sagen:sagenundvolksmaehrchen45
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| In Otmars Volkssagen, Bremen 1800. 8., S. 187 | In Otmars Volkssagen, Bremen 1800. 8., S. 187 | ||
| - | Im Bernburgischen Antheile des Harzes giebt es einen hohen Berg, der „Ramberg“ heißt, und drei Stunden von [[geo: | + | Im Bernburgischen Antheile des [[region: |
| - | Am Fuße des Rambergs hatte ein [[typ:Müller]] eine Windmühle. Lange schon stand sie da, war seit Jahrhunderten bei seiner Familie gewesen, immer vom Vater auf den Sohn fortgeerbt, hatte stets ihren Mann genährt, und ruhige genügsame Bewohner gehabt. Kaum aber war unser [[typ:Müller]] Besitzer davon, als er hier und da Mängel und Fehler an ihr bemerkte. Besonders klagte er über den wenigen Wind, den er habe, und verfiel daher auf die Idee, auf die höchste Spitze des Rambergs eine neue [[typ:Mühle]] zu erbauen. Aber wie dieß bewerkstelligen? | + | Am Fuße des Rambergs hatte ein Müller eine Windmühle. Lange schon stand sie da, war seit Jahrhunderten bei seiner Familie gewesen, immer vom Vater auf den Sohn fortgeerbt, hatte stets ihren Mann genährt, und ruhige genügsame Bewohner gehabt. Kaum aber war unser Müller Besitzer davon, als er hier und da Mängel und Fehler an ihr bemerkte. Besonders klagte er über den wenigen Wind, den er habe, und verfiel daher auf die Idee, auf die höchste Spitze des Rambergs eine neue Mühle zu erbauen. Aber wie dieß bewerkstelligen? |
| Diese Hindernisse und die daraus fließende Folge, daß seine Idee nie ausgeführt werden könne, machten ihn äußerst verdrießlich. Ungeduldig wälzte er sich oft des Nachts auf seinem Lager herum, that jede Arbeit mit Mißvergnügen, | Diese Hindernisse und die daraus fließende Folge, daß seine Idee nie ausgeführt werden könne, machten ihn äußerst verdrießlich. Ungeduldig wälzte er sich oft des Nachts auf seinem Lager herum, that jede Arbeit mit Mißvergnügen, | ||
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| Der gehörnte Schwarze, der sich damals weit mehr um alle Kleinigkeiten der Menschen bekümmerte, | Der gehörnte Schwarze, der sich damals weit mehr um alle Kleinigkeiten der Menschen bekümmerte, | ||
| - | Dem [[typ:Müller]] kam das nun zwar ganz gelegen, allein die Bedingungen, | + | Dem Müller kam das nun zwar ganz gelegen, allein die Bedingungen, |
| - | Hatte der [[typ:Müller]] vorher keine Ruhe gehabt, so hatte er sie nun noch weniger. Gedankenvoll ging er die Tage der Bedenkzeit um seine Wohnung herum, betrachtete sie überall genau, um zu untersuchen, | + | Hatte der Müller vorher keine Ruhe gehabt, so hatte er sie nun noch weniger. Gedankenvoll ging er die Tage der Bedenkzeit um seine Wohnung herum, betrachtete sie überall genau, um zu untersuchen, |
| - | Kaum senkten sich die Schatten nieder, als der höllische Baumeister sein Werk begann. Er thürmte Felsen auf Felsen, die ihm seine Helfershelfer vom Brocken herüber warfen, und siehe – die [[typ:Mühle]] stand in wenigen Viertelstunden da. Groß und dauerhaft war das Werk, für eine Ewigkeit fest genug. Da ging er zum [[typ:Müller]] hinab, um ihn hinzuführen, | + | Kaum senkten sich die Schatten nieder, als der höllische Baumeister sein Werk begann. Er thürmte Felsen auf Felsen, die ihm seine Helfershelfer vom Brocken herüber warfen, und siehe – die Mühle stand in wenigen Viertelstunden da. Groß und dauerhaft war das Werk, für eine Ewigkeit fest genug. Da ging er zum Müller hinab, um ihn hinzuführen, |
| - | Es war eine finstere Sommernacht; | + | Es war eine finstere Sommernacht; |
| - | Mit selbstzufriednem Hohngelächter fragte ihn der [[typ:Teufel]]: „ob er etwas daran auszusetzen habe?“ | + | Mit selbstzufriednem Hohngelächter fragte ihn der Teufel: „ob er etwas daran auszusetzen habe?“ |
| - | „Nichts, gar nichts!“ stotterte der bebende | + | „Nichts, gar nichts!“ stotterte der bebende Müller, und wollte schon das Werk unter den versprochenen Bedingungen annehmen, als er plötzlich: „Halt!“ schrie, und seinen Bauherrn auf einen noch fehlenden unentbehrlichen Stein aufmerksam machte. |
| - | Zwar läugnete der Geschwänzte die große Nothwendigkeit des Steines lange; da aber der [[typ:Müller]] darauf beharrte, daß er noch eingesetzt werde, so verstand sich endlich jener dazu. | + | Zwar läugnete der Geschwänzte die große Nothwendigkeit des Steines lange; da aber der Müller darauf beharrte, daß er noch eingesetzt werde, so verstand sich endlich jener dazu. |
| - | Schon schwebte er in der Luft mit dem fehlenden Steine, siehe, da krähte unten auf der [[typ:Mühle]] der [[typ:huhn|Hahn]]. | + | Schon schwebte er in der Luft mit dem fehlenden Steine, siehe, da [[ding:hahnenschrei|krähte]] unten auf der Mühle |
| - | „Halt!“ schrie der [[typ:Müller]] nochmals, „wir sind quitt!“ und fort lief er, seiner alten Wohnung zu. | + | „Halt!“ schrie der Müller nochmals, „wir sind quitt!“ und fort lief er, seiner alten Wohnung zu. |
| - | Wüthend über den verfehlten Zweck, faßte der [[typ:Teufel]] das Gebäude, riß Flügel, Räder und Wellen aus einander, schmiß sie in die Luft, schleuderte die hoch in die Wolken aufgethürmten Felsen umher, daß sie den ganzen Ramberg bedeckten, und nur der kleine noch vorhandene Theil der Grundlage blieb zum ewigen Andenken stehn. Doch war dieß nicht die einzige Rache, die er nahm; denn kaum daß der [[typ:Müller]] mit leichterm Herzen seine alte Wohnung wieder erreicht hatte, so warf der Unhold ein Felsstück hinab, auf die morsche Hütte, und zertrümmerte sie mit allen ihren Bewohnern im Nu. | + | Wüthend über den verfehlten Zweck, faßte der Teufel das Gebäude, riß Flügel, Räder und Wellen aus einander, schmiß sie in die Luft, schleuderte die hoch in die Wolken aufgethürmten Felsen umher, daß sie den ganzen Ramberg bedeckten, und nur der kleine noch vorhandene Theil der Grundlage blieb zum ewigen Andenken stehn. Doch war dieß nicht die einzige Rache, die er nahm; denn kaum daß der Müller mit leichterm Herzen seine alte Wohnung wieder erreicht hatte, so warf der Unhold ein Felsstück hinab, auf die morsche Hütte, und zertrümmerte sie mit allen ihren Bewohnern im Nu. |
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sagen/sagenundvolksmaehrchen45.1700119869.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
