sagen:satc184
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| + | ====== Der Wichtel Rache ====== | ||
| + | Am rothen Berge im Bechstädter Felde bei Kammerforst hielt sich vor alten Zeiten tief im Schoße der Erde eine Wichtelkolonie auf. Die kleinen Wesen zeigten sich gegen die Einwohner des Dorfes, mit denen sie zuweilen in Verkehr kamen, immer freundlich und freigebig, nur mußte man sich wohl in Acht nehmen, sie nicht zu beleidigen, denn sie waren empfindlicher Natur, dabei boshaft und rachsüchtig. | ||
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| + | Einst ackerte ein Bauer aus Kammerforst auf seinem Felde am rothen Berge. Als er nach einiger Zeit an den Pflug gelehnt, ein wenig ausruhte und verschnaufte, | ||
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| + | Der Wichtel, welcher die Weiber zum Kneten rief, ging wahrscheinlich, | ||
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| + | Als nun die Mittagszeit heranrückte und die Thurmuhr in Kammerforst das Zeichen zur Rast gab, schirrte der Bauer sein Pferd ab und ritt nach Hause. Noch war aber das Feld nicht vollständig geackert, deshalb zog er Nachmittags mit dem Gaule noch einmal hinaus, die übrige Arbeit zu thun; aber wie staunte der Mann, als er auf der Pflugschar ein großes Stück Kuchen fand , so warm und friſch, als sei er eben erst aus dem Ofen gekommen . Der Bauer ging lange mit sich zu Rathe, was er wohl thun solle, der Kuchen roch aber so lieblich und einladend, daß er zuleßt alle Bedenken beiseite ließ und den Kuchen verzehrte. | ||
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| + | Er schmeckte vortrefflich. Noch war der Bauer damit nicht ganz fertig, da stand plötzlich ein kleines häßliches Männchen mit einem gewaltig dicken Kopfe und verfilzten Haaren neben dem Pfluge. Der Bauer erschrak, daß ihm der Bissen im Munde stecken blieb; das Männchen aber lächelte und fragte ganz freundlich: Nun, hat dir der Kuchen geschmeckt? “ „Ei freilich," | ||
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| + | „Eins, zwei, drei,\\ | ||
| + | Wichtel schaff‘ Kuchen herbei!“ | ||
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| + | Du darfst aber keinen Kuchen verschenken, | ||
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| + | Erfreut über diese tröstliche Zusage, trieb der Bauer seinen Gaul an, pfiff ein lustiges Lied und pflügte seinen Acker; als er aber an den genannten Gewendestein kam, lag richtig die versprochene Haselgerte da. Sorgfältig verbarg er sie unter seinem Wams, und so oft ihn später das Verlangen nach Kuchen ankam, und es stellte sich oft ein, schlug er mit der Gerte an die Ofenröhre, sagte sein Sprüchlein und fand jedesmal ein großes Stück des besten Kuchens. | ||
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| + | Nach einiger Zeit war Hochzeit in seinem Hause; seine Tochter hatte ein reicher Bursche des Dorfes geheiratet. Bei dieser Hochzeit ging es gar hoch her, die ganze Freundschaft und Verwandtschaft war geladen und die Gäste ließen sich's trefflich schmecken, so daß bald Alles im Hause aufgezehrt war. Um Mitternacht verlangen die Gäste nochmals Kuchen, und obwohl der Hochzeitsvater ihnen versichert, daß auch nicht das kleinste Stückchen mehr vorhanden sei, so bestehen sie dennoch auf ihrer Forderung und verspotten und höhnen den Bauer, daß er seine Gäste hungrig wolle heimgehen lassen. | ||
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| + | Solcher Hohn und Spott war dem Bauer ärgerlich und empfindlich. „Ei," | ||
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| + | Sogleich stieß er in seinem Aerger einen Fluch über die heimtückischen Wichtel aus und drohte den ersten, der ihm wieder in den Weg komme, halbtodt zu schlagen. „Nimm dich in Acht," antwortete eine dumpfe Stimme, welche der Bauer als des Wichtels Stimme erkannte, daß nicht an dich zuerst die Reihe kommt.“ | ||
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| + | Noch saßen die Gäste lustig und guter Dinge am Tische und tranken aus großen Krügen einander den Abschied zu, da ging die Scheune des Hofes in Flammen auf, und wie sehr man sich auch bemühte, dem Feuer Einhalt zu thun, in kurzer Zeit war auch das Wohnhaus ergriffen und ehe der Morgen graute, lag der ganze Hof in Schutt und Asche , den Bauer aber fand man todt und entstellt hinter einer Lehmwand liegen . | ||
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| + | Die Wichtel sollen darauf ihre Stätte für immer verlassen haben und in den Hainich gezogen sein. | ||
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sagen/satc184.1710966926.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
