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sagen:sat273

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     Volkssagen. Eisenach 1795-1800. II. THI. S. 60 ff.      Volkssagen. Eisenach 1795-1800. II. THI. S. 60 ff. 
  
-In einem Dorfe unter dem Kyffhäuser waren junge Mädchen und Bursche beisammen in der Spinnstube. Man scherzte und lachte, neckte und erzählte und trieb allerlei Kurzweil. Zuletzt sessten die Mädchen ihre Spinnräder in die Ecke und ein Pfänderspiel begann. Das war aber mehr eine abgeredete Sache, als ein zufälliger Einfall. Unter den Mädchen war eine, der man im ganzen Dorfe gram war und deshalb bei jeder Gelegenheit etwas anzuhängen suchte. So sollte es auch diessmal geschehen. Die jungen Bursche hatten unter sich verabredet, dass derjenige, welcher die Pfänder einsammelte, beim Auslösen derselben jedes Mal ein gewisses Zeichen geben sollte, wenn ein Pfand jenem Mädchen gehörte, und allerlei Teufelszeug ausgedacht, was sie ihr zu thun alsdann auferlegen wollten.+In einem Dorfe unter dem [[region:Kyffhäuser]] waren junge Mädchen und Bursche beisammen in der [[lex:Spinnstube]]. Man scherzte und lachte, neckte und erzählte und trieb allerlei Kurzweil. Zuletzt sessten die Mädchen ihre Spinnräder in die Ecke und ein Pfänderspiel begann. Das war aber mehr eine abgeredete Sache, als ein zufälliger Einfall. Unter den Mädchen war eine, der man im ganzen Dorfe gram war und deshalb bei jeder Gelegenheit etwas anzuhängen suchte. So sollte es auch diessmal geschehen. Die jungen Bursche hatten unter sich verabredet, dass derjenige, welcher die Pfänder einsammelte, beim Auslösen derselben jedes Mal ein gewisses Zeichen geben sollte, wenn ein Pfand jenem Mädchen gehörte, und allerlei Teufelszeug ausgedacht, was sie ihr zu thun alsdann auferlegen wollten.
  
-So musste das Mädchen um ihre Pfänder wieder zu bekommen, viel schnurriges Zeug machen und beim letzten Pfande sollte sie sogar aufs Kyffhäuser Schloss gehen und zum Beweis, dass sie droben gewesen sei, dem Kaiser Friedrich drei Haare aus seinem Barte rupfen und mit herunter bringen.+So musste das Mädchen um ihre Pfänder wieder zu bekommen, viel schnurriges Zeug machen und beim letzten Pfande sollte sie sogar aufs [[burg:kyffhausen|Kyffhäuser Schloss]] gehen und zum Beweis, dass sie droben gewesen sei, dem [[vip:friedrichbarbarossa|Kaiser Friedrich]] drei Haare aus seinem Barte rupfen und mit herunter bringen.
  
 Weil nun das Mädchen von keiner Furcht etwas wusste und auch der ganzen Gesellschaft zeigen wollte, dass sie Herz im Leibe habe, trat sie ohne Wortwechsel ihre Wanderung nach dem Kyffhäuserberge an und brachte nach Verlauf einer Stunde glücklich die verlangten Haare, deren brennend rothe Farbe und überaus grosse Länge sattsam bewiesen, dass sie aus Kaiser Friedrichs Barte waren. Weil nun das Mädchen von keiner Furcht etwas wusste und auch der ganzen Gesellschaft zeigen wollte, dass sie Herz im Leibe habe, trat sie ohne Wortwechsel ihre Wanderung nach dem Kyffhäuserberge an und brachte nach Verlauf einer Stunde glücklich die verlangten Haare, deren brennend rothe Farbe und überaus grosse Länge sattsam bewiesen, dass sie aus Kaiser Friedrichs Barte waren.
  
-Das Mädchen hatte den Kaiser gesehen und gesprochen, hatte aus einem grossen goldenen Becher, den ihr ein Zwerg gebracht, Wein getrunken auf des Kaisers und der Frau Kaiserin Gesundheit und zuletzt auch vom Kaiser die Erlaubniss ihm drei Haare aus seinem langen, durch den Tisch gewachsenen Bart rupfen zu dürfen mit der Weisung erhalten, dass sie dieselben ja nicht weggeben, sondern heilig aufbewahren solle. Das that sie auch. Sie verschloss die Haare sorgfältig in ein grosses Papier gewickelt in ihre Wäschlade, wo sie wohl ein ganzes Jahr lagen, ohne dass sie wieder daran gedacht hatte. Eines Tages aber, als sie in ihrer Wäsche herumkramte, kommt ihr doch in den Sinn wieder einmal nach des Kaisers Barthaaren zu sehen. Sie nimmt das Papier auf, vermag es aber kaum aus der Lade zu heben. Mit einem Worte, die drei Haare hatten sich in drei Goldstangen verwandelt, jede im Durchmesser von anderthalb Zoll.+Das Mädchen hatte den Kaiser gesehen und gesprochen, hatte aus einem grossen goldenen Becher, den ihr ein [[wesen:Zwerg]] gebracht, Wein getrunken auf des Kaisers und der Frau Kaiserin Gesundheit und zuletzt auch vom Kaiser die Erlaubniss ihm drei Haare aus seinem langen, durch den Tisch gewachsenen Bart rupfen zu dürfen mit der Weisung erhalten, dass sie dieselben ja nicht weggeben, sondern heilig aufbewahren solle. Das that sie auch. Sie verschloss die Haare sorgfältig in ein grosses Papier gewickelt in ihre Wäschlade, wo sie wohl ein ganzes Jahr lagen, ohne dass sie wieder daran gedacht hatte. Eines Tages aber, als sie in ihrer Wäsche herumkramte, kommt ihr doch in den Sinn wieder einmal nach des Kaisers Barthaaren zu sehen. Sie nimmt das Papier auf, vermag es aber kaum aus der Lade zu heben. Mit einem Worte, die drei Haare hatten sich in drei Goldstangen verwandelt, jede im Durchmesser von anderthalb Zoll.
  
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