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     Büsching Volksfagen S. 320 ff.     Büsching Volksfagen S. 320 ff.
  
-Ein armer, guter aber immer lustiger Mann in Tilleda richtete einmal Kindtaufe aus; es war schon die achte. Den Gevattern musste er nach Sitte und Brauch einen Schmaus geben. Der Landwein, den er seinen Gästen vorsezte, war bald ausgetrunken und man begehrte mehr. "Geh," sagte der lustige Kindtaufsvater zu seiner ältesten Tochter, einem hübschen Mädchen von sechzehn Jahren, geh und hole uns noch bessern Wein aus dem Keller." "Aus welchem Keller?" frug das Mädchen. Je nun,“ sagte im Scherz der Vater, aus dem grossen Weinkeller der alten Ritter auf dem Kyffhäuser.+Ein armer, guter aber immer lustiger Mann in [[geo:Tilleda]] richtete einmal Kindtaufe aus; es war schon die achte. Den Gevattern musste er nach Sitte und Brauch einen Schmaus geben. Der Landwein, den er seinen Gästen vorsezte, war bald ausgetrunken und man begehrte mehr. "Geh," sagte der lustige Kindtaufsvater zu seiner ältesten Tochter, einem hübschen Mädchen von sechzehn Jahren, geh und hole uns noch bessern Wein aus dem Keller." "Aus welchem Keller?" frug das Mädchen. "Je nun,sagte im Scherz der Vater, "aus dem grossen Weinkeller der alten Ritter auf dem Kyffhäuser."
  
-Das Mädchen geht in seiner Einfalt mit einem kleinen Eimer in der Hand den Berg hinan. In der Mitte des Berges findet sie den verfallenen Eingang eines grossen Kellers und dabei sigt eine bejahrte Schafnerin in ganz ungewöhnlicher Tracht mit einem grossen Schlüsselbunde an der Seite. Das Mädchen verstummt vor Erstaunen. Freundlich fragt die Alte: gewiss willst du Wein holen aus dem Ritterkeller?“ „Ja, antwortet schüchtern das Mädchen, aber Geld habe ich nicht." "Komm nur mit," spricht die Schafnerin, du sollst umsonst Wein haben und bessern, als dein Vater je gekostet hat."+Das Mädchen geht in seiner Einfalt mit einem kleinen Eimer in der Hand den Berg hinan. In der Mitte des Berges findet sie den verfallenen Eingang eines grossen Kellers und dabei sigt eine bejahrte Schafnerin in ganz ungewöhnlicher Tracht mit einem grossen Schlüsselbunde an der Seite. Das Mädchen verstummt vor Erstaunen. Freundlich fragt die Alte: "gewiss willst du Wein holen aus dem Ritterkeller?" "Ja", antwortet schüchtern das Mädchen, "aber Geld habe ich nicht." "Komm nur mit," spricht die Schafnerin, "du sollst umsonst Wein haben und bessern, als dein Vater je gekostet hat."
  
-Beide gingen nun durch einen halb verschütteten Gang und standen bald vor der Kellerthür. Die Schafnerin schloss auf. Es war ein grosser geräumiger Keller und auf beiden Seiten lagen viele Stückfässer. Die Schafnerin nahm den kleinen Eimer, zapfte ihn voll Weines und sagte zu dem Mädchen: "da, das bringe deinem Vater, und so oft ein Fest in eurem Hause ist, kannst du wieder kommen; aber keinem Menschen ausser deinem Vater sage, woher du den Wein hast. Auch dürft ihr den Wein nicht verkaufen; umsonst bekommt ihr ihn, umsonst sollt ihr ihn geben.“ Das Mädchen brachte den Wein nach Hause. Er schmeckte den Gästen vortrefflich, aber Niemand wusste woher er kam. So oft nachmals ein Fest im Hause war, ging das Mädchen mit dem kleinen Eimer auf den Kyffhäuser und holte Wein. Die Nachbarn und Freunde wunderten sich zwar nicht wenig, woher der arme Mann immer den herrlichen Trank bekam, der so gut im ganzen Lande nicht war, fragten und forschten deshalb, aber der Mann sagte es keinem und das Mädchen auch nicht. Von diesem wunderherrlichen Weine hatte auch ein Schenkwirth im Orte gehört. Er dachte bei sich, solchen Wein könntest du zehnfach verdünnen und doch noch theuer verkaufen. Er schlich dem Mädchen nach, als es mit dem kleinen Eimer wieder nach dem Kyffhäuser ging, versteckte sich hinter ein Gebüsch und sah es nach einiger Zeit aus dem Eingange, der zu dem Keller führte, mit dem gefüllten Eimer herauskommen.+Beide gingen nun durch einen halb verschütteten Gang und standen bald vor der Kellerthür. Die Schafnerin schloss auf. Es war ein grosser geräumiger Keller und auf beiden Seiten lagen viele Stückfässer. Die Schafnerin nahm den kleinen Eimer, zapfte ihn voll Weines und sagte zu dem Mädchen: "da, das bringe deinem Vater, und so oft ein Fest in eurem Hause ist, kannst du wieder kommen; aber keinem Menschen ausser deinem Vater sage, woher du den Wein hast. Auch dürft ihr den Wein nicht verkaufen; umsonst bekommt ihr ihn, umsonst sollt ihr ihn geben.Das Mädchen brachte den Wein nach Hause. Er schmeckte den Gästen vortrefflich, aber Niemand wusste woher er kam. So oft nachmals ein Fest im Hause war, ging das Mädchen mit dem kleinen Eimer auf den Kyffhäuser und holte Wein. Die Nachbarn und Freunde wunderten sich zwar nicht wenig, woher der arme Mann immer den herrlichen Trank bekam, der so gut im ganzen Lande nicht war, fragten und forschten deshalb, aber der Mann sagte es keinem und das Mädchen auch nicht. Von diesem wunderherrlichen Weine hatte auch ein Schenkwirth im Orte gehört. Er dachte bei sich, solchen Wein könntest du zehnfach verdünnen und doch noch theuer verkaufen. Er schlich dem Mädchen nach, als es mit dem kleinen Eimer wieder nach dem [[region:Kyffhäuser]] ging, versteckte sich hinter ein Gebüsch und sah es nach einiger Zeit aus dem Eingange, der zu dem Keller führte, mit dem gefüllten Eimer herauskommen.
  
 Schon am nächsten Abend schob er auf einer Karre die grösste leere Tonne, die er hatte auffinden können, den Berg hinauf. An dem Orte aber, wo er den Eingang zum Keller gesehen hatte, würde plösslich alles dunkel und finster um ihn her, der Wind fing an fürchterlich zu heulen und warf ihn mitsamt seiner Karre und leeren Tonne von einer Mauer zur andern. Zulegt fiel er immer tiefer und kam in eine Todtengruft. Schreckbilder aller Art ziehen an ihm vorüber, Grausen durchschauert ihn und er fällt in eine Ohnmacht. Schon am nächsten Abend schob er auf einer Karre die grösste leere Tonne, die er hatte auffinden können, den Berg hinauf. An dem Orte aber, wo er den Eingang zum Keller gesehen hatte, würde plösslich alles dunkel und finster um ihn her, der Wind fing an fürchterlich zu heulen und warf ihn mitsamt seiner Karre und leeren Tonne von einer Mauer zur andern. Zulegt fiel er immer tiefer und kam in eine Todtengruft. Schreckbilder aller Art ziehen an ihm vorüber, Grausen durchschauert ihn und er fällt in eine Ohnmacht.
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