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sagen:sagenundvolksmaehrchen21

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     Aus einer Gegend am Fichtelgebirge mitgetheilt erhalten.      Aus einer Gegend am Fichtelgebirge mitgetheilt erhalten. 
  
-Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands Venetianer, überhaupt Italiener, herumzogen, um, wie es hieß, Goldsand aufzusuchen. Sie handelten zum Schein mit Hecheln oder Mäusefallen, und kehrten, wenn sie ihre Säckel mit dem sogenannten Goldsande gefüllt hatten, wieder heim. Daß sie an gewisse Orte immer wieder hinkamen, einen feinen Sand aufsuchten und mit sich nahmen, ist gewiß, aber an seiner Goldhaltigkeit möchte wohl mit Recht gezweifelt werden. Wozu sie aber den mitgenommenen Sand nutzten, weiß man nicht.+Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands [[wesen:venediger|Venetianer]], überhaupt Italiener, herumzogen, um, wie es hieß, Goldsand aufzusuchen. Sie handelten zum Schein mit Hecheln oder Mäusefallen, und kehrten, wenn sie ihre Säckel mit dem sogenannten Goldsande gefüllt hatten, wieder heim. Daß sie an gewisse Orte immer wieder hinkamen, einen feinen Sand aufsuchten und mit sich nahmen, ist gewiß, aber an seiner Goldhaltigkeit möchte wohl mit Recht gezweifelt werden. Wozu sie aber den mitgenommenen Sand nutzten, weiß man nicht.
  
-Solche Venetianer, wie sie gewöhnlich genannt wurden, kamen auch auf das Fichtelgebirge, und manche denkwürdige Geschichte trug sich zwischen ihnen und den Gebirgsbewohnern zu, wovon man noch die Personen zu nennen weiß.+Solche Venetianer, wie sie gewöhnlich genannt wurden, kamen auch auf das [[region:Fichtelgebirge]], und manche denkwürdige Geschichte trug sich zwischen ihnen und den Gebirgsbewohnern zu, wovon man noch die Personen zu nennen weiß.
  
-Unter andern hielt sich einmal einer, Namens Gabriel, lange Zeit in dem Dorfe Wülfersreuth, an der alten Eger’schen Landstraße, bei einem Bauer auf. Er war da wie zu Haus, und wurde wie ein Mitglied der Familie behandelt. Am Tage wanderte er im Gebirge herum, und Abends, wenn er heim kam, schlief er hinterm Ofen, und lag auf Thierfellen von wilden Schweinen, Bären und Wölfen; denn solche Bestien gab es damals häufig noch im Fichtelgebirge.+Unter andern hielt sich einmal einer, Namens Gabriel, lange Zeit in dem Dorfe [[geo:Wülfersreuth]], an der alten Eger’schen Landstraße, bei einem Bauer auf. Er war da wie zu Haus, und wurde wie ein Mitglied der Familie behandelt. Am Tage wanderte er im Gebirge herum, und Abends, wenn er heim kam, schlief er hinterm Ofen, und lag auf Thierfellen von wilden Schweinen, Bären und Wölfen; denn solche Bestien gab es damals häufig noch im Fichtelgebirge.
  
 So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauer. Keiner störte den andern in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, daß er bald, daß er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren an einander gewöhnt, und lebten gern beisammen. So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauer. Keiner störte den andern in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, daß er bald, daß er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren an einander gewöhnt, und lebten gern beisammen.
  
-Da es dem Bauer, nach einer so langen Reihe von Jahren gar nicht einfiel, daß sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, als Gabriel ihm einst ganz schlank sagte: er werde des andern Tags aufbrechen, nach Venedig zurückgehen, und nie wieder in diese Gegend kommen.+Da es dem Bauer, nach einer so langen Reihe von Jahren gar nicht einfiel, daß sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, als Gabriel ihm einst ganz schlank sagte: er werde des andern Tags aufbrechen, nach [[geo:Venedig]] zurückgehen, und nie wieder in diese Gegend kommen.
  
 Alles im Hause ward betrübt über diese Nachricht, und Weib und Kind weinten, als gehe ihr Vater weg. Aber Gabriel ging doch. Beim Abschiede drückte er seinem biedern Hauswirthe recht herzlich die Hand, und sprach: Alles im Hause ward betrübt über diese Nachricht, und Weib und Kind weinten, als gehe ihr Vater weg. Aber Gabriel ging doch. Beim Abschiede drückte er seinem biedern Hauswirthe recht herzlich die Hand, und sprach:
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 „Ein feiner Abschiedsgruß,“ sprach er. „Zehn Jahre lang habe ich ihn gehegt und gepflegt, und zur Dankbarkeit hinterläßt er mir die Nachricht, daß ich in große Noth kommen werde! Nimmt mir diese Prophezeihung nicht all’ meine Ruhe weg! Konnte er nicht lieber sagen: wenn du einmal in Noth kommst, so suche bei mir Schutz; mußte er so bestimmt sagen: du wirst in Noth kommen!“ „Ein feiner Abschiedsgruß,“ sprach er. „Zehn Jahre lang habe ich ihn gehegt und gepflegt, und zur Dankbarkeit hinterläßt er mir die Nachricht, daß ich in große Noth kommen werde! Nimmt mir diese Prophezeihung nicht all’ meine Ruhe weg! Konnte er nicht lieber sagen: wenn du einmal in Noth kommst, so suche bei mir Schutz; mußte er so bestimmt sagen: du wirst in Noth kommen!“
  
-Aber sein Weib, eine kluge Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen, und [146] nicht weiter daran zu denken. Doch schwer wurde das dem guten Hans, und nur die Zeit konnte das Andenken daran etwas schwächen. Es verging ein Jahr, es verging noch eins, und da noch immer keine Noth eingetreten war, so ließ der Glaube an die Prophezeihung nach, und kein Mensch im Hause dachte weiter daran.+Aber sein Weib, eine kluge Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen, und nicht weiter daran zu denken. Doch schwer wurde das dem guten Hans, und nur die Zeit konnte das Andenken daran etwas schwächen. Es verging ein Jahr, es verging noch eins, und da noch immer keine Noth eingetreten war, so ließ der Glaube an die Prophezeihung nach, und kein Mensch im Hause dachte weiter daran.
  
 Nach vier Jahren war Hans an einem Sonntage, wie gewöhnlich, in der Schenke. Er hatte sich’s wohl schmecken lassen, und war etwas mehr, als lustig. Da erhob sich vor der Thür des Hauses ein Gezänk zwischen jungen Burschen. Erst war’s ein heftiger Wortwechsel, dann raufte man sich bei den Haaren, und endlich schlug man sich. Hans kam gleich andern heraus, Frieden zu stiften, und bediente sich dazu eines ausgerissenen Stuhlbeins. Er schlug derb drein, der Weingeist ließ ihn nicht sehen, wo er hinschlug, und, ach! da schlug er einen jungen Bauer mausetodt. Nach vier Jahren war Hans an einem Sonntage, wie gewöhnlich, in der Schenke. Er hatte sich’s wohl schmecken lassen, und war etwas mehr, als lustig. Da erhob sich vor der Thür des Hauses ein Gezänk zwischen jungen Burschen. Erst war’s ein heftiger Wortwechsel, dann raufte man sich bei den Haaren, und endlich schlug man sich. Hans kam gleich andern heraus, Frieden zu stiften, und bediente sich dazu eines ausgerissenen Stuhlbeins. Er schlug derb drein, der Weingeist ließ ihn nicht sehen, wo er hinschlug, und, ach! da schlug er einen jungen Bauer mausetodt.
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 Da war’s ihm, als höre er seinen Namen rufen. Er schaute umher, horchend, ob er sich auch nicht irre. Da rief eine Stimme noch lauter: Da war’s ihm, als höre er seinen Namen rufen. Er schaute umher, horchend, ob er sich auch nicht irre. Da rief eine Stimme noch lauter:
  
-„Hans! Hans vom Fichtelgebirge!“+„Hans! Hans vom [[region:Fichtelgebirge]]!“
  
 Hans sprang auf, schaute umher, sah aber keinen, der ihn gerufen hätte. Unwillkürlich ging er einige Schritte vorwärts, wußte nicht, wohin er sich wenden sollte, da rief die Stimme nochmals: Hans sprang auf, schaute umher, sah aber keinen, der ihn gerufen hätte. Unwillkürlich ging er einige Schritte vorwärts, wußte nicht, wohin er sich wenden sollte, da rief die Stimme nochmals:
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 Hans maß ihn von Kopf bis zum Fuß, und blieb versteinert stehen. Gabriel faßte ihn bei Hand, zog ihn in das Haus, und führte ihn in ein prachtvolles Zimmer. Hans maß ihn von Kopf bis zum Fuß, und blieb versteinert stehen. Gabriel faßte ihn bei Hand, zog ihn in das Haus, und führte ihn in ein prachtvolles Zimmer.
  
-„Erkennst du mich denn immer noch nicht, Hans!“ sprach Gabriel, „ich bin ja Gabriel, der zehn Jahre lang bei dir im Wülfersreuth wohnte?“+„Erkennst du mich denn immer noch nicht, Hans!“ sprach Gabriel, „ich bin ja Gabriel, der zehn Jahre lang bei dir im [[geo:Wülfersreuth]] wohnte?“
  
 Hans schüttelte den Kopf, und sprach kein Wort. Da verließ Gabriel das Zimmer, und ließ den wie betäubt da stehenden Bauer allein. Hans schüttelte den Kopf, und sprach kein Wort. Da verließ Gabriel das Zimmer, und ließ den wie betäubt da stehenden Bauer allein.
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 //Quellen://  //Quellen:// 
   * //[[autor:FriedrichGottschalck|Friedrich Gottschalck]]: [[buch:sagenundvolksmährchen|Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen]], Halle, bei Hemmerde und Schwetschke. 1814, Seite 142; //   * //[[autor:FriedrichGottschalck|Friedrich Gottschalck]]: [[buch:sagenundvolksmährchen|Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen]], Halle, bei Hemmerde und Schwetschke. 1814, Seite 142; //
-  * //[[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gottschalck_Sagen_und_Volksmaehrchen_der_Deutschen.pdf/181&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
  
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-{{tag>sagen FriedrichGottschalck sagenundvolksmährchen fichtelberg erzgebirge franken venedig bett}}+{{tag>sagen FriedrichGottschalck sagenundvolksmährchen bergbau fichtelgebirge Wülfersreuth venediger venedig gold schlaf ofen fell wolf bär wildschwein bett erschlagen streit flucht unglück schänke gastwirt prophezeiung v2}}
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