sagen:sbssur100
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| + | > Sage des Monats August 2023 | ||
| ====== Die Schloßjungfrau zu Schandau ====== | ====== Die Schloßjungfrau zu Schandau ====== | ||
| - | M. I, Nr. 19; II, Nr. 720; G. Müller in "Bunte Bilder aus dem Sachsenlande", | + | |
| - | Auf dem Schloßberge bei Schandau befindet sich neben anderen Resten einer ehemaligen Burg auch eine von Geröll schon zum Teil ausgefüllte Vertiefung, der Schloßbrunnen, | + | |
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| Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal in Schandau ein blutarmer, aber frommer Schneidergeselle. Er war meist allein, denn das wilde Treiben seiner Mitgesellen behagte ihm nicht. Die Schankhäuser besuchte er nur selten. Wohl aber ging er jeden Sonntag zur Kirche, und nach dem Gottesdienste stieg er bei günstigem Wetter auf die schönen Berge. | Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal in Schandau ein blutarmer, aber frommer Schneidergeselle. Er war meist allein, denn das wilde Treiben seiner Mitgesellen behagte ihm nicht. Die Schankhäuser besuchte er nur selten. Wohl aber ging er jeden Sonntag zur Kirche, und nach dem Gottesdienste stieg er bei günstigem Wetter auf die schönen Berge. | ||
| - | So kam er einst an einem herrlichen Märztage, es war just Sonntag Judica, aus der Nachmittagspredigt und ging auf den Schloßberg spazieren. Rings um ihn sproßte und jubelte der Lenz. Unbemerkt war unser Schneider auf die Höhe des Kiefericht und in die Nähe des Schloßbrunnens gekommen. Er setzte sich dort gedankenvoll am Berghange nieder und blickte nach den fernen glauben | + | So kam er einst an einem herrlichen Märztage, es war just [[zeit: |
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| + | Der Schneider konnte vor Angst und Erstaunen nur stammeln, daß er gegen jedermann schweigen wolle. Darauf fuhr die [[wesen: | ||
| - | Der Schneider konnte vor Angst und Erstaunen nur stammeln, daß er gegen jedermann schweigen wolle. Darauf fuhr die Schloßjungfrau fort: "Dich hat mir Gott gesendet, denn du kannst mich erlösen. Schon seit 500 Jahren muß ich hier verzaubert für die Sünden meiner Vorfahren büßen. Nur aller 500 Jahre kommt der Tag, an dem ich gerettet werden kann, und zwar durch einen frommen Jüngling. So du den Fluch von mir nehmen willst, komme über zwölf Tage mittags zwölf Uhr wieder hierher. Beichte aber vorher deine Sünden. Ich werde dir dann wieder erscheinen, freilich in anderer Gestalt. | + | Mit diesen Worten war sie verschwunden. Wie aus einer Betäubung erwacht, starrte der junge Mann ihr nach. Er glaubte geträumt zu haben, doch so lebhaft träumt man nicht. Mit schwerem Herzen stieg er nach Schandau hinab. Nein, diese liebliche Gestalt konnte kein böser Geist sein. Und war nicht über zwölf Tage, wo er sie erlösen sollte, der hochheilige [[zeit: |
| - | Mit diesen Worten war sie verschwunden. Wie aus einer Betäubung erwacht, starrte der junge Mann ihr nach. Er glaubte geträumt zu haben, doch so lebhaft träumt man nicht. Mit schwerem Herzen stieg er nach Schandau hinab. Nein, diese liebliche Gestalt konnte kein böser Geist sein. Und war nicht über zwölf Tage, wo er sie erlösen sollte, der hochheilige Karfreitag? So entschloß er sich, das Werk zu versuchen. In der Zwischenzeit mied er ängstlich den Schloßberg. Am Gründonnerstage aber ging er zur Beichte und zum Abendmahle und stieg am folgenden Tage nach dem Gottesdienste klopfenden Herzens zum Schloßbrunnen hinan. Mit bangem Mute wartete er der Dinge, die da kommen sollten. | ||
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