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sagen:sdel003

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 +====== Der Kartstein bei Eiserfey in der Eifel ======
 +    Anthos und Oskar
  
 +Schau' dort den Felsberg in des Thales Enge,\\
 +Wie schroff er hängt. Unendliches Gestein!\\
 +Es ragt empor in grausigem Gedränge\\
 +Klipp' über Klippe, zackigt, groß und klein.\\
 +
 +Der graue Schutt ringsher auf weiter Strecke\\
 +Dient dem Kaninchen und dem Fuchs zur Hecke.\\
 +Am Abhang links, durch tiefe dunkle Spalte,\\
 +Dort öffnet sich des Felsen Herz zur Kluft,\\
 +Weit, weit hinein dehnt sich das ungestalte\\
 +Geklippe aus zur nächtlich schwarzen Gruft.\\
 +
 +Nie drang der Sonne Blick in diese Höhle,\\
 +Und Schauder faßt d'rin jede Menschenseele.\\
 +Da drinnen saßen einstmals vor viel Jahren\\
 +Am heil'gen [[zeit:ostern|Ostertag]] beim Kartenspiel\\
 +Der lockeren Gesellen drei. Sie waren\\
 +Voll Spieleslust und spielten hoch und viel.\\
 +
 +Wohl hörten sie die Glock zur Vesper läuten,\\
 +Doch dieses mochte nichts für sie bedeuten.\\
 +Sie tauschten d'rob viel ungezog'ne Reden,\\
 +Und trieben frech mit Kirchengehen Spott.\\
 +„Wenn wir einst alt sind, gibt es Zeit zum Beten,“\\
 +So scherzten sie und dachten nicht an Gott.\\
 +
 +Dabei entströmte ihrer argen Kehle\\
 +Auch Fluch auf Fluch, verhallend in der Höhle.\\
 +Da rasselt's leise an der Höhle Pforte;\\
 +Es schleicht herein ein unbekannter Mann.\\
 +„Viel Glück zum Spiel allhier am stillen Orte!“\\
 +Spricht er und sieht die Spieler grinsend an.\\
 +
 +„Ist's mir vergönnt, ein Spielchen mitzumachen?\\
 +Ich trag im Sack viel Geld und theure Sachen.“\\
 +„Topp, Landsmann, topp, Ihr kommt uns wie gerufen,\\
 +Seid uns gegrüßt! und wenn Ihr spielen wollt,\\
 +So setzt Euch nur auf die bemoosten Stufen\\
 +Und lasset blicken Silber oder Gold;\\
 +Denn wahre Spieler müssen Gold erst sehen,\\
 +Eh' zum gewagten Spiel sie sich verstehen.“\\
 +
 +D'rauf zog der Alte schmunzelnd und behende\\
 +Die volle Hand mit blankem Geld hervor,\\
 +Nahm recht gewandt die Karten, und das Ende\\
 +Des langen Blocks er sich zum Sitz erkor.\\
 +
 +„Nun, Burschen, flott! Ich will Euch spielen lehren,\\
 +An Spielens End' sollt Ihr als Gott mich ehren!“\\
 +Und siehe da! er spielte, spielte, spielte;\\
 +Doch seinem Spiele ward das Glück nie hold.\\
 +wenig nur, ob vieles er auch hielte:\\
 +Es schwand dahin sein Silber und sein Gold.\\
 +
 +Das paßte recht zum Krame der Gesellen;\\
 +Das mochte wohl die gier'gen Herzen schwellen.\\
 +D'rauf fiel dem einen Spieler auf die Erde\\
 +Ein Kartenblatt. Er bückte sich darnach,\\
 +Und sah, o Graus! den Huf von einem Pferde,\\
 +Der bei dem einen Fuß des Fremden lag.\\
 +
 +Und durfte er auch seinen Augen trauen:\\
 +Bückt er sich tiefer doch, um recht zu schauen.\\
 +Es war und blieb – dahin schwand aller Zweifel –\\
 +Ein Menschenfuß bei einem Pferdehuf.\\
 +„Hilf, Jesu Christ! Gott sei bei uns! Der [[wesen:Teufel]]!“\\
 +War jetzt des armen Tropfes ängst'ger Ruf,\\
 +Und bei dem Schrei war flugs die Höhl' voll Feuer,\\
 +Entfloh'n war mit Gestank das Ungeheuer.\\
 +
 +Als wie von einem Blitzstrahl jäh getroffen,\\
 +So stierten stumm sich die Gesellen an,\\
 +Und über sich sah'n sie die Höhle offen,\\
 +Wo fest verschlossen sonst sie alles sah'n.\\
 +
 +Viel Kohlen lagen an des Geldes Stelle,\\
 +Die sprühten Funken blutigroth und helle.\\
 +Da flohen sie in Grausen, Angst und Schrecken\\
 +Zum Gotteshaus, das sie vorhin verschmäht,\\
 +Um tiefe Reue dort in sich zu wecken,\\
 +Und sich mit Gott zu sühnen durch Gebet.\\
 +
 +Die [Höhle doch wird sich nicht umgestalten;\\
 +Stets wird den Namen [[region:kakushöhle|Kartstein]] sie behalten.\\
 +
 +//Quelle: [[autor:jhschmitz|J.H.Schmitz]], [[buch:sagen_des_eifellandes|Sagen des Eifellandes]], 1. Band, Trier 1847//
 +----
 +{{tag>sagen sagendeseifellandes eifel jhschmitz eiserfey kartstein kakushoehle gruft teufel hoehle ballade kartenspiel gold silber spott v2}}
sagen/sdel003.1683022231.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)