| + | Da schau' | ||
| + | Dem der Besorgniß Drängen nicht gönnet Rast noch Ruh' | ||
| + | „O fliehet, wenn das Leben in etwa lieb euch ist!\\ | ||
| + | Des Ritters Reu‘ und Sehnen ist nichts als Trug und List.\\ | ||
| + | Er will in seinem Grimm euch morden allzumal,\\ | ||
| + | Schon wetzet er da drinnen mit eig' | ||
| + | |||
| + | „Ja glaubet mir's! doch nehmet den Warner freundlich mit,\\ | ||
| + | Der wäre ohne Gnade sonst seines Lebens quitt.“\\ | ||
| + | Rasch eilten sie zum Schlitten, den Mönchen ward es schwül,\\ | ||
| + | Natürlich war's, daß ihnen die Rede schlecht gefiel.\\ | ||
| + | Doch kaum gewahrt der Ritter im Schlosse den Betrug,\\ | ||
| + | Sprengt er zu Roß hinunter, gar pfeilschnell ist sein Flug;\\ | ||
| + | Viel Spießgesellen folgen mit wildentglühtem Sinn\\ | ||
| + | Dem rachedurst' | ||
| + | |||
| + | Den Abt will er vernichten mit einem gewaltgen Hieb,\\ | ||
| + | Und alle Gottesdiener, | ||
| + | Die fahren emsig weiter. – Es war im Februar,\\ | ||
| + | Wo nicht des Wassers Decke besonders fest mehr war.\\ | ||
| + | Und dachten, daß der Ritter verlasse seinen Plan,\\ | ||
| + | Den Fliehenden nachzusetzen auf so unsich’rer Bahn,\\ | ||
| + | Wo schier bei jedem Sprunge der Rosse droht ein Grab;\\ | ||
| + | So dachte nicht der Wüthrich, auch nicht so dacht sein Knapp' | ||
| + | |||
| + | Gedrängt von den Verfolgern entfleucht der Schlitten schnell,\\ | ||
| + | Doch sind die frommen Brüder noch nicht an Ort und Stell'; | ||
| + | Da schwingt sein Schwert der Ritter, dicht über des Abtes Haupt,\\ | ||
| + | Der, seinem Gott ergeben, sich schier getroffen glaubt.\\ | ||
| + | Solch' Schwert, von blankem Eisen, so lang, so breit und schwer,\\ | ||
| + | Das aufzuheben zweien von heut kaum möglich wär', | ||
| + | Von einer Faust geführt, es drohte Allen Tod,\\ | ||
| + | Und zu dem Herrn schauen die Brüder in der Noth.\\ | ||
| + | |||
| + | Hinauf! da thronet der Wille! Ein kindliches Vertrau' | ||
| + | Kann auf der Bitt' Erhörung beim Vater der Gnade bau' | ||
| + | „Und wenn die Noth am größten, | ||
| + | Ist Gott, der Herr, am nächsten, | ||
| + | Der Schlitten gleitet weiter, schon hat er's Land gefaßt,\\ | ||
| + | Da bricht die Silbereb' | ||
| + | Versunken sind die Reiter, bevor ihr Schwert noch schlug,\\ | ||
| + | Und aus der Tiefe heulet des sterbenden Ritters Fluch.\\ | ||
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| + | //Quelle: [[autor: | ||
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