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sagen:sat274

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     Kuhn Sagen, Gebräuche u. Märchen aus Westfalen I, 304.     Kuhn Sagen, Gebräuche u. Märchen aus Westfalen I, 304.
  
-Eine Zeit lang hat es einmal in der Gegend des Kyffhäusers fortwährend geregnet. Der Schäfer eines der benachbarten Dörfer, der seine Heerde auf dem Berge geweidet, hat aber jedesmal, wenn er auf denselben gekommen, dort das schönste Wetter gefunden, ja die Sonne hat sogar so warm geschienen, dass Frau Hulle aus dem Berge gekommen ist und einen grossen Haufen Flachsknotten ausgebreitet hat um ihn zu trocknen. Wie er Abends wieder heimgetrieben hat und am Fusse des Berges gewesen ist, hat's gerade wieder so geregnet wie vorher und so ist es viele Tage fortgegangen. Da hat er's denn vielen Leuten im Dorfe erzählt, dass es hier bei ihnen fortwährend regne, dagegen auf dem Kyffhäuser das schönste Wetter sei, allein sie haben es ihm nicht glauben wollen, obgleich er es ihnen hoch und theuer versicherte und haben zuletzt gesagt, dann solle er doch einmal ein paar Hände voll Flachsknotten mitbringen, damit sie es glauben könnten. Das hat er auch versprochen und wie er an den Berg kommt, ist alles wie an den frühern Tagen gewesen und er hat Frau Hulle gebeten, sie möge ihm doch erlauben, dass er ein paar Hände voll trockener Flachsknotten mitnehme, damit er sie daheim überzeuge, was hier für Wetter sei. Da sagt sie, das wolle sie gern erlauben, er solle nur zugreifen und sich alle Taschen vollstecken; das hat er denn auch gethan und als er nach Hause gekommen ist, sind die Flachsknotten lauteres Gold gewesen.+Eine Zeit lang hat es einmal in der Gegend des [[region:kyffhäuser|Kyffhäusers]] fortwährend geregnet. Der Schäfer eines der benachbarten Dörfer, der seine Heerde auf dem Berge geweidet, hat aber jedesmal, wenn er auf denselben gekommen, dort das schönste Wetter gefunden, ja die Sonne hat sogar so warm geschienen, dass [[wesen:frauholle|Frau Hulle]] aus dem Berge gekommen ist und einen grossen Haufen Flachsknotten ausgebreitet hat um ihn zu trocknen. Wie er Abends wieder heimgetrieben hat und am Fusse des Berges gewesen ist, hat's gerade wieder so geregnet wie vorher und so ist es viele Tage fortgegangen. Da hat er's denn vielen Leuten im Dorfe erzählt, dass es hier bei ihnen fortwährend regne, dagegen auf dem Kyffhäuser das schönste Wetter sei, allein sie haben es ihm nicht glauben wollen, obgleich er es ihnen hoch und theuer versicherte und haben zuletzt gesagt, dann solle er doch einmal ein paar Hände voll Flachsknotten mitbringen, damit sie es glauben könnten. Das hat er auch versprochen und wie er an den Berg kommt, ist alles wie an den frühern Tagen gewesen und er hat Frau Hulle gebeten, sie möge ihm doch erlauben, dass er ein paar Hände voll trockener Flachsknotten mitnehme, damit er sie daheim überzeuge, was hier für Wetter sei. Da sagt sie, das wolle sie gern erlauben, er solle nur zugreifen und sich alle Taschen vollstecken; das hat er denn auch gethan und als er nach Hause gekommen ist, sind die Flachsknotten lauteres Gold gewesen.
  
 2. 2.
-    Otmar Volkssagen. Bremen 1800. S. 443 f. +    Otmar Volkssagen. Bremen 1800. S. 443 f 
-    Gottschalk Ritterburgen u. Bergschlösser Deutschlands II, 2!! . +    Gottschalk Ritterburgen u. Bergschlösser Deutschlands II, 
-    3. G. Büsching Volkssagen S. 324 f.+    Büsching Volkssagen S. 324 f
  
-Einmal ging ein Schwarm Knaben aus Kelbra auf den Kyffhäuser, um Nüssze zu pflücken. Sie gingen in die alte Burg, kamen an eine Wendeltreppe, stiegen hinauf und fanden ein kleines Gemach mit schönen achteckigen rothen und blauen Fenstern. In der einen Ecke lag eine Spindel mit Flachs, in der andern ein Haufen Flachsknotten. Von den Knotten nahm jeder der Knaben aus Schäckerei so viel in seinen Hut, als er eben fasszen mochte, um die andern damit zu werfen. Und so geschah es, als sie den Berg hinab tiefen. Sie warfen einander und streuten dabei die Flachsknotten auf dem Wege aus. Als sie nach Kelbra zurückkamen, war es Abendbrodszeit, und der ärmste der Knaben fand seine Eltern gerade beim Tischgebet. Er nahm sein Hütchen ab und dabei siel klingend etwas Glänzendes aufdie Erde, darauf noch ein Stück und noch sieben andere. Die Mutter lief hinzu und fand goldene Flachsknotten, womit die Prinzessin auf dem Kyffhäuser demi armen Mann ein Geschenk machte, der seinen Sohn nun dafür ein Handwerk lernen liess.+Einmal ging ein Schwarm Knaben aus [[geo:Kelbra]] auf den Kyffhäuser, um Nüsse zu pflücken. Sie gingen in die alte Burg, kamen an eine Wendeltreppe, stiegen hinauf und fanden ein kleines Gemach mit schönen achteckigen rothen und blauen Fenstern. In der einen Ecke lag eine Spindel mit Flachs, in der andern ein Haufen Flachsknotten. Von den Knotten nahm jeder der Knaben aus Schäckerei so viel in seinen Hut, als er eben fassen mochte, um die andern damit zu werfen. Und so geschah es, als sie den Berg hinab tiefen. Sie warfen einander und streuten dabei die Flachsknotten auf dem Wege aus. Als sie nach Kelbra zurückkamen, war es Abendbrodszeit, und der ärmste der Knaben fand seine Eltern gerade beim Tischgebet. Er nahm sein Hütchen ab und dabei fiel klingend etwas Glänzendes auf die Erde, darauf noch ein Stück und noch sieben andere. Die Mutter lief hinzu und fand goldene Flachsknotten, womit die Prinzessin auf dem Kyffhäuser dem armen Mann ein Geschenk machte, der seinen Sohn nun dafür ein Handwerk lernen liess.
  
-Das Ereigniss wurde noch selbigen Abend in ganz Kelbra bekannt. Alle Nachbarn liefen herzu, die seltsamen Flachsknotten zu sehen, und am folgenden Tage zog Jung und Alt auf den Kyffhäuser. Alle suchten, aber keiner fand die rothen und blauen Fenster, keiner die Spinnstube der Prinzessin noch die aufgehäuften Flachsknotten. Alle schlichen verdriesslich wieder heim.+Das Ereigniss wurde noch selbigen Abend in ganz Kelbra bekannt. Alle Nachbarn liefen herzu, die seltsamen Flachsknotten zu sehen, und am folgenden Tage zog Jung und Alt auf den Kyffhäuser. Alle suchten, aber keiner fand die rothen und blauen Fenster, keiner die [[lex:Spinnstube]] der Prinzessin noch die aufgehäuften Flachsknotten. Alle schlichen verdriesslich wieder heim.
  
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