sagen:sagenundvolksmaehrchen26
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| + | ====== Die Schloßjungfer ====== | ||
| + | Bei dem kleinen Städtchen [[geo: | ||
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| + | Es hauste hier vor uralten Zeiten ein Ritter, Bodo genannt. Es war ein gar lustiger Finke und lockerer Gesell. Das Handwerk des Raubens trieb er gleich seinen Nachbarn, und wer die unten am Berge vorübergehende Harzstraße zog, der kam nicht ungezwickt durch. Am liebsten fing er hübsche Dirnen auf, führte sie auf seine Burg, und sperrte sie ein. Warum? das verschweigt die Sage. | ||
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| + | Bodo trieb aber das Ding zu arg, er hieß bald im ganzen Harzgau der Mädchenräuber. Keine Dirne wagte sich die Straße mehr, sondern nahm lieber einen großen weiten Umweg. | ||
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| + | Das hörte ein [[wesen: | ||
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| + | „Halt, Bursche!“ sprach er einst, „dein Unwesen soll sich enden!“ | ||
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| + | Gegen der Burg über im Walde verbarg er sich, das Thun und Lassen Bodo’s zu beobachten, ihn auf der That zu ertappen. Aber lange Zeit mußte er vergebens warten; denn es zog, wie gesagt, gar selten einer die Straße. Endlich kam aber ein Handelsmann aus [[geo: | ||
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| + | Bodo sprengte mit seinen Reisigen den Berg hinab. Iduna schrie vor Schrecken, ward ohnmächtig, | ||
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| + | „Geh, mache, daß du fortkommst, alter Kauz,“ sprach er, „und danke Gott, daß ich dir’s Leben lasse.“ | ||
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| + | Ohne Besinnung schleppte man die Dirne auf die Burg. Grinsend stand da der Räuber vor der Unschuld, und jauchzte über den herrlichen Fang, wie er lange keinen gemacht hatte. | ||
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| + | „Erwache!“ rief er ihr zu, „erwache!“ allein sie blieb besinnungslos liegen. Da wollte der Bösewicht die Rose brechen; aber plötzlich krachte es durch seine weite Burg wie Donnerschläge. Die Erde bebte, und hinab sank in die Tiefe des Berges das steinerne Gebäude in Schutt und Trümmern. | ||
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| + | Das that der [[wesen: | ||
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| + | Der schuldlosen Dirne aber vergönnte er, an gewissen Tagen auf Erden sichtbar herum zu wandeln, und seitdem sieht man sie im weißen Kleide mit einem Bund Schlüssel an der Seite und einem Blumenstrauß in der Hand, und nennt sie die Schloßjungfer. Sie beschenkt oder züchtigt die, mit denen sie zusammentrifft, | ||
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| + | Einst hörte ein Mönch aus einem nahen Kloster von ihrem Herumwandeln. Die Neugierde, vielleicht auch noch etwas anderes, trieb ihn hin zur heiligen Stätte, um sie kennen zu lernen. Er saß eine Weile auf den alten Mauern und wartete, aber, es erschien nichts. „Hm,“ dachte er, „sollst wohl kommen!“ zog hierauf den mitgenommenen [[ding: | ||
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| + | „Was willst du?“ sprach sie mit unfreundlicher Miene. | ||
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| + | Der Mönch stutzte Anfangs ob der Erscheinung, | ||
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| + | Freundlicher war sie einem Schäfer, der zwischen den alten Mauern seine Schafe weiden ließ. Hingestreckt auf den Rasen, dachte er an nichts weniger, als an die Schloßjungfer, | ||
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| + | „Jüngferchen, | ||
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| + | Aber die Schloßjungfer antwortete nichts, und winkte, ihr zu folgen. Der Schäfer setzte den Hut mit der Blume auf, und folgte. An hundert Schritte waren sie stillschweigend gegangen, da öffnete sich vor der schönen Jungfrau die Erde, und sie stieg hinab. Dreist ging der Schäfer hinterher, und tief und immer tiefer schritten sie ins Dunkel hinein. Als sie so ein hundert [[lex: | ||
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| + | Die Schloßjungfer war indessen verschwunden, | ||
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| + | Erschöpft setzte er sich nieder, sann nun der dunkeln Worte nach, und fand endlich, daß er die schöne Blume verloren hatte. Umsonst suchte er sie. Sie war fort und blieb fort. | ||
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