sagen:sagenundvolksmaehrchen12
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| + | ====== Mährchen von Questenberg ====== | ||
| + | Die Sage von dem verlornen Kinde habe ich bereits in meinen Ritterburgen etc. 2r Bd. S. 41 erzählt. | ||
| + | In der deutschen Monatsschrift von 1795 und in Otmar’s Volkssagen S. 121 findet sie sich auch. | ||
| + | In Questenberg, | ||
| + | weiß sie jedes Kind zu erzählen. | ||
| + | Die andern Sagen, von dem großen Schatze auf Questenberg, | ||
| + | an Ort und Stelle erhalten. | ||
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| + | Eine Stunde von [[geo: | ||
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| + | Das Kind hatte sich durch immer schönere Blumen immer tiefer in den Wald locken lassen, war in ein finsteres Thal, durch das kein Weg führte, und endlich zu einer Köhlerhütte gekommen. Hier hatte es sich vor der Thür hingesetzt, und flocht eben mit seinen zarten Fingerchen einen Blumenkranz, | ||
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| + | So fanden es endlich nach mehrern Tagen einige Einwohner des unter Questenberg liegenden Dorfes Finsterberg. Groß war ihre Freude. Jubelnd nahmen sie das Kind auf, banden den Blumenkranz, | ||
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| + | Hier saß indessen der trauernde Vater, und härmte sich ab und weinte. Alle Hoffnung hatte er schon aufgegeben, alle Freude wollte von ihm schwinden, da tönte mit einem Male das fröhliche Geschrei aus der Ferne zu ihm herauf. Er stürzte die Treppen hinab, zum Burgthore hinaus, und, ach! da hing die kleine Jutta an seinem Halse. Alles weinte vor Freude, alles jubelte mit Thränen im Auge, und das Entzücken des glücklichen Vaters war unbeschreiblich. Die hohe Stange mit dem Blumenkranze wurde im Burghofe aufgepflanzt, | ||
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| + | Zum dankbaren Andenken schenkte der Vater den Einwohnern von Finsterberg einen Strich Waldes, und denen von Roda, das ihm auch gehörte, den Holzfleck, wo sein Kind vor der Köhlerhütte gefunden war((Das Holz ist später ausgerodet und in eine Wiese verwandelt worden, die noch jetzt die Fräuleinwiese heißt und zu den Grundstücken des Predigers in [[geo: | ||
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| + | Seitdem hieß und heißt noch die Burg und das Dorf: Questenberg, | ||
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| + | So wird, wie gesagt, noch jetzt jährlich das Fest gefeiert, nur mit der Abänderung, | ||
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| + | Es könnte scheinen, als ob diese Volkssage durch die Wortforschung entstanden sey; indessen sehe ich nichts Unwahrscheinliches in der Begebenheit. Es geht so ganz natürlich, ohne Zauberei, ohne Unbegreiflichkeiten, | ||
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| + | Es giebt aber auch noch andere Sagen von Questenberg, | ||
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| + | Im [[zeit: | ||
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| + | „Nimm eins der Goldstücke, | ||
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| + | und verschwand. Der Mann nahm eins der Goldstücke, | ||
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| + | „Ei, was soll ich mich da täglich quälen und zwei Goldstücke nur nehmen! Der ganze Schatz ist ja doch für mich bestimmt, ob ich ihn nun nach und nach oder auf ein Mal hole, das wird einerlei seyn. Ich werde gehen und den schönen Braukessel auf ein Mal leeren, dann brauche ich mich nicht weiter zu mühen!“ | ||
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| + | Er packte viele Säcke auf, keuchte den Berg hinan (denn die gute Kost und das gemächliche Leben hatten seinen Körper wohl genährt), langte bei der bewußten Oeffnung ganz ermattet an, setzte sich erst nieder, um wieder zu Kräften zu kommen, freute sich, daß nun auch diese lästigen Gänge hierher aufhören würden, und berechnete schon im Geiste, was er nun beginnen könne, wenn alle die Säcke, wohl angefüllt, in seinem Hause erst ständen; wie er dann ein großes Rittergut sich kaufen, in einem schönen Glaskasten mit Vieren bespannt fahren, wie er große Tafel halten, viel Gäste bei sich sehen, mit ihnen zechen wolle, trotz der Ritter auf der nahen Burg Kyffhausen, und dergleichen mehr. Jetzt stand er auf, nahm die Säcke, ging durch den dunkeln Gang, und langte bei dem Braukessel, der, trotz alles dessen, was schon nach und nach weggeholt war, von neuem bis an den Rand sich wieder gefüllt hatte, an. Er nahm den ersten Sack, kniete nieder an den Rand des Kessels, fuhr mit beiden Händen in das Gold hinein und wollte so die erste Ladung in den Sack werfen, als plötzlich der ganze Braukessel vor ihm mit schrecklichem Geprassel hinabsank, Feuerflammen und Schwefelgestank heraufqualmten, | ||
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| + | So rächt sich die Unersättlichkeit an ihren Verehrern. | ||
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| + | Zerstörte und zerfallene Burgen und Klöster wurden von jeher von Schatzgräbern durchwühlt, | ||
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| + | „Nicht euch sind diese Reichthümer beschieden, und nie könnt ihr sie nehmen. Das Schicksal bestimmt sie einem Grafen von [[geo: | ||
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| + | Voll Angst und Entsetzung eilten die Jesuiten hinaus und den Berg hinab; doch erzählten sie die wunderbare Begebenheit und wiederholten die seltsamen Worte des bewachenden Geistes. | ||
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| + | Ein Graf Stolberg mit zweierlei Augen ist noch nicht geboren worden, der Schatz also noch vorhanden. Gesehen haben aber den großen Braukessel viele Menschen, und noch vor vierzig Jahren hat ein Bauer aus Questenberg den Geist dabei stehen sehen, der, wie er ihn beschreibt, wie mit Kankergespinnst überzogen gewesen sey. | ||
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| + | Auch die schöne [[ding: | ||
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