sagen:sagenundvolksmaehrchen21
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| Aus einer Gegend am Fichtelgebirge mitgetheilt erhalten. | Aus einer Gegend am Fichtelgebirge mitgetheilt erhalten. | ||
| - | Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands Venetianer, überhaupt Italiener, herumzogen, um, wie es hieß, Goldsand aufzusuchen. Sie handelten zum Schein mit Hecheln oder Mäusefallen, | + | Es gab einmal eine Zeit, wo in allen Gebirgsgegenden Deutschlands |
| - | Solche Venetianer, wie sie gewöhnlich genannt wurden, kamen auch auf das Fichtelgebirge, | + | Solche Venetianer, wie sie gewöhnlich genannt wurden, kamen auch auf das [[region:Fichtelgebirge]], und manche denkwürdige Geschichte trug sich zwischen ihnen und den Gebirgsbewohnern zu, wovon man noch die Personen zu nennen weiß. |
| - | Unter andern hielt sich einmal einer, Namens Gabriel, lange Zeit in dem Dorfe Wülfersreuth, | + | Unter andern hielt sich einmal einer, Namens Gabriel, lange Zeit in dem Dorfe [[geo:Wülfersreuth]], an der alten Eger’schen Landstraße, |
| So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauer. Keiner störte den andern in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, daß er bald, daß er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren an einander gewöhnt, und lebten gern beisammen. | So lebte Gabriel zehn Jahre lang in steter Einigkeit und Freundschaft bei dem Bauer. Keiner störte den andern in seinen Geschäften. Der Bauer fragte nicht, wo der Fremdling am Tage herumgehe, was er suche, ob er denn gar nicht wieder heimkehren wolle, und dieser bezahlte wöchentlich seine Zeche, ohne zu äußern, daß er bald, daß er überhaupt einmal wieder fortgehen werde. Beide waren an einander gewöhnt, und lebten gern beisammen. | ||
| - | Da es dem Bauer, nach einer so langen Reihe von Jahren gar nicht einfiel, daß sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, | + | Da es dem Bauer, nach einer so langen Reihe von Jahren gar nicht einfiel, daß sein Freund ihn je wieder verlassen könne, so kam es ihm um so unerwarteter, |
| Alles im Hause ward betrübt über diese Nachricht, und Weib und Kind weinten, als gehe ihr Vater weg. Aber Gabriel ging doch. Beim Abschiede drückte er seinem biedern Hauswirthe recht herzlich die Hand, und sprach: | Alles im Hause ward betrübt über diese Nachricht, und Weib und Kind weinten, als gehe ihr Vater weg. Aber Gabriel ging doch. Beim Abschiede drückte er seinem biedern Hauswirthe recht herzlich die Hand, und sprach: | ||
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| „Ein feiner Abschiedsgruß, | „Ein feiner Abschiedsgruß, | ||
| - | Aber sein Weib, eine kluge Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen, | + | Aber sein Weib, eine kluge Frau, redete ihm zu, sich der Worte zu entschlagen, |
| Nach vier Jahren war Hans an einem Sonntage, wie gewöhnlich, | Nach vier Jahren war Hans an einem Sonntage, wie gewöhnlich, | ||
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| Da war’s ihm, als höre er seinen Namen rufen. Er schaute umher, horchend, ob er sich auch nicht irre. Da rief eine Stimme noch lauter: | Da war’s ihm, als höre er seinen Namen rufen. Er schaute umher, horchend, ob er sich auch nicht irre. Da rief eine Stimme noch lauter: | ||
| - | „Hans! Hans vom Fichtelgebirge!“ | + | „Hans! Hans vom [[region:Fichtelgebirge]]!“ |
| Hans sprang auf, schaute umher, sah aber keinen, der ihn gerufen hätte. Unwillkürlich ging er einige Schritte vorwärts, wußte nicht, wohin er sich wenden sollte, da rief die Stimme nochmals: | Hans sprang auf, schaute umher, sah aber keinen, der ihn gerufen hätte. Unwillkürlich ging er einige Schritte vorwärts, wußte nicht, wohin er sich wenden sollte, da rief die Stimme nochmals: | ||
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| Hans maß ihn von Kopf bis zum Fuß, und blieb versteinert stehen. Gabriel faßte ihn bei Hand, zog ihn in das Haus, und führte ihn in ein prachtvolles Zimmer. | Hans maß ihn von Kopf bis zum Fuß, und blieb versteinert stehen. Gabriel faßte ihn bei Hand, zog ihn in das Haus, und führte ihn in ein prachtvolles Zimmer. | ||
| - | „Erkennst du mich denn immer noch nicht, Hans!“ sprach Gabriel, „ich bin ja Gabriel, der zehn Jahre lang bei dir im Wülfersreuth wohnte?“ | + | „Erkennst du mich denn immer noch nicht, Hans!“ sprach Gabriel, „ich bin ja Gabriel, der zehn Jahre lang bei dir im [[geo:Wülfersreuth]] wohnte?“ |
| Hans schüttelte den Kopf, und sprach kein Wort. Da verließ Gabriel das Zimmer, und ließ den wie betäubt da stehenden Bauer allein. | Hans schüttelte den Kopf, und sprach kein Wort. Da verließ Gabriel das Zimmer, und ließ den wie betäubt da stehenden Bauer allein. | ||
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