Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:satc016

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:satc016 [2024/05/25 00:21] ewuschsagen:satc016 [2025/01/30 17:58] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 7: Zeile 7:
     Dür. Chron. S. 377 ff.     Dür. Chron. S. 377 ff.
  
-Unter diesen Grafen und Herren war keiner so geschickt im Reden als Herr Rudolf von Varila, der Schenk. Diesen baten die Herren insgesammt, daß er ihrer aller Wort bei dem Landgrafen Heinrich und seinem Bruder führen möchte, und das that er. Sie gingen zu dem Fürsten, umringten ihn und der Schenk hub also an: „Herr, alle meine Freunde und eure Mannen, die hier gegenwärtig sind, haben mich gebeten mit euch zu reden. Wir haben gehört und vernommen in Franken und auch hier in Thüringen von euch solche Unmilde, daß unser Gemüth erschrocken ist und unser Angesicht von Scham gefärbt ward, darüber daß an euch solche Unseinheit, Untugend und Hartherzigkeit erfunden ist. Ei, junger Fürst, was habt ihr gethan! Wer hat euch das gerathen, daß ihr eures Bruders Weib, die betrübte Witwe, die Tochter eines edeln Königs, die ihr billig getröstet und geehrt haben solltet, ohne Ursache aus euerm Schloß und aus euern Städten gewiesen habt, wie ein übelthätiges schnödes Weib, da doch ihr schöner Leumund aller Orten und Enden dem widerspricht, und habt sie so gar unedel und unfein verstoßen und in eurer Stadt darben und Mangel leiden lassen gleich einer Bettlerin? Und eures Bruders kleine Waisen, die ihr solltet erzogen und in redlicher Vormundschaft gehalten, denen ihr Liebe und Güte solltet bewiesen haben, die habt ihr lästerlich von euch gewiesen ! Wo war da eure brüderliche Treue? Solches hat euch euer seliger Bruder, der tugendsame Fürst, nicht gelehrt, der das nicht dem geringsten seiner ehrbaren Mannen gethan hätte. Wie mögen wir wohl Treue und Gnade bei euch suchen, dieweil ihr solche Untreue bewiesen habt?"+Unter diesen Grafen und Herren war keiner so geschickt im Reden als Herr Rudolf von Varila, der Schenk. Diesen baten die Herren insgesammt, daß er ihrer aller Wort bei dem Landgrafen Heinrich und seinem Bruder führen möchte, und das that er. Sie gingen zu dem Fürsten, umringten ihn und der Schenk hub also an: „Herr, alle meine Freunde und eure Mannen, die hier gegenwärtig sind, haben mich gebeten mit euch zu reden. Wir haben gehört und vernommen in Franken und auch hier in Thüringen von euch solche Unmilde, daß unser Gemüth erschrocken ist und unser Angesicht von Scham gefärbt ward, darüber daß an euch solche Unseinheit, Untugend und Hartherzigkeit erfunden ist. Ei, junger Fürst, was habt ihr gethan! Wer hat euch das gerathen, daß ihr eures Bruders Weib, die betrübte [[vip:elisabethvonthueringen|Witwe]], die Tochter eines edeln Königs, die ihr billig getröstet und geehrt haben solltet, ohne Ursache aus euerm Schloß und aus euern Städten gewiesen habt, wie ein übelthätiges schnödes Weib, da doch ihr schöner Leumund aller Orten und Enden dem widerspricht, und habt sie so gar unedel und unfein verstoßen und in eurer Stadt darben und Mangel leiden lassen gleich einer Bettlerin? Und eures Bruders kleine Waisen, die ihr solltet erzogen und in redlicher Vormundschaft gehalten, denen ihr Liebe und Güte solltet bewiesen haben, die habt ihr lästerlich von euch gewiesen ! Wo war da eure brüderliche Treue? Solches hat euch euer seliger Bruder, der tugendsame Fürst, nicht gelehrt, der das nicht dem geringsten seiner ehrbaren Mannen gethan hätte. Wie mögen wir wohl Treue und Gnade bei euch suchen, dieweil ihr solche Untreue bewiesen habt?"
  
-Zu diesen Reden schwieg der Landgraf; er wußte vor Scham nicht, was er darauf antworten sollte, und schlug sein Haupt nieder. Da hub der Schenk wieder an: „Herr, was habt ihr von der kranken, verlassenen, betrübten Frau gefürchtet, die aus einem fremden Lande ohne Freunde und Verwandte hier gewesen ist, und was würde euch die heilige und tugendsame Frau gethan haben, selbst wenn sie alle eure Schlösser inne gehabt hätte? Wie gar untugendlich lautet das, wenn man dessen in andern Ländern gedenket ! Pfui der Schande, die von Fremden und Bekannten nun unsere Ohren oft hören müssen! Ihr habt sehr übel daran gethan. Ihr habt ohne Zweifel Gott erzürnet, euch selbst Unehre angethan, das ganze Thüringerland gelästert und den fürstlichen Leumund geschwächt, und wahrlich ich fürchte, daß die Rache Gottes über dieses Land kommen wird, es sei denn, daß ihr gegen Gott das büßet und euch gütlich mit der frommen Frau sühnet und ihr das wieder gebet, das ihr und eures Bruders Kindern von euch gekürzt worden ist."+Zu diesen Reden schwieg der Landgraf; er wußte vor Scham nicht, was er darauf antworten sollte, und schlug sein Haupt nieder. Da hub der Schenk wieder an: „Herr, was habt ihr von der kranken, verlassenen, betrübten Frau gefürchtet, die aus einem fremden Lande ohne Freunde und Verwandte hier gewesen ist, und was würde euch die heilige und tugendsame Frau gethan haben, selbst wenn sie alle eure Schlösser inne gehabt hätte? Wie gar untugendlich lautet das, wenn man dessen in andern Ländern gedenket! Pfui der Schande, die von Fremden und Bekannten nun unsere Ohren oft hören müssen! Ihr habt sehr übel daran gethan. Ihr habt ohne Zweifel Gott erzürnet, euch selbst Unehre angethan, das ganze Thüringerland gelästert und den fürstlichen Leumund geschwächt, und wahrlich ich fürchte, daß die Rache Gottes über dieses Land kommen wird, es sei denn, daß ihr gegen Gott das büßet und euch gütlich mit der frommen Frau sühnet und ihr das wieder gebet, das ihr und eures Bruders Kindern von euch gekürzt worden ist."
  
 Alle Grafen, Ritter, Herren und Knechte, die da gegenwärtig standen, verwunderten sich, daß der Schenk so kühnlich mit dem Fürsten redete. Dieser aber begann heftig zu weinen, daß er lange nichts antworten konnte; endlich aber sprach er: „Was ich gethan habe, das ist mir herzlich leid und denen, die mir solchen Rath gegeben, mag ich nimmer wieder hold werden, darum daß ich meiner Schwester Elisabeth Huld und Freundschaft wieder erlange; Alles, was sie von mir will, werde ich gerne thun und ihr sollet Macht haben, das in's Gleiche zu bringen, soweit mir Leib und Gut reichen mag." Da sprach der Schenk: „Das ist recht !" Alle Grafen, Ritter, Herren und Knechte, die da gegenwärtig standen, verwunderten sich, daß der Schenk so kühnlich mit dem Fürsten redete. Dieser aber begann heftig zu weinen, daß er lange nichts antworten konnte; endlich aber sprach er: „Was ich gethan habe, das ist mir herzlich leid und denen, die mir solchen Rath gegeben, mag ich nimmer wieder hold werden, darum daß ich meiner Schwester Elisabeth Huld und Freundschaft wieder erlange; Alles, was sie von mir will, werde ich gerne thun und ihr sollet Macht haben, das in's Gleiche zu bringen, soweit mir Leib und Gut reichen mag." Da sprach der Schenk: „Das ist recht !"
sagen/satc016.1716589317.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)