sagen:sbssur211
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| ====== Der Singestein bei Postelwitz ====== | ====== Der Singestein bei Postelwitz ====== | ||
| - | An rechten Elbufer, oberhalb Schandau, liegt das Dorf Postelwitz, und in der Nähe desselben erhebt sich ein hoher Felsen, genannt der Singestein, von dem aus man eine herrliche Aussicht ins Elbtal genießt. Hier kommt an Sonn- und Festtagen, sowie an schönen Sommerabenden die Postelwitzer Jugend zusammen und treibt da muntere Spiele, obgleich die Sage von der Entstehung des Namens uns eher trübe als heiter stimmen möchte. Es soll nämlich einst zu Pirna ein Hirt gewesen sein, der seine Schafe früh stromaufwärts und nach Tische stromabwärts am Elbufer weidete. Schön war er, das wußten alle Mädchen der Umgegend, allein noch kannte er die Liebe nicht; er freute sich seiner Jugend, liebte seine Herde; allein alles andere kümmerte ihn wenig. Gewöhnlich lagerte er sich am Nachmittag unter einem dichtbelaubten Baume, sah seine Lämmer um sich herum spielen, blies sich ein Liedchen auf seiner Schalmei und verträumte so den Tag im süßen Nichtstun. Siehe, als er sich wieder einst so ins Grüne gelagert hatte, da erblickte er am andern Ufer eine schöne Jungfrau, welche eine Herde Ziegen weidete; am andern und den folgenden Tagen waren Hirtin und Herde wieder da, und so gewöhnte er sich daran, täglich hinüber nach dem Mädchen zu sehen; und siehe, auch dieses schaute zu ihm herüber, so freundlich und liebreich, daß er seine Schalmei ergriff und ihr ein Liedchen hinüberspielte. Wie freute er sich aber, als diese ihm mit lieblicher Stimme eine Antwort sang; er zeigte mit seiner Hand hinüber, die Jungfrau winkte ihm und wies auf den nahen Felsen. Als es nun Abend geworden war, da eilte er mit seinen Schafen nach Hause; aber kaum waren diese besorgt, da war er auch schon wieder am Stromesufer, | + | M.I, Nr. 21; II, Nr. 1264; |
| + | Gräße, Bd. I, Nr. 64; | ||
| + | romantisch bearbeitet von Gottschalck, | ||
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| + | An rechten Elbufer, oberhalb | ||
| Voll Schreck vermochte sie weder ein Wort zu sprechen, noch den Platz zu verlassen. Da trat der Schatten vor sie hin und sprach: | Voll Schreck vermochte sie weder ein Wort zu sprechen, noch den Platz zu verlassen. Da trat der Schatten vor sie hin und sprach: | ||
| - | «Fürchte dich nicht, ich bin dein Bräutigam; als ich das letzte Mal nach Hause schwamm, haben mich die Götter des Stroms zu sich hinabgezogen; | + | «Fürchte dich nicht, ich bin dein Bräutigam; als ich das letzte Mal nach Hause schwamm, haben mich die Götter des Stroms zu sich hinabgezogen; |
| //Anm.: Wir haben hier einen jungen Niederschlag der Sage von Hero und Leander vor uns. - Auf den sogenannten «Singesteinen» wurde bisher alljährlich von den Umwohnern namentlich in der Osterzeit das «Ostersingen» abgehalten. Einheimische, | //Anm.: Wir haben hier einen jungen Niederschlag der Sage von Hero und Leander vor uns. - Auf den sogenannten «Singesteinen» wurde bisher alljährlich von den Umwohnern namentlich in der Osterzeit das «Ostersingen» abgehalten. Einheimische, | ||
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