sagen:sagenundvolksmaehrchen47
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| - | ====== Die Goldgruben im Fichtelgebirge | + | ====== Die Goldgruben im Fichtelgebirge ====== |
| Von einem Anwohner des Fichtelgebirges mitgetheilt erhalten. | Von einem Anwohner des Fichtelgebirges mitgetheilt erhalten. | ||
| - | Schon einige Male haben wir das [[region: | + | Schon einige Male haben wir das [[region: |
| - | Jüngst war ich ((Mein Referent)) bei einem Familienfeste in einem Dörfchen auf dem Fichtelgebirge. Da lernte ich einen [[typ: | + | Jüngst war ich ((Mein Referent)) bei einem Familienfeste in einem Dörfchen auf dem Fichtelgebirge. Da lernte ich einen Officier kennen, der den letzten amerikanischen Krieg mitgemacht hatte. Ich fand bald an ihm einen sehr unterrichteten Mann, der mich angenehmer unterhielt, als es Spiel und Tanz, womit die Gesellschaft beschäftigt war, gethan haben würden. Unter andern theilte er mir folgende Erzählung mit: |
| „Im Anfange des amerikanischen Krieges stand ich als Sergeant bei den Feldjägern der Anspach-Bayreuthischen Hülfstruppen, | „Im Anfange des amerikanischen Krieges stand ich als Sergeant bei den Feldjägern der Anspach-Bayreuthischen Hülfstruppen, | ||
| - | „Ich wurde bei einem [[typ:Kaufmann]] einquartiert, | + | „Ich wurde bei einem Kaufmann einquartiert, |
| „Durch einen sonderbaren Zufall befinde ich mich nun schon seit geraumer Zeit im Besitze eines Mittels gegen die Gicht, das, so oft ich es auch anwendete, nicht ein Mal ohne die besten Wirkungen war. Ich äußerte darüber einige Worte gegen meinen Hauswirth, und erbot mich zugleich, es bei seiner Nichte anzuwenden, wenn er Zutrauen, nicht zu mir, sondern zu meinem Mittel haben könne. Er ging sogleich darauf ein, und zeigte mir dabei besonders deshalb ein ganz seltenes Zutrauen, weil ich vom Fichtelgebirge gebürtig war, welche Gegend im ganzen Hause deshalb geliebt, ich möchte sagen, geachtet wurde, weil da die Quelle ihres Reichthums geflossen hatte. Ich wendete also mein Mittel an, und hatte binnen acht Tagen die Freude, das liebe Mädchen so wohl zu sehen, als es, nach der Versicherung der Verwandten, seit drei Jahren nicht gewesen war.“ | „Durch einen sonderbaren Zufall befinde ich mich nun schon seit geraumer Zeit im Besitze eines Mittels gegen die Gicht, das, so oft ich es auch anwendete, nicht ein Mal ohne die besten Wirkungen war. Ich äußerte darüber einige Worte gegen meinen Hauswirth, und erbot mich zugleich, es bei seiner Nichte anzuwenden, wenn er Zutrauen, nicht zu mir, sondern zu meinem Mittel haben könne. Er ging sogleich darauf ein, und zeigte mir dabei besonders deshalb ein ganz seltenes Zutrauen, weil ich vom Fichtelgebirge gebürtig war, welche Gegend im ganzen Hause deshalb geliebt, ich möchte sagen, geachtet wurde, weil da die Quelle ihres Reichthums geflossen hatte. Ich wendete also mein Mittel an, und hatte binnen acht Tagen die Freude, das liebe Mädchen so wohl zu sehen, als es, nach der Versicherung der Verwandten, seit drei Jahren nicht gewesen war.“ | ||
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| „Durch Zufall verlängerte sich mein Aufenthalt in Bremen, und ich sah nun meine Patientin mit jedem Tage sich bessern. Sie ging wieder allein, die Schmerzen peinigten sie nur noch selten, und die Farbe der Jugend vertrieb schon die Todesblässe auf ihren abgezehrten Wangen. Welch wohlwollendes Gefühl mir die ganz unbeschreibliche Freude dieser achtungswerthen Familie war, können Sie sich leicht denken. Dem Vater des Mädchens war sogleich Nachricht gegeben worden, und seine Freude war grenzenlos.“ | „Durch Zufall verlängerte sich mein Aufenthalt in Bremen, und ich sah nun meine Patientin mit jedem Tage sich bessern. Sie ging wieder allein, die Schmerzen peinigten sie nur noch selten, und die Farbe der Jugend vertrieb schon die Todesblässe auf ihren abgezehrten Wangen. Welch wohlwollendes Gefühl mir die ganz unbeschreibliche Freude dieser achtungswerthen Familie war, können Sie sich leicht denken. Dem Vater des Mädchens war sogleich Nachricht gegeben worden, und seine Freude war grenzenlos.“ | ||
| - | „Als einmal wieder ein [[typ:Brief]] von ihm anlangte, kam mein Wirth damit auf mein Zimmer, las mir Stellen daraus vor, und legte zugleich ein versiegeltes Päckchen mit [[typ:Geld]] auf meinen Schreibtisch, | + | „Als einmal wieder ein Brief von ihm anlangte, kam mein Wirth damit auf mein Zimmer, las mir Stellen daraus vor, und legte zugleich ein versiegeltes Päckchen mit Geld auf meinen Schreibtisch, |
| „„Wollen Sie jenes Geschenk nicht annehmen, so werden Sie doch hoffentlich diese Papiere nicht zurückweisen. Ich habe meinem Bruder geschrieben, | „„Wollen Sie jenes Geschenk nicht annehmen, so werden Sie doch hoffentlich diese Papiere nicht zurückweisen. Ich habe meinem Bruder geschrieben, | ||
| - | „Ich besitze diese [[typ: | + | „Ich besitze diese Papiere noch, und halte sie hoch.“ |
| Der Officier theilte mir hierauf das Wesentliche davon mit. Er that dieß nicht etwa scherzweise, | Der Officier theilte mir hierauf das Wesentliche davon mit. Er that dieß nicht etwa scherzweise, | ||
| - | Wer die im Innern des weitläufigen Fichtelgebirges verborgenen | + | Wer die im Innern des weitläufigen Fichtelgebirges verborgenen Schätze heben will, muß zuerst den rechten Eingang in das Gebirge wissen. Diesen findet man aber auf der südwestlichen Seite am Goldberge, oberhalb dem Städtchen [[geo: |
| - | Nach einer ziemlichen Strecke Weges gelangt man zu einer großen, mit starken Schlössern verwahrten, Thür. Die öffnet der [[typ:Affe]]. Sie ist der Eingang in ein geräumiges Gewölbe. Von der Decke herab hängt eine brennende Lampe, die den Ort mit einem matten Schimmer erhellt. Rings umher liegen geharnischte Männer im tiefsten | + | Nach einer ziemlichen Strecke Weges gelangt man zu einer großen, mit starken Schlössern verwahrten, Thür. Die öffnet der Affe. Sie ist der Eingang in ein geräumiges Gewölbe. Von der Decke herab hängt eine brennende Lampe, die den Ort mit einem matten Schimmer erhellt. Rings umher liegen geharnischte Männer im tiefsten Schlafe. Zur rechten Seite dieses Gemachs öffnet der Affe wieder eine eiserne Pforte. Diese führt in die Fortsetzung des verborgenen Ganges, durch den man nach einer ziemlichen Weile in einen großen Saal gelangt. Hier steht in der Mitte ein runder Tisch mit drei Wachskerzen, |
| - | Zwischen den Wachskerzen erblickt man ein aufgeschlagenes | + | Zwischen den Wachskerzen erblickt man ein aufgeschlagenes Buch, dabei eine Schreibfeder und ein feines Federmesser. Mit letzterm muß man sich an einer beliebigen Stelle seines Körpers verwunden, in das hervorkommende Blut die Feder tauchen, und damit seinen Namen in das Buch einschreiben. |
| - | Der Affe, der mit einer Kerze in der Hand dieses Geschäft ruhig abwarten wird, führt sodann aus diesem Saale in ein neues Gewölbe. Von dessen Mitte herab hängt an einer [[typ:Kette]] ein [[typ:Beil]], das durch ein Schloß festgehalten wird. Er öffnet mit einem Schlüssel seines Bundes dieses Schloß, nimmt das Beil heraus, und öffnet nun abermals ein neues Gewölbe. Dieß besteht aus gediegenem Golde. Decke, Wände, Boden, alles ist [[typ:Gold]], und allerlei Formen und Figuren haben sich durch zusammengeflossenes Gold gebildet. | + | Der Affe, der mit einer Kerze in der Hand dieses Geschäft ruhig abwarten wird, führt sodann aus diesem Saale in ein neues Gewölbe. Von dessen Mitte herab hängt an einer Kette ein Beil, das durch ein Schloß festgehalten wird. Er öffnet mit einem Schlüssel seines Bundes dieses Schloß, nimmt das Beil heraus, und öffnet nun abermals ein neues Gewölbe. Dieß besteht aus gediegenem Golde. Decke, Wände, Boden, alles ist Gold, und allerlei Formen und Figuren haben sich durch zusammengeflossenes Gold gebildet. |
| - | Der Affe stellt jetzt die Kerze hin, legt sein Bund Schlüssel dabei, und überläßt nun den erstaunten Fremdling seiner eignen Thätigkeit. Dieser kann sich nun mit dem Beile so viel Gold abschlagen und abhauen, als er glaubt mit sich nehmen zu können. Mehr nehme er aber nicht, denn das bleibt kein Gold. Hat er sich nun hinreichend versehen, so trete er den Rückweg an. Er vergesse aber Folgendes nicht. Er nehme die [[typ:Kerze]] und die [[typ:Schlüssel]] zu sich, schließe jede Thür sorgfältig wieder zu, lösche die beiden vorhin angezündeten Kerzen im Vorsaale wieder aus, und lege alles an seinen gehörigen Ort und Stelle. Versäumt er hiervon nichts, so wird er unversehrt und wohlbehalten wieder herauskommen an das Tageslicht. | + | Der Affe stellt jetzt die Kerze hin, legt sein Bund Schlüssel dabei, und überläßt nun den erstaunten Fremdling seiner eignen Thätigkeit. Dieser kann sich nun mit dem Beile so viel Gold abschlagen und abhauen, als er glaubt mit sich nehmen zu können. Mehr nehme er aber nicht, denn das bleibt kein Gold. Hat er sich nun hinreichend versehen, so trete er den Rückweg an. Er vergesse aber Folgendes nicht. Er nehme die Kerze und die Schlüssel zu sich, schließe jede Thür sorgfältig wieder zu, lösche die beiden vorhin angezündeten Kerzen im Vorsaale wieder aus, und lege alles an seinen gehörigen Ort und Stelle. Versäumt er hiervon nichts, so wird er unversehrt und wohlbehalten wieder herauskommen an das Tageslicht. |
| - | Wer nicht Muth genug haben sollte, diese Probe zu bestehen und bis in den Goldsaal zu gehen, der nehme wenigstens vor der [[typ:Höhle]] des [[typ: | + | Wer nicht Muth genug haben sollte, diese Probe zu bestehen und bis in den Goldsaal zu gehen, der nehme wenigstens vor der Höhle des [[wesen: |
| Wie oft man einen solchen Gang in diese nie versiegenden, | Wie oft man einen solchen Gang in diese nie versiegenden, | ||
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