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sagen:sagenundvolksmaehrchen43

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 Bei [[geo:Marburg]] liegt am Rande des Burgwaldes ein Berg, der heißt: [[region:Christenberg]]. Bei [[geo:Marburg]] liegt am Rande des Burgwaldes ein Berg, der heißt: [[region:Christenberg]].
  
-Auf diesem Berge hatte einmal vor Alters ein König sein Schloß. Die Königin, seine Gemahlin, war todt, und keines Erben seines Stammes hatte er sich zu erfreuen. Nur eine Tochter war die Frucht der vieljährigen [[typ:Ehe]], welche viele wunderbare Gaben besaß, daher der König auch große Stücke auf sie hielt.+Auf diesem Berge hatte einmal vor Alters ein König sein Schloß. Die Königin, seine Gemahlin, war todt, und keines Erben seines Stammes hatte er sich zu erfreuen. Nur eine Tochter war die Frucht der vieljährigen Ehe, welche viele wunderbare Gaben besaß, daher der König auch große Stücke auf sie hielt.
  
-Nun kam einmal sein Feind und Nachbar, der König Grünewald, der das Land gern haben wollte, und belagerte ihn in seinem Schlosse. Die [[typ:Belagerung]] dauerte lange, aber die Tochter verlor den [[typ:mut|Muth]] nicht, und sprach ihrem Vater, der sich schon ergeben wollte, immer Trost zu. Das dauerte bis zum Maientag. Da sah die Tochter ganz früh und mit Tages Anbruch das feindliche Heer mit grünen Bäumen herangezogen kommen, daß es von weitem aussah, als bewege sich ein ganzer Wald fort. Da wurde ihr bange; denn sie wußte, daß nun alles verloren sey. Sie sprach daher zu ihrem Vater die Worte:+Nun kam einmal sein Feind und Nachbar, der König Grünewald, der das Land gern haben wollte, und belagerte ihn in seinem Schlosse. Die Belagerung dauerte lange, aber die Tochter verlor den Muth nicht, und sprach ihrem Vater, der sich schon ergeben wollte, immer Trost zu. Das dauerte bis zum Maientag. Da sah die Tochter ganz früh und mit Tages Anbruch das feindliche Heer mit grünen Bäumen herangezogen kommen, daß es von weitem aussah, als bewege sich ein ganzer Wald fort. Da wurde ihr bange; denn sie wußte, daß nun alles verloren sey. Sie sprach daher zu ihrem Vater die Worte:
  
 Vater, gebt Euch gefangen,\\ Vater, gebt Euch gefangen,\\
 Der grüne Wald kommt gegangen.\\ Der grüne Wald kommt gegangen.\\
  
-Der König, der ihrer Klugheit mehr als seiner eigenen zutraute, schickte die Prinzessin in das feindliche Lager, und diese brachte es auch dahin, daß ihr der König Grünewald für ihre Person freien Abzug zugestand, und obendrein noch erlaubte, so viel mitzunehmen, als ein [[typ:Esel]] tragen könne.+Der König, der ihrer Klugheit mehr als seiner eigenen zutraute, schickte die Prinzessin in das feindliche Lager, und diese brachte es auch dahin, daß ihr der König Grünewald für ihre Person freien Abzug zugestand, und obendrein noch erlaubte, so viel mitzunehmen, als ein Esel tragen könne.
  
 Und was packte die gute Tochter auf den Esel? – Den Vater selbst nebst ihren sonstigen Kostbarkeiten, und so zog sie ungehindert ab. Da sie nun eine gute Strecke in einem fort so gewandert waren, sprach sie: Und was packte die gute Tochter auf den Esel? – Den Vater selbst nebst ihren sonstigen Kostbarkeiten, und so zog sie ungehindert ab. Da sie nun eine gute Strecke in einem fort so gewandert waren, sprach sie:
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 und da blieben sie, bauten ein Schloß, und nannten es [[geo:hatzfeldeder|Hatsfeld]]. und da blieben sie, bauten ein Schloß, und nannten es [[geo:hatzfeldeder|Hatsfeld]].
  
-Bis auf den heutigen Tag sieht man noch [[typ:ruine|Ueberbleibsel]] vom Schlosse, und nahe dabei liegt das Städtchen Hatsfeld an der Eder, vier Stunden westlich vom Christenberge.+Bis auf den heutigen Tag sieht man noch Ueberbleibsel vom Schlosse, und nahe dabei liegt das Städtchen Hatsfeld an der Eder, vier Stunden westlich vom Christenberge.
  
 //Anmerkungen: Eine auffallende Aehnlichkeit hat diese Sage mit der in Shakespeare’s Macbeth, und wer weiß, ob der genialische Kopf sie nicht adoptirte. Ganz unbezweifelt haben auch hier, wie einst in der griechischen Welt, als die Geschichte entstand, die Denkmäler, und besonders die auffallenden Namen der Orte, Veranlassung zu dieser Mythe gegeben.// //Anmerkungen: Eine auffallende Aehnlichkeit hat diese Sage mit der in Shakespeare’s Macbeth, und wer weiß, ob der genialische Kopf sie nicht adoptirte. Ganz unbezweifelt haben auch hier, wie einst in der griechischen Welt, als die Geschichte entstand, die Denkmäler, und besonders die auffallenden Namen der Orte, Veranlassung zu dieser Mythe gegeben.//
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 //Quellen://  //Quellen:// 
   * //[[autor:FriedrichGottschalck|Friedrich Gottschalck]]: [[buch:sagenundvolksmährchen|Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen]], Halle, bei Hemmerde und Schwetschke. 1814, Seite 296; //   * //[[autor:FriedrichGottschalck|Friedrich Gottschalck]]: [[buch:sagenundvolksmährchen|Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen]], Halle, bei Hemmerde und Schwetschke. 1814, Seite 296; //
-  * //[[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gottschalck_Sagen_und_Volksmaehrchen_der_Deutschen.pdf/335&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
  
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sagen/sagenundvolksmaehrchen43.1706825679.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)