sagen:sagenundvolksmaehrchen06
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| + | ====== Die Seelöcher ====== | ||
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| + | Behrens Hercynia curiosa S. 85, und mit ihm Büsching S. 317, erzählen dieß Mährchen etwas anders. | ||
| + | Die hier gegebene Erzählung ist aus den Halberstädter gemeinnützigen Blättern 1785. | ||
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| + | An der Mittagsseite des [[region: | ||
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| + | Von allen Erdfällen der Gegend ist kein einziger bei Menschen Gedenken entstanden. Da es nun auch aus ihrer Entstehungsperiode keine Nachrichten darüber giebt, so erzählt man sich Legenden über ihren Ursprung, welche den Mangel an Urkunden ersetzen sollen. Von den Haffrung’schen Seelöchern giebt es folgende: | ||
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| + | An dem Orte, wo sie jetzt sind, weideten immer zwei Bauerjungen ihre Pferde. Gegen Abend setzten sie sich gewöhnlich vertraulich beisammen, ihr Abendbrot zu essen, und zu kosen. Einst, als das auch geschah, bemerkte der eine, daß der andere viel weißeres und besseres Brot habe, als er. Er bat, ihm etwas davon mitzutheilen. Jener weigerte sich aber, und sagte: | ||
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| + | „Nein, kriegst nichts, ess’ selber gern!“ | ||
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| + | Darüber wurde dieser sehr erbittert, aß nicht mehr, sondern nahm sein Stück schwarzes Brot, band es an eine Weide, und hieb mit der Peitsche so lange darnach, bis es allmählich in kleinen Krumen auf die Erde gefallen war. | ||
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| + | Während dem hatten sich am Horizonte dicke finstere Wolken aufgethürmt. Es blitzte und donnerte, und mit großer Schnelle wälzte sich das heftigste Gewitter herauf und nach der Gegend hin, wo die Knaben waren. Ein alter Mann, der vorüberging, | ||
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| + | So entstanden diese beiden Seelöcher, und seitdem schwimmen auf beiden in den Pflanzenblättern die Hufe der erschlagenen Pferde herum. | ||
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| + | //Sollte nicht in dieser Legende das Wahre liegen, daß diese beiden Erdfälle bei einem starken Gewitter und einer vielleicht damit verknüpft gewesenen heftigen Erschütterung der Erde entstanden sind?// | ||
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| + | //Die Unzufriedenheit mit dem, was da ist, und die Geringschätzung der schlechten Nahrungsmittel ist aber auch ein bedeutender Umstand, und weist vielleicht darauf hin, daß die Einwohner der Gegend ihr dürftiges Loos oder ihren eben nicht ergiebigen Boden verachtet hatten.// | ||
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