sagen:sat332
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| sagen:sat332 [2024/02/23 21:18] – angelegt ewusch | sagen:sat332 [2024/03/01 18:07] (aktuell) – gelöscht ewusch | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | **[[capitel: | ||
| - | [[sagen: | ||
| - | ====== Sagen von Möbisburg ====== | ||
| - | |||
| - | Thuringia. 1842. S. 67 ff. | ||
| - | |||
| - | 1. | ||
| - | Am nördlichen Ende des Dorfes Möbisburg erhebt sich eine runde mässige Anhöhe, theils von der Natur, theils von Menschenhänden so gebildet und geschaffen. Oben, wo jezt die Kirche und der Gottesacker liegt, stand vor alten Zeiten eine Burg, daher den Hügel noch heute das Volk den Burgberg nennt. | ||
| - | |||
| - | Auf dieser Burg, erzählt die Sage, wohnte in uralten Zeiten ein mächtiger Fürst, dem das ganze Land weit und breit umher gehörte. Aber er hasste den Frieden, führte das ganze Jahr Krieg und je mehr er Feinde hatte, desto lieber war es ihm. Lange war er glücklich in diesen Kriegen, zulesst aber zogen der Feinde zu viele gegen ihn, schlugen ihn überall aus dem Felde und belagerten endlich seine Burg. Der Burgberg ragte damals aus einem See empor, der das ganze Thal bedeckte und erst später durch Mönche abgeleitet worden ist. Der belagerte Fürst hielt sich sicher vor den Feinden auf seiner Burg im See, aber der Hunger zwang ihn endlich die Burg den Feinden zu übergeben. Die Feinde wollten Niemand freien Abzug gestatten, nur die Fürstin sollte frei abziehen mit soviel ihrer Habe, als sie zu tragen vermöchte, doch sollte dabei nichts Lebendiges sein. Da versteckte sie ihren Gemahl in eine Lade und trug die Last zur Burg hinaus, über die Brücke und durch die Feinde hindurch. Noch war sie in der Nähe der letzten Kriegsknechte, | ||
| - | |||
| - | Noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war es Brauch, dass die erwachsenen männlichen Einwohner jener Dörfer alljährlich an einem bestimmten Tage gemeinschaftlich auf einen nahen Berg, der Königsstuhl genannt, zogen, um das Andenken an ihre frühere Gemeinschaft zu erneuern. | ||
| - | |||
| - | 2 . | ||
| - | Auf der „Burg“ und selbst in der Kirche, weil sie auf den Fundamenten eines alten Fürstenschlosses steht, ist es von jeher nicht ganz geheuer gewesen. Wenn zuweilen Leute, die sich verspätet, in der Mitternacht vorüber gehen, orgelt es in der Kirche. Das ist kein gutes Zeichen, denn wer es hört, muss bald sterben. | ||
| - | |||
| - | Zwei Männer, die an den Birnbäumen auf der Burg, wo der Thurm des Schlosses gewesen ist, sich Nachts auf den Anstand postirt hatten, haben ein weisses Schaf von ungeheurer Grösse langsam die Runde innerhalb der alten Burgmauer machen sehen. | ||
| - | |||
| - | 3. | ||
| - | Der Schulmeister in Möbisburg ging einmal noch in dunkler Nacht in die Kirche zum Frühläuten. Da lag ein feuriger Hund vor dem Altare. Darüber erschrack der Schulmeister so heftig, dass er den dritten Tag darauf starb. Nach seinem Tode mussten nun zunächst die jungen Burschen der Reihe nach, jedesmal zwei, zur Frühkirche läuten. Da geschah es, dass einmal zwei gute Freunde zusammen auf den Thurm stiegen. Der eine hatte den andern in der Nacht abgerufen, in der Meinung, dass es bald fünf Uhr sei. Als sie den Thurm erstiegen haben, schlägt es aber erst zwölf, zugleich hören sie auch ein Geräusch auf dem Gottesader. Zur Thurmluke hinausschauend erblicken sie im Mondschein einen Fremden, der hastig über die Gräber läuft, auf einem Grabe niederkniet, | ||
| - | |||
| - | Nach einer Weile kommt der Fremde mit dem Todten auf der Achsel wieder zurück, wirft ihn hin und vermisst, als er ihn wieder ankleiden will, das Leichentuch. Sogleich ruft er zum Thurmloche hinauf, an dem die erschrockenen Burschen stehen: „ gib das Leichentuch zurück!“ Weil aber der Bursche nicht Folge leistet, so sehr ihn auch sein Freund bittet, so reisst jener Fremde sofort die Thurmthür auf und stürmt die Treppe hinauf. In ihrer Angst kriechen die beiden Burschen unter die Glocke, weil man unter Glocken vor Gespenstern und allem Bösen sicher ist. Der Fremde rennt und tobt um die Glocke herum, doch ohne sie anzurühren. Weil aber ein kleiner Zipfel des Leichentuchs hervorsah, erfasst er es und trabt mit ihm die Stufen hinab. In dem Augenblicke aber, als er unten den Todten erfasst um ihn zu bekleiden, schlägt die Thurmuhr eins. Da sahen die Burschen am Thurmloche, wie er Leiche und Leichentuch hinwirft und gleich dem Sturmwinde entflieht. Am andern Morgen fand man die Leiche auf dem Gesichte liegen und über dieselbe das Leichentuch gebreitet. | ||
| - | |||
| - | 4. | ||
| - | Ein junges Mädchen aus Bischleben war einst Disteln zu suchen auf die Burg gegangen. Da glänzt ihr plötzlich eine wunderschöne Blume entgegen, wie sie noch nie eine gesehen hatte. Sie pflückt die Blume und in demselben Augenblicke sieht sie ein offenes Thor, das in den Berg führt. Schüchtern geht sie einige Schritte hinein. Da starrte alles von Gold und Silber und am Eingange stand ein grosser, glänzender Wagen. Wenn das Mädchen zugegriffen hätte, so wäre alles ihr gewesen, aber so war sie zu furchtsam und nahm nur den Radnagel von dem einen Rade des Wagens. Darüber war ihr die Blume aus der Hand gefallen. Im Augenblicke fängt der Wagen an fort zu rollen. Das Mädchen flieht schnell zurück und als sie eben den Ausgang erreicht hat, schlägt das Thor mit heftigem Krachen hinter ihr zu. Sie läuft nun ins Dorf und erzählt, was ihr begegnet ist. Da machte sich die ganze Gemeinde auf, aber Niemand konnte das Thor wiederfinden. | ||
| - | |||
| - | 5. | ||
| - | Ein Bauer aus Möbisburg hatte noch eines Abends spät auf seinem kleinen Ackerstücke auf der Burg mit der Hacke gearbeitet; es war schon um Mitternacht, | ||
| - | |||
| - | 6. | ||
| - | Vor vielen Jahren hatte ein armer Mühlknappe, | ||
| - | |||
| - | Vor Jahren, als Soldaten in Möbisburg einquartirt waren, stand eine Schildwache nahe am Brunnen bei der alten Linde. Um Mitternacht sieht der Soldat eine weisse Frau mit langem Schleier angethan langsamen Schrittes von der Kirche die Stufen hinab an den Brunnen gehen. Dort lehnt sie sich auf den Brunnenrand, | ||
| - | |||
| - | // | ||
| - | * // | ||
| - | |||
| - | ---- | ||
| - | {{tag> | ||
sagen/sat332.1708719490.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
