sagen:sbssur135
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| - | Es war Karfreitag. Vom Chor der Kirche erklang die heilige Passion, als eine arme Frau, die ihr zweijähriges Knäblein auf dem Rücken trug, über den Valtenberg wanderte. Sie kam aus dem böhmischen Orte Hielgersdorf, | + | Es war [[zeit:Karfreitag]]. Vom Chor der Kirche erklang die heilige Passion, als eine arme Frau, die ihr zweijähriges Knäblein auf dem Rücken trug, über den [[region:Valtenberg]] wanderte. Sie kam aus dem böhmischen Orte Hielgersdorf, |
| - | Sie hatte die Goldgrotte gefunden, von der ihr in stiller Dämmerstunde einst erzählt worden war. Nun lag die Zukunft rosig vor ihren Augen. Mit einem Schlage schien sich jetzt ihre bisherige Armut in Reichtum verwandeln zu wollen. Zitternd vor Freude trat sie ein, setzte ihr Knäblein auf den Boden der Grotte nieder und raffte hastig so viel der blanken Goldstücke zusammen, als ihre Schürze nur zu fassen vermochte. Dann eilte sie hinaus und schüttete das Gold vor dem Fels aus. Noch zwei andere Male betrat sie die Höhle, jedesmal eine gleiche kostbare Last hervorschleppend. Als sie aber zum dritten Male die Grotte verließ, hörte sie hinter sich einen Donnerschlag. Sich umblickend gewahrte sie, daß sich der Fels geschlossen hatte. Vergebens suchte sie nach rechts und links, berg-auf- und bergabwärts nach einem Zugange. «Mein Kind, mein Kind will ich nur noch holen», jammerte die Mutter, «öffne dich nur noch ein einziges Mal, starrer Felsen, und gib mir meinen Liebling heraus! Kein Stück von deinem Golde will ich dann mit mir hinwegnehmen.» Doch ihr antwortete nur kaltes Schweigen. Drüben von Steinigtwolmsdorf her erklangen leise die neun Schläge der Berglocke. Schmerzbewegt sank die Frau in die Knie. Da erinnerte sie sich, daß Großmütterlein bei der Erzählung von der Goldgrotte des Valtenberges stets auch gesagt hatte: | + | Sie hatte die Goldgrotte gefunden, von der ihr in stiller Dämmerstunde einst erzählt worden war. Nun lag die Zukunft rosig vor ihren Augen. Mit einem Schlage schien sich jetzt ihre bisherige Armut in Reichtum verwandeln zu wollen. Zitternd vor Freude trat sie ein, setzte ihr Knäblein auf den Boden der Grotte nieder und raffte hastig so viel der blanken Goldstücke zusammen, als ihre Schürze nur zu fassen vermochte. Dann eilte sie hinaus und schüttete das Gold vor dem Fels aus. Noch zwei andere Male betrat sie die Höhle, jedesmal eine gleiche kostbare Last hervorschleppend. Als sie aber zum dritten Male die Grotte verließ, hörte sie hinter sich einen Donnerschlag. Sich umblickend gewahrte sie, daß sich der Fels geschlossen hatte. Vergebens suchte sie nach rechts und links, berg-auf- und bergabwärts nach einem Zugange. «Mein Kind, mein Kind will ich nur noch holen», jammerte die Mutter, «öffne dich nur noch ein einziges Mal, starrer Felsen, und gib mir meinen Liebling heraus! Kein Stück von deinem Golde will ich dann mit mir hinwegnehmen.» Doch ihr antwortete nur kaltes Schweigen. Drüben von [[geo:Steinigtwolmsdorf]] her erklangen leise die neun Schläge der Berglocke. Schmerzbewegt sank die Frau in die Knie. Da erinnerte sie sich, daß Großmütterlein bei der Erzählung von der Goldgrotte des Valtenberges stets auch gesagt hatte: |
| - | «Bist du nicht reinen Herzens, | + | «Bist du nicht reinen Herzens,\\ |
| - | So bringt es dich in Not; | + | So bringt es dich in Not;\\ |
| - | Wohl Schätze wirst du finden, | + | Wohl Schätze wirst du finden,\\ |
| - | Doch aber auch den Tod!» | + | Doch aber auch den Tod!»\\ |
| - | So war die Strafe für ihre Habsucht nun hereingebrochen. Der Mutter war das Söhnlein, ihr bestes Kleinod auf dieser Welt, entrissen. | + | So war die Strafe für ihre Habsucht nun hereingebrochen. Der Mutter war das Söhnlein, ihr bestes Kleinod auf dieser Welt, entrissen. Wehklagend dachte die Ärmste endlich an den Heimweg. In ihrer Schürze nahm sie einen Teil des Goldes mit, das übrige verbarg sie unter Waldstreu, Geäst und Steinen. Erst gegen Abend erreichte sie ihre Wohnung. Unter lautem Schluchzen berichtete sie ihrem Manne, was sie verloren und was sie gefunden habe. Der Gatte war geblendet von dem Glanze des nie besessenen Goldes. Der Gedanke an das sorgenlose, prächtige Leben, das ihm nun bevorstand, machte ihn den Verlust des Kindes vergessen. Anders die Mutter. |
| - | Wehklagend dachte die Ärmste endlich an den Heimweg. In ihrer Schürze nahm sie einen Teil des Goldes mit, das übrige verbarg sie unter Waldstreu, Geäst und Steinen. Erst gegen Abend erreichte sie ihre Wohnung. Unter lautem Schluchzen berichtete sie ihrem Manne, was sie verloren und was sie gefunden habe. Der Gatte war geblendet von dem Glanze des nie besessenen Goldes. Der Gedanke an das sorgenlose, prächtige Leben, das ihm nun bevorstand, machte ihn den Verlust des Kindes vergessen. Anders die Mutter. | + | |
| Von ihren Augen wich der Schlaf. Frühzeitig weckte sie am andern Tage den Mann. Nachdem der mitgebrachte Schatz sorgfältig im Keller versteckt worden war, brach man auf, um auch das andere Gold einzuheimsen. Es lag noch am nämlichen Orte. Der Mann lud es in einen mitgebrachten Karren. Während dessen suchte die Frau mit blutendem Herzen nach dem Eingange. Er war nicht zu finden. Der Felsen blieb geschlossen. Schweigend schritt die Bekümmerte auf dem Heimwege neben dem Gatten einher. Des letztern liebreiche Worte von den Sorgen, welche oft selbst die besten Kinder den Eltern bereiten, und von den Annehmlichkeiten, | Von ihren Augen wich der Schlaf. Frühzeitig weckte sie am andern Tage den Mann. Nachdem der mitgebrachte Schatz sorgfältig im Keller versteckt worden war, brach man auf, um auch das andere Gold einzuheimsen. Es lag noch am nämlichen Orte. Der Mann lud es in einen mitgebrachten Karren. Während dessen suchte die Frau mit blutendem Herzen nach dem Eingange. Er war nicht zu finden. Der Felsen blieb geschlossen. Schweigend schritt die Bekümmerte auf dem Heimwege neben dem Gatten einher. Des letztern liebreiche Worte von den Sorgen, welche oft selbst die besten Kinder den Eltern bereiten, und von den Annehmlichkeiten, | ||
| - | Je näher die beiden dem Dorfe kamen, desto leichter schien der Karren zu werden. Daheim angelangt, ersahen sie mit Schrecken, daB sich nichts als welkes Laub auf dem Wäglein befand. Auch die Goldstücke im Keller waren verwandelt. Dort lag nur ein Haufen Wertloser Scherben. Wer beschreibt die Enttäuschung und den Ärger des Mannes, wer die Wehmut der Frau? Letztere erkannte ihre Schuld und suchte dieselbe durch allerlei fromme Büßungen zu sühnen. An jedem Festage pilgerte sie hinauf nach dem Valtenberge, | + | Je näher die beiden dem Dorfe kamen, desto leichter schien der Karren zu werden. Daheim angelangt, ersahen sie mit Schrecken, daB sich nichts als welkes Laub auf dem Wäglein befand. Auch die Goldstücke im Keller waren verwandelt. Dort lag nur ein Haufen Wertloser Scherben. Wer beschreibt die Enttäuschung und den Ärger des Mannes, wer die Wehmut der Frau? Letztere erkannte ihre Schuld und suchte dieselbe durch allerlei fromme Büßungen zu sühnen. An jedem Festage pilgerte sie hinauf nach dem Valtenberge, |
| - | Wonnetrunken eilte sie hinein. Alles war noch wie vorm Jahre. Die goldgefüllte Braupfanne stand noch am selben Orte, und am Boden, wo sie es verlassen, saß auch ihr holdes Knäblein, unversehrt und spielend mit einer lichten Engelsgestalt, | + | Wonnetrunken eilte sie hinein. Alles war noch wie vorm Jahre. Die goldgefüllte Braupfanne stand noch am selben Orte, und am Boden, wo sie es verlassen, saß auch ihr holdes Knäblein, unversehrt und spielend mit einer lichten Engelsgestalt, |
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