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sagen:satc145

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 Kurz vor den Zeiten der großen Völkerwanderung herrschte in Skandinavien der König Gram; der hatte die Schweden die Wucht seines Schwertes schwer fühlen lassen, und auch die Nachbarn und Verbündeten derselben, die Finnen, an der Newamündung durch räuberische Landung hart bedrängt. Da gedachte Simblus, der Finnenkönig, zur Sicherung des Landes und zu der Feinde Demüthigung ein Bündniß mit den Sachsen zu schließen, und damit das Band, welches die Völker von nun an verknüpfen sollte, inniger und dauernder noch um sie geschlungen werde durch die Verbindung der Herrscherfamilien: so freite Heinrich, der junge Sachsenfürst, des Finnenkönigs schöne Tochter. Viel stattliche Kämpen, glänzend im Waffenschmuck, bestiegen mit ihm die bunt bewimpelten Schiffe zur fröhlichen Brautfahrt über das Meer. Ein frischer Wind legte sich in die vollen Segel und mit den Wolken um die Wette flog das Geschwader über die krystallene Fluth. Bald waren sie den ersehnten Küsten nahe, und es landete der theure Held; aber die Sonne ging in Nebeln auf, ein bleicher Lichtschein nur verbreitete sich über die Flächen; die grauen Felsen am Ufer verbargen ihre kahlen Häupter in dem Schaum der Wellen und murmelten Klagelieder aus tiefstem Grunde. Kurz vor den Zeiten der großen Völkerwanderung herrschte in Skandinavien der König Gram; der hatte die Schweden die Wucht seines Schwertes schwer fühlen lassen, und auch die Nachbarn und Verbündeten derselben, die Finnen, an der Newamündung durch räuberische Landung hart bedrängt. Da gedachte Simblus, der Finnenkönig, zur Sicherung des Landes und zu der Feinde Demüthigung ein Bündniß mit den Sachsen zu schließen, und damit das Band, welches die Völker von nun an verknüpfen sollte, inniger und dauernder noch um sie geschlungen werde durch die Verbindung der Herrscherfamilien: so freite Heinrich, der junge Sachsenfürst, des Finnenkönigs schöne Tochter. Viel stattliche Kämpen, glänzend im Waffenschmuck, bestiegen mit ihm die bunt bewimpelten Schiffe zur fröhlichen Brautfahrt über das Meer. Ein frischer Wind legte sich in die vollen Segel und mit den Wolken um die Wette flog das Geschwader über die krystallene Fluth. Bald waren sie den ersehnten Küsten nahe, und es landete der theure Held; aber die Sonne ging in Nebeln auf, ein bleicher Lichtschein nur verbreitete sich über die Flächen; die grauen Felsen am Ufer verbargen ihre kahlen Häupter in dem Schaum der Wellen und murmelten Klagelieder aus tiefstem Grunde.
  
-Indeß zu Rasseborg am finnischen Meerbusen, wo Simblus königlichen Hof hielt, erscholl Freude in den festlich geschmückten Hallen; Skiath, die liebliche, saß an des Sachsenfürsten Seite beim hochzeitlichen Mahle, ringsum die Edelsten der befreundeten Völker. Doch ehe die Mitternacht herbeikommt, erschreckt fremder Waffen Getöse die Gäste. Heimlich war der Dänenkönig Gram an das Land gestiegen. Gewaltsam werden die Pforten aufgestoßen und die Freudenmahlsstätte wird zur traurigen Wahlstatt. Skiath fällt bewußtlos zu Boden, der greise Vater wird von dem erbarmungslosen Schwerte der Dänen dahingewürgt; Heinrich selbst aber, schreitend über die theure Leiche und die Braut schirmend, kämpft mit der Kraft eines Gottes. Da dringt der befreundete Klang eines Gifthorns in den Saal, Roderich, des Finnenkönigs Vetter, kehrt vom fernen Kriegszuge heim zur guten Stunde, bricht sich Bahn mit gewaltigen Streichen; die Dänen bestürzt, im Rücken bedroht, müssen weichen und segeln, sich begnügend mit des Königs Mord und dem angerichteten Blutbade, auf beflügelten Schiffen davon .+Indeß zu Rasseborg am finnischen Meerbusen, wo Simblus königlichen Hof hielt, erscholl Freude in den festlich geschmückten Hallen; Skiath, die liebliche, saß an des Sachsenfürsten Seite beim hochzeitlichen Mahle, ringsum die Edelsten der befreundeten Völker. Doch ehe die Mitternacht herbeikommt, erschreckt fremder Waffen Getöse die Gäste. Heimlich war der Dänenkönig Gram an das Land gestiegen. Gewaltsam werden die Pforten aufgestoßen und die Freudenmahlsstätte wird zur traurigen Wahlstatt. Skiath fällt bewußtlos zu Boden, der greise Vater wird von dem erbarmungslosen Schwerte der Dänen dahingewürgt; Heinrich selbst aber, schreitend über die theure Leiche und die Braut schirmend, kämpft mit der Kraft eines Gottes. Da dringt der befreundete Klang eines Gifthorns in den Saal, Roderich, des Finnenkönigs Vetter, kehrt vom fernen Kriegszuge heim zur guten Stunde, bricht sich Bahn mit gewaltigen Streichen; die Dänen bestürzt, im Rücken bedroht, müssen weichen und segeln, sich begnügend mit des Königs Mord und dem angerichteten Blutbade, auf beflügelten Schiffen davon.
  
 Bald auch kehrte Heinrich und viele seiner Getreuen, die dem Tode entronnen waren, heim; auch Tausende von den Finnen, von Roderich geführt, verließen damals mit Weib und Kind und Habe den blutgetränkten, feindesoffenen Boden ihrer Väter, um in den Länderstrecken jenseits des Harzes, wo die Thüringer hausten von den Sachsen, deren Grenznachbarn, dazu ermuntert eine neue Heimat sich zu begründen. Und wie alle Auswanderer selbst in der Ferne sich noch immer stark angezogen fühlen an das verlassene Vaterland, und lieben, in dem Neuen das Alte gleichsam zu verjüngen, so gab Roderich der Ringburg, welche er auf dem äußersten, nach heißem Streite den Thüringern entrissenen Berge - dem heutigen Streitholze erbaute, nach der alten Hofburg seiner Väter in Finnland den Namen Rasseburg. Noch zeigt tief im Waldesdickicht bemoostes Gestein und ein Ringgraben dem Wanderer die Stätte, wo sie stand. Bald auch kehrte Heinrich und viele seiner Getreuen, die dem Tode entronnen waren, heim; auch Tausende von den Finnen, von Roderich geführt, verließen damals mit Weib und Kind und Habe den blutgetränkten, feindesoffenen Boden ihrer Väter, um in den Länderstrecken jenseits des Harzes, wo die Thüringer hausten von den Sachsen, deren Grenznachbarn, dazu ermuntert eine neue Heimat sich zu begründen. Und wie alle Auswanderer selbst in der Ferne sich noch immer stark angezogen fühlen an das verlassene Vaterland, und lieben, in dem Neuen das Alte gleichsam zu verjüngen, so gab Roderich der Ringburg, welche er auf dem äußersten, nach heißem Streite den Thüringern entrissenen Berge - dem heutigen Streitholze erbaute, nach der alten Hofburg seiner Väter in Finnland den Namen Rasseburg. Noch zeigt tief im Waldesdickicht bemoostes Gestein und ein Ringgraben dem Wanderer die Stätte, wo sie stand.
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