Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:sbssur100

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:sbssur100 [2024/03/25 13:55] ewuschsagen:sbssur100 [2025/01/30 17:58] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 18: Zeile 18:
 Der Schneider konnte vor Angst und Erstaunen nur stammeln, daß er gegen jedermann schweigen wolle. Darauf fuhr die [[wesen:Schloßjungfrau]] fort: "Dich hat mir Gott gesendet, denn du kannst mich erlösen. Schon seit 500 Jahren muß ich hier verzaubert für die Sünden meiner Vorfahren büßen. Nur aller 500 Jahre kommt der Tag, an dem ich gerettet werden kann, und zwar durch einen frommen Jüngling. So du den Fluch von mir nehmen willst, komme über zwölf Tage mittags zwölf Uhr wieder hierher. Beichte aber vorher deine Sünden. Ich werde dir dann wieder erscheinen, freilich in anderer Gestalt. So schrecklich ich dir dann auch vorkommen mag, laß dir nur nicht grauen, sondern küsse mich dreimal brünstig auf den Mund. Dann ist der Zauber gelöst, und ich werde mit all meinen Schätzen, die in diesem Berge verborgen sind, dein werden können. Vergiß nicht, was ich dir sagte, schweige und leb wohl!" Der Schneider konnte vor Angst und Erstaunen nur stammeln, daß er gegen jedermann schweigen wolle. Darauf fuhr die [[wesen:Schloßjungfrau]] fort: "Dich hat mir Gott gesendet, denn du kannst mich erlösen. Schon seit 500 Jahren muß ich hier verzaubert für die Sünden meiner Vorfahren büßen. Nur aller 500 Jahre kommt der Tag, an dem ich gerettet werden kann, und zwar durch einen frommen Jüngling. So du den Fluch von mir nehmen willst, komme über zwölf Tage mittags zwölf Uhr wieder hierher. Beichte aber vorher deine Sünden. Ich werde dir dann wieder erscheinen, freilich in anderer Gestalt. So schrecklich ich dir dann auch vorkommen mag, laß dir nur nicht grauen, sondern küsse mich dreimal brünstig auf den Mund. Dann ist der Zauber gelöst, und ich werde mit all meinen Schätzen, die in diesem Berge verborgen sind, dein werden können. Vergiß nicht, was ich dir sagte, schweige und leb wohl!"
  
-Mit diesen Worten war sie verschwunden. Wie aus einer Betäubung erwacht, starrte der junge Mann ihr nach. Er glaubte geträumt zu haben, doch so lebhaft träumt man nicht. Mit schwerem Herzen stieg er nach Schandau hinab. Nein, diese liebliche Gestalt konnte kein böser [[typ:Geist]] sein. Und war nicht über zwölf Tage, wo er sie erlösen sollte, der hochheilige [[zeit:Karfreitag]]? So entschloß er sich, das Werk zu versuchen. In der Zwischenzeit mied er ängstlich den Schloßberg. Am Gründonnerstage aber ging er zur [[typ:Beichte]] und zum Abendmahle und stieg am folgenden Tage nach dem Gottesdienste klopfenden Herzens zum Schloßbrunnen hinan. Mit bangem Mute wartete er der Dinge, die da kommen sollten.+Mit diesen Worten war sie verschwunden. Wie aus einer Betäubung erwacht, starrte der junge Mann ihr nach. Er glaubte geträumt zu haben, doch so lebhaft träumt man nicht. Mit schwerem Herzen stieg er nach Schandau hinab. Nein, diese liebliche Gestalt konnte kein böser Geist sein. Und war nicht über zwölf Tage, wo er sie erlösen sollte, der hochheilige [[zeit:Karfreitag]]? So entschloß er sich, das Werk zu versuchen. In der Zwischenzeit mied er ängstlich den Schloßberg. Am Gründonnerstage aber ging er zur Beichte und zum Abendmahle und stieg am folgenden Tage nach dem Gottesdienste klopfenden Herzens zum Schloßbrunnen hinan. Mit bangem Mute wartete er der Dinge, die da kommen sollten.
  
 Plötzlich im Tale läuteten die Mittagsglocken, wand sich zu seinem großen Entsetzen aus der Tiefe des Brunnens ein greuliches Ungeheuer hervor. Ein grünlich schimmernder Schlangenleib mit häßlichem Krötenkopfe, aus dessen Mund eine tiefgespaltene Zunge sich hervorstreckte, schob sich langsam auf ihn zu. "Nun küsse mich", sprach das Ungeheuer, kam näher, erhob sich mit dem Vorderteile und brachte den Kopf in gleiche Höhe mit dem des Schneiders. Dieser hatte anfangs wie festgewurzelt dagestanden, jetzt aber wich er scheu zurück, bis er plötzlich mit dem Aufschrei: "Alle guten Geister loben Gott den Herrn!" die Flucht ergriff. Plötzlich im Tale läuteten die Mittagsglocken, wand sich zu seinem großen Entsetzen aus der Tiefe des Brunnens ein greuliches Ungeheuer hervor. Ein grünlich schimmernder Schlangenleib mit häßlichem Krötenkopfe, aus dessen Mund eine tiefgespaltene Zunge sich hervorstreckte, schob sich langsam auf ihn zu. "Nun küsse mich", sprach das Ungeheuer, kam näher, erhob sich mit dem Vorderteile und brachte den Kopf in gleiche Höhe mit dem des Schneiders. Dieser hatte anfangs wie festgewurzelt dagestanden, jetzt aber wich er scheu zurück, bis er plötzlich mit dem Aufschrei: "Alle guten Geister loben Gott den Herrn!" die Flucht ergriff.
sagen/sbssur100.1711371317.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)