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sagen:satc014

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 ====== Ludwig nimmt das Kreuz ====== ====== Ludwig nimmt das Kreuz ======
  
-Im Jahre 1227 nach Christi Geburt wurde in der ganzen Christenheit eine allgemeine Heerfahrt nach Jerusalem unternommen, um den Heiden das heilige Land zu entreißen. Der Kaiser Friedrich und mit ihm viele Erzbischöfe und Bischöfe, Fürsten, Ritter, Knappen und viele andere Christenleute nahmen auf Geheiß und mit Willen des Papstes das Kreuz, auch der Landgraf Ludwig hatte es vom Bischof Konrad in Hildesheim empfangen und sich damit zeichnen lassen, um für Gott und den Glauben zu streiten wider die Feinde unseres Herrn und Heilandes. Er hielt es aber noch eine Zeit lang verborgen vor den Augen seiner lieben Elisabeth und wollte es nicht offen an seinem Gewande tragen, damit sie nicht erschrecken und sich betrüben möchte über seinen Weggang und baldigen Abschied, denn sie hatte ihn über die Maßen und von ganzem Herzen lieb. Doch auf die Länge konnte es wohl nicht verborgen bleiben. Es geschah eines Abends, daß sie an seinen Gürtel faßte und in sonderlicher Freundschaft etwas suchen wollte in seiner Tasche, ehe er es gewahr wurde. Da fand sie das Kreuz und erschrack so sehr, daß sie ohnmächtig nieder zur Erde sank. Der milde Fürst hob sie auf, tröstete sie freundlich mit Worten und Ermahnungen aus der heiligen Schrift und benahm ihr die Betrübniß und den Schrecken, denn sie trug ein Kind unter ihrem Herzen. Dieses Kind hatten beide Eltern Gott darzubringen gelobt und zu einem geistlichen Leben bestimmt. Wenn nämlich ein Knäblein geboren würde, so sollte es in das Kloster nach Rummersdorf gethan werden, würde aber ein Mägdlein geboren, so sollte es nach Aldenburg kommen in den Orden der Prämonstratenser, die nach der Regel des heiligen Augustinus leben.+Im Jahre 1227 nach Christi Geburt wurde in der ganzen Christenheit eine allgemeine Heerfahrt nach Jerusalem unternommen, um den Heiden das heilige Land zu entreißen. Der Kaiser Friedrich und mit ihm viele Erzbischöfe und Bischöfe, Fürsten, Ritter, Knappen und viele andere Christenleute nahmen auf Geheiß und mit Willen des Papstes das Kreuz, auch der Landgraf Ludwig hatte es vom Bischof Konrad in Hildesheim empfangen und sich damit zeichnen lassen, um für Gott und den Glauben zu streiten wider die Feinde unseres Herrn und Heilandes. Er hielt es aber noch eine Zeit lang verborgen vor den Augen seiner lieben [[vip:elisabethvonthueringen|Elisabeth]] und wollte es nicht offen an seinem Gewande tragen, damit sie nicht erschrecken und sich betrüben möchte über seinen Weggang und baldigen Abschied, denn sie hatte ihn über die Maßen und von ganzem Herzen lieb. Doch auf die Länge konnte es wohl nicht verborgen bleiben. Es geschah eines Abends, daß sie an seinen Gürtel faßte und in sonderlicher Freundschaft etwas suchen wollte in seiner Tasche, ehe er es gewahr wurde. Da fand sie das Kreuz und erschrack so sehr, daß sie ohnmächtig nieder zur Erde sank. Der milde Fürst hob sie auf, tröstete sie freundlich mit Worten und Ermahnungen aus der heiligen Schrift und benahm ihr die Betrübniß und den Schrecken, denn sie trug ein Kind unter ihrem Herzen. Dieses Kind hatten beide Eltern Gott darzubringen gelobt und zu einem geistlichen Leben bestimmt. Wenn nämlich ein Knäblein geboren würde, so sollte es in das Kloster nach Rummersdorf gethan werden, würde aber ein Mägdlein geboren, so sollte es nach Aldenburg kommen in den Orden der Prämonstratenser, die nach der Regel des heiligen Augustinus leben.
  
 Als nun der edle Landgraf Ludwig sein Land verlassen und ausziehen wollte als Pilger in das ferne, fremde Land, hatte er bei sich beschlossen, die Reise auf eigene Kosten zu unternehmen, damit Niemand geschaßt und beschwert werden möchte. Denn er bedachte, daß er seine Herrschaft, sein Land und seine Leute von Gottes Gnade hatte und daß er davon Gott dienen sollte und geistliche Ritterschaft treiben. Als nun Alles vorbereitet war, was er zu seiner Reise bedurfte, da gebot er allen seinen Leuten, Herren, Grafen, Rittern und Knappen, daß sie zu einem Landtag kommen sollten in die Stadt Kreuzburg. Als sie da versammelt waren, redete er zu ihnen und sprach, daß er Willens sei, eine Heerfahrt zu thun in das heilige Land, legte ihnen vor, wie es stand in seinen Ländern und ermahnte sie mit Fleiß, daß sie ihren Leuten und Unterthanen in Gerechtigkeit vorstehen und wo sie könnten und vermöchten, nach Frieden trachten sollten. Darnach hub er an in seiner Herzensgüte und sprach zu Allen diese Worte: „ Ihr wisset, meine Freunde und lieben Getreuen, ihr Grafen, Freien, Ritter und Knechte und ihr meine lieben getreuen Bürger und Bauern, daß zu den Zeiten meines Vaters Krieg und Streit, Unglück und Ungemach dieses Land gar sehr verwüstet haben, denn sein Muth war groß und reizte Völker und Reiche, daß sie mit Krieg ihn überzogen, doch behauptete er mit seiner Kühnheit und Mannlichkeit, daß sein Name über viele Länder weithin bei Königen und Fürsten gefürchtet und ein Schrecken war. Nun hat der Herr bei meinen Zeiten mir Friede und Gnade gegeben, den Landen und den Leuten, und ihr sehet, daß durch Gottes Güte und durch seine Gnade die Länder in reichem Frieden stehen. Nun will ich um Gottes Liebe und für den christlichen Glauben willig verlassen und aufgeben diesen großen Reichthum, die Ehre und Herrlichkeit reicher Länder und Leute, dazu auch meine lieben Brüder; ich will verlassen meine allerliebste Hausfrau und ihre Kinder, die mir durch mein Herz gezogen sind; ich will aufgeben Freunde und Verwandte und allen Trost dieser Welt und will als ein Pilgrim mich der Heimat begeben und über das Meer ziehen. Bittet Alle zu Gott, ob es sein heiliger Wille ist, daß er gesund mich wieder heimsendet euch und dem Lande zum Glück und Trost, denn ich befehle mich in seine Gnade mit Land und Leuten. " Als nun der edle Landgraf Ludwig sein Land verlassen und ausziehen wollte als Pilger in das ferne, fremde Land, hatte er bei sich beschlossen, die Reise auf eigene Kosten zu unternehmen, damit Niemand geschaßt und beschwert werden möchte. Denn er bedachte, daß er seine Herrschaft, sein Land und seine Leute von Gottes Gnade hatte und daß er davon Gott dienen sollte und geistliche Ritterschaft treiben. Als nun Alles vorbereitet war, was er zu seiner Reise bedurfte, da gebot er allen seinen Leuten, Herren, Grafen, Rittern und Knappen, daß sie zu einem Landtag kommen sollten in die Stadt Kreuzburg. Als sie da versammelt waren, redete er zu ihnen und sprach, daß er Willens sei, eine Heerfahrt zu thun in das heilige Land, legte ihnen vor, wie es stand in seinen Ländern und ermahnte sie mit Fleiß, daß sie ihren Leuten und Unterthanen in Gerechtigkeit vorstehen und wo sie könnten und vermöchten, nach Frieden trachten sollten. Darnach hub er an in seiner Herzensgüte und sprach zu Allen diese Worte: „ Ihr wisset, meine Freunde und lieben Getreuen, ihr Grafen, Freien, Ritter und Knechte und ihr meine lieben getreuen Bürger und Bauern, daß zu den Zeiten meines Vaters Krieg und Streit, Unglück und Ungemach dieses Land gar sehr verwüstet haben, denn sein Muth war groß und reizte Völker und Reiche, daß sie mit Krieg ihn überzogen, doch behauptete er mit seiner Kühnheit und Mannlichkeit, daß sein Name über viele Länder weithin bei Königen und Fürsten gefürchtet und ein Schrecken war. Nun hat der Herr bei meinen Zeiten mir Friede und Gnade gegeben, den Landen und den Leuten, und ihr sehet, daß durch Gottes Güte und durch seine Gnade die Länder in reichem Frieden stehen. Nun will ich um Gottes Liebe und für den christlichen Glauben willig verlassen und aufgeben diesen großen Reichthum, die Ehre und Herrlichkeit reicher Länder und Leute, dazu auch meine lieben Brüder; ich will verlassen meine allerliebste Hausfrau und ihre Kinder, die mir durch mein Herz gezogen sind; ich will aufgeben Freunde und Verwandte und allen Trost dieser Welt und will als ein Pilgrim mich der Heimat begeben und über das Meer ziehen. Bittet Alle zu Gott, ob es sein heiliger Wille ist, daß er gesund mich wieder heimsendet euch und dem Lande zum Glück und Trost, denn ich befehle mich in seine Gnade mit Land und Leuten. "
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