sagen:satc014
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| + | ====== Ludwig nimmt das Kreuz ====== | ||
| + | Im Jahre 1227 nach Christi Geburt wurde in der ganzen Christenheit eine allgemeine Heerfahrt nach Jerusalem unternommen, | ||
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| + | Als nun der edle Landgraf Ludwig sein Land verlassen und ausziehen wollte als Pilger in das ferne, fremde Land, hatte er bei sich beschlossen, | ||
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| + | Von diesen Worten des edlen Fürsten wurden Aller Herzen sehr bestürzt und tief betrübt und die Herren, Ritter und Knappen und alle Unterthanen beklagten mit Thränen diese Heerfahrt. Als sie nun hier von einander geschieden waren, zog er in die Klöster und Gotteshäuser in seiner Herrschaft, sowohl in die Klöster der Mönche als auch der Frauen, und empfing ihren Segen und befahl sich demüthig in ihr Gebet. So kam er auch in das würdige Münster nach Reinhardsbrunn mit besonderer Herzlichkeit und Liebe, die er zu demselben trug, denn hier war es ihm besonders wohl und heimisch vor allen andern Klöstern, und empfing auch hier den Segen. | ||
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| + | Es war zur Zeit der letzten Hora, als er kam. Als diese gesungen war und die Herren aus dem Chore zu dem Weihkessel gingen, wie sie zu thun pflegten, da trat der Fürst zu dem Weihpriester und grüßte Jeden besonders freundlich und gütig, beide die alten und die jungen. Sonderlich nahm er die jüngsten Schulkinder freundlich in seine Arme und küßte ein jedes auf seinen Mund. Als nun die andern Herren diese Güte und Demuth des edlen Fürsten sahen und gedachten, wie er es mit dem Kloster und den Leuten darin stets so gut und herzlich gemeint, wie er es geschirmt und geschützt hatte und nun so weit von ihnen in das heilige Land ziehen wollte, wurden sie alle zu Thränen bewegt und begannen über den Abschied und die Trennung ihres getreuen Herrn und Vormunds zu weinen. Und als nun der milde Fürst die große Betrübniß der Herren sah, vermochte er die Thränen nicht länger zu halten und weinte bei ihnen stehend in dem Münster und weissagte ihnen auch Noth und Jammer, den Gott ihm offenbarte und der über das Kloster später kommen sollte. „Meine Lieben,“ sprach er, ihr möget wohl weinen und euch betrüben, denn ich weiß und erkenne, daß viele Noth und Jammer nach meiner Hinfahrt über euch kommen wird, denn Räuber und Wölfe werden über euch herfallen und euch und eure Nahrung zerreißen, zerfleischen und zerstören. Wenn das geschieht und ihr in Armuth und Kummer lebt, dann erst vernehmt ihr und erkennt, daß ich euer Schutz und Schirm gewesen bin, den ihr verloren habt, und könnet meiner nicht vergessen. Doch ich will euch auch einen Trost geben. Ich weiß wohl und gewiß, daß Gott der Herr meiner Fahrt, die ich aus meiner Heimat in das ferne Land thue, um seiner Liebe willen nicht vergessen will, sondern wenn es ihm die Zeit dünket, will er euch und diesem Kloster seine Barmherzigkeit herrlich beweisen; das bitte und begehre ich von ihm jetzt und allewege in meinem Herzen." | ||
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| + | Mit diesen Worten schied er von ihnen und segnete sie. Sie aber folgten ihm bis vor das Thor mit weinenden Augen in großer Betrübniß und in Liebe. | ||
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| + | Von Reinhardsbrunn kam der Landgraf in seine Stadt Schmalkalden und fand da seine vertrautesten Freunde, die er dahin beschieden hatte um mit ihnen noch vertrauliche Unterredung zu pflegen. Namentlich trug er seinem Bruder, dem Landgrafen Heinrich, die Zerstörung des Schlosses Eitersburg auf, weil es dem nahen Kloster vielen Schaden gethan hatte. Lieber Bruder, " sprach er, ich habe mich nun ganz vorbereitet auf den Gottesweg, den ich mit seiner Hülfe zu wandern gedenke, und habe Alles ausgerichtet und bestellt, was noth ist zu dem ewigen Heile, und habe nichts vergessen; nur um eins will ich dich bitten. Du weißt, daß unser Vater uns geheißen und geboten hat, daß wir das Schloß Eitersburg, davon das Kloster dabei schon oft Schaden genommen hat, zerstören und zerbrechen sollten. Das ist nicht geschehen. Darum bitte ich dich, mein lieber Bruder, wenn ich weggegangen bin, daß du es von Stund an zerstörst und brichst. “ Darnach nahm er von Allen, die gegenwärtig waren, mit großer Betrübniß Abschied und gab ihnen seinen Segen. Seinen Brüdern befahl er seine liebe Gemalin mit ihren Kindern. In großer Liebe küßte er seine Mutter an ihren Mund, vor großem Jammer konnte er nicht zu ihr reden. Eins das Andere da in seine Arme schloß und großer Jammer durch ihre Herzen ging. Wen sollte das nicht erbarmen ? Es wurden Thränen vergossen viel mehr, als ich jetzt sagen kann. Die Mutter hielt ihren Sohn, die Hausfrau bat ihren Mann, jede zog ihn zu sich, ob er nicht noch bleiben wollte. Die heilige Elisabeth_rief mit lauter Stimme aus: „ Weh mir viel armen Weibe ! " Alle, die gegenwärtig waren, wurden traurig und weinten alle. Wer kann aussprechen die Liebe und das Leid, das da vermischt war ? Auch der edle Landgraf war voll Traurigkeit und Jammer, er konnte aber doch nicht bleiben. Zuletzt faßte er einen starken Muth und entwand sich ihnen mit Gewalt und setzte sich auf sein Roß, der milde, friedsame Fürst. Die andern Pilger, seine Begleiter, die mit dem Kreuze gezeichnet waren, standen fertig und bereit, er aber dachte nicht, daß er sein Thüringerland nimmer wiedersehen sollte. Es zog mit ihm ein stattliches Heer von Freien, Rittern und Knechten, und mancher Edelmann aus Thüringen, Sachsen und andern Ländern, und grüßten scheidend alles Volk, das da blieb. Hin zogen sie mit den Glückwünschen des Volks und lobten Gott mit Herzen und mit Munde. | ||
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| + | Es geschah im Brachmonat um St. Johannistag, | ||
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| + | Obwohl das andere Volk nun umkehrte und heimzog, so folgte die liebe Elisabeth dem milden, süßen Fürsten doch noch weiter. Ihr Herz war des Jammers zu voll, da sie ihren liebsten Freund aus dem Lande Thüringen als Pilger in das weite fremde Land fortziehen sah und leider nicht wissen konnte, ob sie je mit ihren Augen ihn wieder sehen sollte. Wohl wäre es Zeit gewesen, daß die edle Frau jetzt umgekehrt wäre, aber ihres Herzens Schmerzen, Liebe und Leid wollten es ihr nicht gestatten, daß sie so bald von ihrem lieben Herrn sich trennte und Abschied nahm. | ||
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sagen/satc014.1710961436.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
