sagen:sagenundvolksmaehrchen10
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:sagenundvolksmaehrchen10 [2023/03/09 12:53] – ewusch | sagen:sagenundvolksmaehrchen10 [2025/01/30 17:57] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| - | [[buch: | + | **[[buch: |
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| - | |||
| - | [[|<< vorherige Sage]] [[buch: | ||
| ====== Der Ausgang der Hamelnschen Kinder ====== | ====== Der Ausgang der Hamelnschen Kinder ====== | ||
| Zeile 12: | Zeile 10: | ||
| v. Göthe hat dieß Mährchen als Stoff zu einem Gedicht, „der Rattenfänger“ überschrieben, | v. Göthe hat dieß Mährchen als Stoff zu einem Gedicht, „der Rattenfänger“ überschrieben, | ||
| - | Bei der Stadt [[geo: | + | Bei der Stadt [[geo: |
| Um diese Zeit war nämlich die Stadt Hameln mit einer furchtbaren Menge Ratten geplagt. Ueberall wimmelte es von diesem Ungeziefer, gegen welches kein Schloß, keine Falle, kein Riegel, kein Pulver half. Sie zehrten alles auf, zernagten, was sie nicht fressen konnten, packten das Vieh in den Ställen an, bissen die Menschen des Nachts in den Betten; und wenn auch hier Tausende todt geschlagen wurden, so kamen dort neue Tausende zum Vorschein. Kurz, die armen Hamelenser waren eben so arg geplagt, wie einstens die Aegypter. | Um diese Zeit war nämlich die Stadt Hameln mit einer furchtbaren Menge Ratten geplagt. Ueberall wimmelte es von diesem Ungeziefer, gegen welches kein Schloß, keine Falle, kein Riegel, kein Pulver half. Sie zehrten alles auf, zernagten, was sie nicht fressen konnten, packten das Vieh in den Ställen an, bissen die Menschen des Nachts in den Betten; und wenn auch hier Tausende todt geschlagen wurden, so kamen dort neue Tausende zum Vorschein. Kurz, die armen Hamelenser waren eben so arg geplagt, wie einstens die Aegypter. | ||
| - | Da erschien ein Mann in der Stadt, der war wunderlich gekleidet, und machte laut kund: „er wolle das Ungeziefer verbannen, wenn man ihm ein gutes Stück Trinkgeld gäbe.“ Wer war froher, als die Einwohner, die noch Geld genug, aber kein Brot hatten. Sie versprachen daher dem Manne zu geben, was er verlange, nur möchte er sie bald von ihrem Uebel erlösen. Sie dachten, er besäße vielleicht ein unfehlbar wirkendes Rattenpulver, | + | Da erschien ein Mann in der Stadt, der war wunderlich gekleidet, und machte laut kund: „er wolle das Ungeziefer verbannen, wenn man ihm ein gutes Stück Trinkgeld gäbe.“ Wer war froher, als die Einwohner, die noch Geld genug, aber kein Brot hatten. Sie versprachen daher dem Manne zu geben, was er verlange, nur möchte er sie bald von ihrem Uebel erlösen. Sie dachten, er besäße vielleicht ein unfehlbar wirkendes Rattenpulver, |
| - | Den Einwohnern standen bei diesem Anblicke die Haare zu Berge. Mit natürlichen Dingen ging das nicht zu. Der fremde Mann mußte ein Hexenmeister oder gar der Teufel selbst seyn. In beiden Fällen hielten sie sich nicht für verpflichtet, | + | Den Einwohnern standen bei diesem Anblicke die Haare zu Berge. Mit natürlichen Dingen ging das nicht zu. Der fremde Mann mußte ein [[wesen: |
| Darob ergrimmte der Zaubermann entsetzlich, | Darob ergrimmte der Zaubermann entsetzlich, | ||
| Zeile 32: | Zeile 30: | ||
| Weit und breit schickte man Boten aus, zu forschen, ob nicht irgendwo Kunde von den verlornen Kindern zu erhalten sey, aber vergebens. Viele glaubten, der Satan habe dem Dienstmädchen ein Blendwerk vorgemacht, und die Kinder wären von ihm nicht in den Berg, sondern durch die Lüfte und nach Siebenbürgen entführt worden. Denn um eben diese Zeit – solches schreibt die Siebenbürgensche Chronik – wären in diesem Lande mit einem Male eine Menge Kinder angekommen, die eine unbekannte Sprache geredet hätten. Sie wären da geblieben, ihre Sprache hätte sich fortgepflanzt, | Weit und breit schickte man Boten aus, zu forschen, ob nicht irgendwo Kunde von den verlornen Kindern zu erhalten sey, aber vergebens. Viele glaubten, der Satan habe dem Dienstmädchen ein Blendwerk vorgemacht, und die Kinder wären von ihm nicht in den Berg, sondern durch die Lüfte und nach Siebenbürgen entführt worden. Denn um eben diese Zeit – solches schreibt die Siebenbürgensche Chronik – wären in diesem Lande mit einem Male eine Menge Kinder angekommen, die eine unbekannte Sprache geredet hätten. Sie wären da geblieben, ihre Sprache hätte sich fortgepflanzt, | ||
| - | Die Stadt Hameln hat nach dieser Begebenheit mehrere Jahre lang ihre Ausfertigungen datirt, wovon noch Documente vorhanden seyn sollen. Die kleine Gasse, durch [62] welche die Kinder zum Thore hinausgeführt wurden, heißt noch jetzt die Bungelose Gasse. Es wurde nämlich von dem Magistrat verordnet, daß bei Gelegenheiten, | + | Die Stadt Hameln hat nach dieser Begebenheit mehrere Jahre lang ihre Ausfertigungen datirt, wovon noch Documente vorhanden seyn sollen. Die kleine Gasse, durch welche die Kinder zum Thore hinausgeführt wurden, heißt noch jetzt die Bungelose Gasse. Es wurde nämlich von dem Magistrat verordnet, daß bei Gelegenheiten, |
| + | |||
| + | // | ||
| - | //Anmerkungen: | + | //Diese Erzählung hat allerdings ihren historischen Grund, ist aber durch eine falsche Deutung verstellt worden. Die wahre Geschichte ist diese. Der Abt zu Fulda verkaufte im Jahre 1252 die Stadt Hameln und die Vogtey darüber an den 32sten Bischof zu Minden, Wedekind oder Widekind. Hiermit war der Graf von Everstein nicht zufrieden; als welcher bisher die Schutzgerechtigkeit oder Vogtey über die Stadt und das Stift Hameln, als ein Lehn von Fulda, besessen hatte. Er reizte daher die Bürgerschaft, |
| // | // | ||
| * // | * // | ||
| - | * // | ||
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/sagenundvolksmaehrchen10.1678362789.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
