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sagen:sdel001

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 +====== Das Entstehen des Weinfelder See's ======
  
 +    Sch.
 +
 +Vort auf des Mäuseberges Höh',\\
 +Wo itzt ein schauervoller See,\\
 +Ein Schloß in grauer Vorzeit stand,\\
 +Wie Jung und Alt gar wohl bekannt.\\
 +
 +Das Weib, so in dem Schlosse haust'\\
 +Und täglich fürstlich lebt und schmaust,\\
 +Es war gar hart und Niemand gut,\\
 +Voll Ueppigkeit und Uebermuth.\\
 +
 +Kein Armer durft ihm flehend nah'n,\\
 +Um eine Gabe zu empfah'n;\\
 +Konnt's retten ihn vom Hungertod,\\
 +Warf's Hunden lieber vor das Brod.\\
 +
 +So treibt dieß Weib es lange Zeit,\\
 +Denkt nicht an Tod und Ewigkeit;\\
 +Es treibt, wie Mancher treibt sein Spiel,\\
 +Und find't ganz unverhofft sein Ziel.\\
 +
 +Der Graf und seiner Diener Troß\\
 +Zieh'n aus zur Jagd mit Speer und Roß;\\
 +Sein Schloß, – das sieht er fürder nicht,\\
 +Ereilt alsbald vom Strafgericht.\\
 +
 +Denn plötzlich sinket es, o Graus!\\
 +In fürchterlicher Wellen Braus\\
 +Tief in der Erde Grund hinab; –\\
 +Verschwunden ist's im Fluthengrab!\\
 +
 +Entronnen ist dem Höllenschlund'\\
 +Ein Diener nur, die Schreckenskund'\\
 +Zu bringen seinem edlen Herrn;\\
 +Ihn trifft auf Heimkehr er nicht fern.\\
 +
 +Doch dieser lächelnd zu ihm spricht:\\
 +„Bei Sinnen bist du wahrlich nicht!\\
 +Du lügst, wenn Falchert hier zur Stell'\\
 +Nicht scharrt mit seinem Fuß 'ne Quell'.“\\
 +
 +Und sieh', das Roß es scharrt sogleich,\\
 +Der Ritter graust, und todtenbleich\\
 +Gewahret, wie entquillt dem Sand\\
 +Der Brunn', heut' Falchert noch benannt.\\
 +
 +Und kommt zum schauervollen Ort,\\
 +Und starret lautlos fort und fort,\\
 +Und glaubt, sein Schloß, das müßt ersteh'n,\\
 +Als Täuschung, was er sieht, zergeh'n.\\
 +
 +Und wie er starrt, ob nicht sein Auge lüg',\\
 +Sein Kind, der Säugling in der Wieg,\\
 +Das schaukeln Wellen hin zum Strand, –\\
 +Die Unschuld ruht in Gottes Hand.\\
 +
 +Und nimmt sein Kind und klammert's fest\\
 +An seine Brust, der Habe Rest,\\
 +Und mit ihm flieht er fern vom Maar,\\
 +Und wieder kehrt er – nimmerdar.\\
 +
 +D'rauf, mahnend an des Menschen Pflicht\\
 +Und an der Frevler Strafgericht,\\
 +Das Kirchlein ward am See erbaut,\\
 +Das fern und nah der Wand'rer schaut.\\
 +
 +So wisset, wessen Zeugen sind\\
 +Für uns und jedes Menschenkind:\\
 +Der Falchertsborn, der tiefe See,\\
 +Das Kirchlein, altgrau, auf der Höh'!\\
 +
 +//Quelle: [[autor:jhschmitz|J.H.Schmitz]], [[buch:sagen_des_eifellandes|Sagen des Eifellandes]], 1. Band, Trier 1847//
 +----
 +{{tag>sagen sagendeseifellandes eifel jhschmitz daun ballade ritter übermut flut quelle versinken strafgericht v2}}
sagen/sdel001.1683022185.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)