sagen:sbssur087
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| CL. König im "Neuen Lausitz. Magazin" | CL. König im "Neuen Lausitz. Magazin" | ||
| - | Waren einst in Neukircher einige junge Leute durch Zufall über eins von jenen anrüchigen Büchern geraten, welche von geheimenDingen | + | Waren einst in [[geo: |
| - | Es war eine unheimliche, | + | Es war eine unheimliche, |
| - | Die alte Schwarzwälder Uhr hob jetzt auf Zwölf aus, und ihr Knarren kam diesmal den Burschen sehr eigentümlich vor; doch teilte keiner dem anderen seine Gedanken mit. Wieder trat tiefe Stille in der Stube ein, draußen rüttelte der Sturm an den Fensterlten, der Birnbaum seufzte und wehklagte, und auf dem Boden ließ eine Katze ihr klägliches Geschrei ertönen, dem bald eine zweite noch kläglicher antwortete. | + | Die alte Schwarzwälder Uhr hob jetzt auf Zwölf aus, und ihr Knarren kam diesmal den Burschen sehr eigentümlich vor; doch teilte keiner dem anderen seine Gedanken mit. Wieder trat tiefe Stille in der Stube ein, draußen rüttelte der Sturm an den Fensterläden, der Birnbaum seufzte und wehklagte, und auf dem Boden ließ eine Katze ihr klägliches Geschrei ertönen, dem bald eine zweite noch kläglicher antwortete. |
| - | Da schlug es Zwölf, und noch während der Kuckuck an der alten Schwarzwälder in einem fort schrie und die Flügel dazu bewegte, buchstabierte | + | |
| - | Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten; denn plötzlich entstand ein sonderbares Geräusch in der Ofenpfanne. Der Deckel sprang auf, und mit gellendem Meckern sprang ein kohlschwarzes Böcklein daraus hervor, das sehr bald anfing, auf seinen Hinterbeinen sich zu erhaben und nach seinem Schatten an der Wand zu stoßen. | + | Da schlug es Zwölf, und noch während der Kuckuck an der alten Schwarzwälder in einem fort schrie und die Flügel dazu bewegte, buchstabierte |
| - | "Da haben wir' | + | |
| - | Aber Lob, einmal im Eifer, war durchaus nicht der Meinung sondern las, nach einem vorwurfsvollen Seitenblick auf seinen Gefährten, herzhaft weiter. Und siehe da! Immer reicher entfaltete die Beschwörung ihre geheimnisvolle Kraft. Die kupferne Pfanne schien unerschöpflich; | + | Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten; denn plötzlich entstand ein sonderbares Geräusch in der Ofenpfanne. Der Deckel sprang auf, und mit gellendem Meckern sprang |
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| + | "Da haben wir' | ||
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| + | Aber Lob, einmal im Eifer, war durchaus nicht der Meinung sondern las, nach einem vorwurfsvollen Seitenblick auf seinen Gefährten, herzhaft weiter. Und siehe da! Immer reicher entfaltete die Beschwörung ihre geheimnisvolle Kraft. Die kupferne Pfanne schien unerschöpflich; | ||
| "Eine schöne Bescherung!" | "Eine schöne Bescherung!" | ||
| "Mir auch", beteuerte Ehr' | "Mir auch", beteuerte Ehr' | ||
| - | Lb war jetzt am Ende seiner Beschwörung und hätte mit dem glänzenden Erfolge derselben sehr zufrieden sein dürfen, wenn nicht plötzlich der hinkende Boten nachgekommen wäre und einer früher übersehene Anmerkung in dem Buche ihn belehrt hätte, er müsse, um seine Gäste wieder in die Ofenpfanne zurückzubinden, | + | Lob war jetzt am Ende seiner Beschwörung und hätte mit dem glänzenden Erfolge derselben sehr zufrieden sein dürfen, wenn nicht plötzlich der hinkende Boten nachgekommen wäre und einer früher übersehene Anmerkung in dem Buche ihn belehrt hätte, er müsse, um seine Gäste wieder in die Ofenpfanne zurückzubinden, |
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| + | Rückwärts lesen! Der arme Lob kratzte sich in höchster Verlegenheit hinter seinen ansehnlichen Ohren - er hatte zwar im Katechismus und Gesangbuch vorwärts lesen gelernt, aber rückwärts lesen hatte ihn sein alter Schulmeister nicht gelehrt. Große Verlegenheit! Lob teilte seinen Freunden den kitzligen Übelstand mit, die sich nun ebenfalls hinter den Ohren kratzten, - ein Ausdruck der Verlegenheit, | ||
| - | Rückwärts lesen! Der arme Lob kratzte sich in höchster Verlegenheit hinter seinen ansehnlichen Ohren - er hatte zwar im Katechismus und Gesangbuch vorwärts lesen gelernt, aber rückwärts lesen hatte ihn sein alter Schulmeister nicht gelehrt. | + | Ohne alle Fragen war die Lage der armen Burschen trostlos genug, besonders die des am meisten beteiligten |
| - | Große Verlegenheit! | + | |
| - | Ohne alle Fragen war die Lage der armen Burschen trostlos genug, besonders die des am meisten beteiligten Lob. | + | Der Prediger saß noch angekleidet in seinem Studierstübchen, mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, |
| - | "Da haben wir's," | + | |
| - | "Ja Lob, lies das Buch zurück, | + | |
| - | Schließlich beteuerte auch Ehr' | + | |
| - | Der Prediger saß noch angekleidet in seinem Studierstübchen, | ||
| - | Der Pfarrer winkte ihm Stillschweigen zu, als er gar nicht fertig werden konnte. | ||
| - | "Schon gut, schon gut, ich weiß, was du mir sagen willst... ich habe schon seit einer Viertelstunde auf dich gewartet!" | ||
| - | "Um so besser, Herr Pastor, so sei Er nur so gut und komme Er, uns aus unserer Bedrängnis zu helfen, ich will auch in meinem Leben kein Zauberbuch mehr in die Hand nehmen. Komm' Er schnell und les' Er das Buch zurück, sonst wird der Lieb noch zu Schanden gestoßen und der Toffl zu Brei gequetscht. Ich selber bin schon ganz kontrakt am ganzen Körper..." | ||
| - | " | ||
| - | "Er will uns also nicht helfen?! heulte Lob, der die Bemerkung des Pastors anders deutete. | ||
| - | "O doch," beruhigte der Seelsorger, indem er nach seinem Stock langte, "komm, Lob, wir wollen dem Spuk zeigen, daß wir Gewalt über ihn haben!" | ||
| Bald war man an des Lobs Hause angelangt, das Fenster stand noch auf, und Pastor und Geisterbeschwörer nahmen durch dasselbe ihren Weg in das Innere, wo noch immer gekämpft wurde. "Gott sei Dank, ich komme nicht zu spät", | Bald war man an des Lobs Hause angelangt, das Fenster stand noch auf, und Pastor und Geisterbeschwörer nahmen durch dasselbe ihren Weg in das Innere, wo noch immer gekämpft wurde. "Gott sei Dank, ich komme nicht zu spät", | ||
| - | Das klang freilich sehr schauerlich; | + | Das klang freilich sehr schauerlich; |
| Lob und Genossen haben ihr Versprechen redlich gehalten, und sich, in Erinnerung der grauenhaften Nacht, wo sie beinahe dem Teufel verfallen wären, nie mehr mit Dingen abgegeben, die dem besten Christen allenfalls den Hals und die Seligkeit kosten können. Aber alle vier sind jung gestorben, an einem Knall, gerade nicht am Körper, aber im Herzen, und den haben sie nicht verwinden können ihr Leben lang. | Lob und Genossen haben ihr Versprechen redlich gehalten, und sich, in Erinnerung der grauenhaften Nacht, wo sie beinahe dem Teufel verfallen wären, nie mehr mit Dingen abgegeben, die dem besten Christen allenfalls den Hals und die Seligkeit kosten können. Aber alle vier sind jung gestorben, an einem Knall, gerade nicht am Körper, aber im Herzen, und den haben sie nicht verwinden können ihr Leben lang. | ||
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