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sagen:sdel004

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 +====== Die Rettung auf dem hohen Veen ======
 +    Fischbach
  
 +Kennt ihr am Eifelsaum den langen Bergesrücken,\\
 +Nach dem am Ruhrgestad die Thalbewohner blicken,\\
 +Wenn sie im Lenz und Herbst den Winter wollen sehen,\\
 +Rheinlands Siberien, kennt ihr das [[region:hohesvenn|hohe Veen]]?\\
 +
 +Da ging ein armes Weib, zum sechsten Mal gesegnet,\\
 +Zum Nachbardorf um Brod, doch unterwegs begegnet\\
 +Ihr unverhofft die Stunde ihrer Weh'n,\\
 +Als Schneegestöber rings umhüllt das hohe Veen.\\
 +
 +Nach Hause lenkt sie um, doch ihre Kräfte fliehen,\\
 +Vor einem Heil'genbild, dem Bilde von Marien,\\
 +Sinkt sie gebärend hin, es häufet sich der Schnee,\\
 +„Hilf Mutter Gottes!“ stöhnt ihr Herz im tiefen Weh.\\
 +
 +„Bedenke wie auch Dich auf einer Pilgerreise\\
 +Die Stunde überrascht!“ Sie stöhnt's, und leise, leise\\
 +Pocht ihr das Herz, es lag in ihrem Schooß ein Kind,\\
 +Schnee war sein erstes Kleid, sein Wiegenlied der Wind.\\
 +
 +Sie nimmt es an die Brust, die mütterliche, warme,\\
 +Doch ach, sie wird zu Eis, erstarrt sind ihre Arme.\\
 +Da naht auf stolzem Roß ein rüst'ger Reitersmann,\\
 +Er sieht das starre Weib mit ihrem Kindlein an.\\
 +
 +Still steht das edle Roß und scheint ihn anzuflehen,\\
 +Der Noth durch rasche That als Ritter beizustehen.\\
 +Doch kalten Herzens gibt er seinem Roß den Sporn,\\
 +Vergebens sträubt es sich, der Reiter hackt im Zorn\\
 +
 +Die scharfen Zacken tief ihm zwischen seine Rippen,\\
 +Da rennt es wüthend fort, fort zu den nahen Klippen.\\
 +Hochbäumend warf es ihn am Rand des Felsens ab,\\
 +Dort in der Kluft fand er sein frühes Grab.\\
 +
 +Rasch dreht das Roß sich dann, es eilet gleich dem Winde,\\
 +Und bald hat es erreicht die Mutter mit dem Kinde.\\
 +Es neiget sein Kopf und haucht sie wärmend an,\\
 +Daß beide neuen Lebensgeist in sich empfah'n;\\
 +
 +Es haucht und hauchet fort, und sieh! die starren Glieder,\\
 +Sie thauen mälig auf; das Leben kehret wieder.\\
 +Die Mutter drückt das Kind inbrünstig an das Herz,\\
 +Und freudig weinend blickt ihr Auge himmelwärts.\\
 +
 +Dann streichelt sie das Roß, das vor sie hin sich strecket,\\
 +Und ihr den Mantel beut, der seinen Rücken decket.\\
 +Sie hüllet sich hinein mit ihrem nackten Kinde,\\
 +Besteiget dann das Roß, das sanft sie und geschwinde\\
 +
 +Zu ihrer Hütte trägt; still stand es an der Schwelle.\\
 +Mit ihren Kindern ist ihr Gatte bald zur Stelle.\\
 +Wer nennet ihr Gefühl? Laut betete die Schaar:\\
 +„Gepriesen sei, o Herr! gepriesen immerdar!“\\
 +
 +//Quelle: [[autor:jhschmitz|J.H.Schmitz]], [[buch:sagen_des_eifellandes|Sagen des Eifellandes]], 1. Band, Trier 1847//
 +----
 +{{tag>sagen sagendeseifellandes hohesvenn eifel jhschmitz pferd Schneegestöber rettung ballade v2}}
sagen/sdel004.1683022243.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)