sagen:sat175
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| - | Nicht weit von der Stadt Ilm erhebt sich westlich der schwach bewaldete Singerberg, an dessen Fusse das Dorf Singen gelegen ist. Auf dieses Berges felsiger Muschelkalkkuppe stand in frühern Zeiten eine feste, stolze Ritterburg. Die Zinnen der Thürme erhoben sich kühn in die Lüfte und glänzten in der goldenen Morgensonne. Aber die Burg war ein Schrecken der Umgegend, denn ein wüstes, tolles Raubrittervolk wohnte in ihren Mauern. Sie plünderten und drückten die umwohnenden Landleute und beraubten die Kaufleute, welche harmlos die Strasse des Ilmthales dahin zogen. Wenn das nahe Kloster Paulinzelle Getreide und Weinlieferungen erhielt, so kamen sie aus ihrem sichern Versteck und nahmen, was und wie viel ihnen beliebte. Ungestraft trieben sie lange ihr gottloses Räuberwesen und Niemand fand sich, der sie für ihre Unthaten gestraft hätte. Da geschah es, dass der grosse Reformator M. Luther von Koburg die Strasse des Ilmthales daher zog. Er freute sich in seinem Wäglein über die schöne Gottesnatur, | + | Nicht weit von der [[geo: |
| Noch in selbiger Nacht erfüllte sich dieser Fluch und Gottes Strafgericht brach los. Ein schreckliches Ungewitter erhob sich, Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag erfolgte; es war als ob alle Elemente mit einander im offenen Kampfe stünden. Aber oben auf der Burg trank und jubelte, lästerte und fluchte die gottlose Ritterschar. Jetzt that sich der ganze Himmel auf, ein schwefelgelber Blitz erhellte schrecklich die ganze Gegend und ein Donnerschlag folgte ihm nach, dass die Erde erzitterte. Des Berges Tiefe öffnete sich und die Burg samt ihren Bewohnern fuhr in den graussen Abgrund. Nach und nach verzog sich das Gewitter. Die Morgensonne beleuchtete die frischen Bergmatten und grünen Wälder, aber verwundert schauten die Umwohner nach des Berges kahler Spitze. Die Burg war und blieb verschwunden. Ruhig und unangefochten zog nun der Reisende seine Strasse. Aber aus des Berges Tiefe hört man zuweilen bei stiller Nacht die Flüche der begrabenen Ritter. Der Wanderer blickt dann scheu und furchtsam umher, beflügelt seine Schritte um das sichere Obdach zu erreichen und spricht ein Stossgebet gegen böse, höllische Geister. | Noch in selbiger Nacht erfüllte sich dieser Fluch und Gottes Strafgericht brach los. Ein schreckliches Ungewitter erhob sich, Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag erfolgte; es war als ob alle Elemente mit einander im offenen Kampfe stünden. Aber oben auf der Burg trank und jubelte, lästerte und fluchte die gottlose Ritterschar. Jetzt that sich der ganze Himmel auf, ein schwefelgelber Blitz erhellte schrecklich die ganze Gegend und ein Donnerschlag folgte ihm nach, dass die Erde erzitterte. Des Berges Tiefe öffnete sich und die Burg samt ihren Bewohnern fuhr in den graussen Abgrund. Nach und nach verzog sich das Gewitter. Die Morgensonne beleuchtete die frischen Bergmatten und grünen Wälder, aber verwundert schauten die Umwohner nach des Berges kahler Spitze. Die Burg war und blieb verschwunden. Ruhig und unangefochten zog nun der Reisende seine Strasse. Aber aus des Berges Tiefe hört man zuweilen bei stiller Nacht die Flüche der begrabenen Ritter. Der Wanderer blickt dann scheu und furchtsam umher, beflügelt seine Schritte um das sichere Obdach zu erreichen und spricht ein Stossgebet gegen böse, höllische Geister. | ||
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