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sagen:sat289a

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     Thuringia. 1843. 325 ff.     Thuringia. 1843. 325 ff.
  
-1. +Die [[wesen:nixe|Unstrutnixe]], so erzählte eine alte Frau, ist gar ein gutes und böses Ding. Sie hat lange und triefende Haare, die vom Kopf bis zur Ferse herunter hängen. Ihre Augen sind klein und wässerig, und wenn sie freundlich gesinnt ist, so blinzelt sie mit denselben wunderbar schelmisch. Ihr Antlitz ist schön und einnehmend, doch blass vom Wasser. Ihre ganze Gestalt ist wohlgeformt und regelmässig. Ihr Kleid rauscht wie Seide, ist aber aus Stoffen gewebt, die tief unter den Wellen begraben liegen. Zuweilen steigt sie an das Ufer, aber nur in den Dämmerstunden, und lustwandelt auf und nieder. Sie ist trotz ihrer Einsamkeit im Wasser eitel, denn nicht selten lächelt sie wohlgefällig, wenn der glatte ruhige Spiegel der Fluth ihr Bild treulich zurückstrahlt, und in solchen Augenblicken beglückt sie die Menschen gern mit ihrer Gunst.
-Die Unstrutnixe, so erzählte eine alte Frau, ist gar ein gutes und böses Ding. Sie hat lange und triefende Haare, die vom Kopf bis zur Ferse herunter hängen. Ihre Augen sind klein und wässerig, und wenn sie freundlich gesinnt ist, so blinzelt sie mit denselben wunderbar schelmisch. Ihr Antlitz ist schön und einnehmend, doch blass vom Wasser. Ihre ganze Gestalt ist wohlgeformt und regelmässig. Ihr Kleid rauscht wie Seide, ist aber aus Stoffen gewebt, die tief unter den Wellen begraben liegen. Zuweilen steigt sie an das Ufer, aber nur in den Dämmerstunden, und lustwandelt auf und nieder. Sie ist trotz ihrer Einsamkeit im Wasser eitel, denn nicht selten lächelt sie wohlgefällig, wenn der glatte ruhige Spiegel der Fluth ihr Bild treulich zurückstrahlt, und in solchen Augenblicken beglückt sie die Menschen gern mit ihrer Gunst+
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-Eine blutarme Wittwe brachte einst ganz allein ihren wenigen Flachs an die Unstrut zum Rösten und weinte heftig dabei, weil ihr einziges Töchterlein erst vor einigen Wochen ins Wasser gefallen und spurlos verschwunden war. Die Thränen rollten ihr hellglänzend über die Wangen und mischten sich mit den Wellen. „meine Tochter, mein liebes, einziges Töchterchen!" seufzte sie klagend und jammernd. "Im kalten Wasser liegst du begraben, du armes Kind! Oder hat dich vielleicht die Nixe, von deiner Schönheit bestochen, hinabgezogen in ihre dunkle Wohnung? Nur einmal möchte ich dich sehen, unglückliches Kind!“ So jammerte die Mutter. Da werden plösslich die Wellen ruhiger, bewegen fich leichter und rings umher flüstert und tönt es so lieblich und aus den Fluthen des jenseitigen Ufers tauchet die Nire empor und hält in den Armen das vielbeweinte Kind. "Gieb, ach gieb mir mein frommes Töchterlein, gute Nixe, verlange mein Leben dafür!" flehte die Mutter. Die Nixe schwebte mit leichtem Fusse auf dem Wasser wandelnd wunderbar näher und legte das Kind in die mütterlichen Arme. Es war aber starr und text. Hast du es getödtet?" fragte die Mutter weiter, die Nixe schmerzlich anblickend. „nein, so grausam bist du nicht, denn du siehest mich ja freundlich theilnehmend an. Nicht wahr, es ist ertrunken und du konntest ihm nicht zur Rettung herbeieilen? Das hättest du gewiss gethan. Nun, da ich's aber wieder habe, will ich es auch feierlich begraben lassen und sein Grab mit schönen Blumen bepflanzen." "Thue das, arme Mutter,“ sagte die Nixe, und im Ton ihrer Stimme lag tiefe Rührung", und damit du es auch kannst, so nimm hier die Perlen in goldener Schale, sie sind dein Eigenthum; denn alle deine Thränen habe ich aufgefangen und in Perlen verwandelt. Da, nimm nur!" So sprach die Nixe und verschwand in den rauschenden Wellen. +
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-3. +
-Einige Knaben spielten einmal in der Nähe der Unstrut. "kommt," sagte einer der Knaben, als sie des Tobens und Jagens müde waren, "wir wollen die Nixe zu Tode steinigen! Dort an der Gartenece, wo's am tiefsten ist, da wohnt sie." Nun ging's mit lautem Jubelgeschrei und im vollen Laufe nach der bezeichneten Stelle. Steine auf Steine, von den Händen der Knaben geworfen, flogen in die Tiefe, indem sie in wilder Ausgelassenheit dazu schrien: +
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-"Wassernire, du musst sterben\\ +
-in dem tiefen Wasserloch;\\ +
-Wassernixe bist getroffen,\\ +
-Wassernixe, lebst du noch?"\\ +
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-Bei jedem Wurfe schäumten und braussten die Fluthen ärger und immer ärger. Dieses machte den Knaben viel Vergnügen und sie fanden eitel Lust daran und sezten darum ihr Spiel eifrig fort. Plötzlich stand aber die Wassernige mitten unter ihnen und keiner hatte gesehen, woher sie gekommen war. Sie blickte zornig und strafend umher, erfasste den Angeber beim Haar und sprang mit ihm die Tiefe hinab. Die übrigen Knaben zitterten und bebten und konnten vor Schreck nicht von der Stelle. Ein gellender Schrei aus der Tiefe sagte ihnen, dass die Nixe den Knaben todt gemacht habe. Bald darauf färbte sich auch das Wasser röthlich. +
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-4. +
-    Von Herrn K. Aue in Weimar. Schriftl. Mittheilung. +
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-Zwei Mädchen gingen einmal an der Unstrut spazieren. Die eine rief nach dem felsigen Ufer zeigend: siehest du dort die schöne Leinwand und die gestickten Tücher? " Die andere verneinte verwundert und die Gefährtin bezeichnete ihr die Stelle ganz genau, aber umsonst. Da sprach jene: "nun wenn du es siehest, so hole es doch; bücke dich hinab, ich will dich halten." So geschah es. Die erste war eben im Begriff, die Leinwand zu fassen und rief: "ich hab's!" als sie auch sogleich laut schrie, die andere aber erschrocken sie los liess und verschwinden sah. Kaum aber war die Freundin ihren Augen entwichen, so sah sie ein schönes Weib inmitten des Wassers stehn. Nachsuchend fand man keinen Leichnam; die Nixe hatte ihren Raub vollbracht. +
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-5. +
-    Thuringia. 1843. S. 344 f. +
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-Ein Müller an der Unstrut wollte das Wehr, das die Wogen schon zweimal zerrissen hatten, wieder aufbauen lassen und besprach sich deshalb mit einem Baumeister. Unsere Mühe ist umsonst,“ sagte dieser dem Müller ins Ohr",wenn ihr nicht im Geheimen ein Kind kauft, das noch an der Mutterbrust trinkt.“ „Und was soll's damit?" fragte neugierig der Müller. "Das müssen wir lebendig hineinmauern," antwortete der Baumeister",wenn das Wehr der Gewalt des Wassers widerstehen und nicht in seinen Grundfesten erschüttert werden soll." Der Müller lächelte zu dieser Rede, hatte aber keine grosse Lust eine solche Schuld auf sich zu laden. Allein der Baumeister sprach so lange auf ihn hinein, bis der Müller sich zu dieser Unmenschlichkeit entschloss. Eifrig war er nun darauf bedacht ein Kind zu erkaufen. Endlich fand er eine Mutter, die für schnöden Lohn ihr Kind dem Müller überlieferte. Nun gings ans Werk. Unter allerlei Zaubersprüchen mauerte der Baumeister den Säugling ein und Niemand erfuhr die böse That. Das Jahr darauf wurde die Unstrut so gross und wild, wie nie zuvor, aber das Wehr trotte den Wogen, als sei es aus Quadern von Porphyr und Granit erbaut. Zwanzig Jahre lang hat es unerschütterlich gestanden. Da geschah es einmal, dass die Mutter des Kindes von ungefähr in die Nähe des Wehres kam. Sogleich fing das Wasser an zu braussen und zu toben und wühlte sich sichtbar in den tiefuntersten Grund. Das Wehr wankt, borstet und sinkt unter gewaltigem Krachen und mitten aus seinen Trümmern steigt die Nixe, eine holdselige Jungfrau an der Hand, singend empor. Die Rabenmutter, welche dem Umsturze zugesehen hatte, erkannte sogleich ihr Kind und entfloh mit Furcht und Entseyen, soll aber noch desselbigen Tages todt an den Ufern der Unstrut gefunden worden sein.+
  
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