sagen:sagenundvolksmaehrchen18
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| - | Wenig gekannt und wenig besucht ist die Gegend umher; denn es ist so heimlich da, und der finstere | + | Wenig gekannt und wenig besucht ist die Gegend umher; denn es ist so heimlich da, und der finstere Tannenwald an des See’s Ufern hat gar etwas Schauerliches und Melancholisches. Auch ist das Wasser unergründlich tief, und man fürchtet sich deshalb noch mehr davor. |
| Von diesem See wird folgende Sage erzählt: | Von diesem See wird folgende Sage erzählt: | ||
| - | Vor vielen hundert Jahren stand auf der Stelle, wo jetzt das Wasser ist, ein Frauenkloster. In einer stürmischen Nacht kam einst, ganz abgemattet, ein armer alter Mann vor die [[typ:Pforte]] desselben. Er klopfte an, und bat um ein Obdach. Die Pförtnerin war eine gar gemächliche Person und harten Herzens. Ihr war es zu umständlich und zu kalt, die Schlösser und Riegel nochmals zu öffnen. Sie hieß daher mit harten Worten den alten Mann weiter gehen. Das war aber dem vor Frost und Ermattung zitternden Greise nicht möglich. Er bat nochmals, er jammerte und winselte, aber alles umsonst. Selbst die Priorin und alle Mitschwestern wiesen ihn hart ab. | + | Vor vielen hundert Jahren stand auf der Stelle, wo jetzt das Wasser ist, ein Frauenkloster. In einer stürmischen Nacht kam einst, ganz abgemattet, ein armer alter Mann vor die Pforte desselben. Er klopfte an, und bat um ein Obdach. Die Pförtnerin war eine gar gemächliche Person und harten Herzens. Ihr war es zu umständlich und zu kalt, die Schlösser und Riegel nochmals zu öffnen. Sie hieß daher mit harten Worten den alten Mann weiter gehen. Das war aber dem vor Frost und Ermattung zitternden Greise nicht möglich. Er bat nochmals, er jammerte und winselte, aber alles umsonst. Selbst die Priorin und alle Mitschwestern wiesen ihn hart ab. |
| - | Nur eine Laienschwester, | + | Nur eine Laienschwester, |
| - | Plötzlich erhob sich ein grausendes | + | Plötzlich erhob sich ein grausendes Unwetter. Der alte Mann berührte mit seinem Stabe die Klostermauer, |
| - | Schon längst hatte jene gutmüthige Laienschwester in traulichen Verhältnissen mit einem der edelsten | + | Schon längst hatte jene gutmüthige Laienschwester in traulichen Verhältnissen mit einem der edelsten Ritter des Gaues gelebt. Sie liebte ihn, und wollte daher auch nicht im Kloster bleiben, und er kam sehr oft bei nächtlicher Weile zum einsamen Kloster. Wenn dann alles rings umher schlief, sprach er durchs Gitter der Zelle mit seinem Liebchen, und oft ging er erst mit Tagesanbruch wieder heim. |
| Auch in dieser stürmischen Nacht kam er. Aber, wie bebten seine Glieder, wie zitterte er vor Schmerz und Kummer, als er sein geliebtes Kloster nicht mehr sah, und nur Wasser vor sich rauschen hörte. Er rang die Hände, jammerte, rief den Namen seiner Geliebten, daß es weit und breit wiederhallte, | Auch in dieser stürmischen Nacht kam er. Aber, wie bebten seine Glieder, wie zitterte er vor Schmerz und Kummer, als er sein geliebtes Kloster nicht mehr sah, und nur Wasser vor sich rauschen hörte. Er rang die Hände, jammerte, rief den Namen seiner Geliebten, daß es weit und breit wiederhallte, | ||
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