sagen:sagenundvolksmaehrchen05
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| ====== Das Oldenburgsche Wunderhorn ====== | ====== Das Oldenburgsche Wunderhorn ====== | ||
| - | Freie romantische Bearbeitungen dieser Sage findet man in dem 2ten Bande der | + | Freie romantische Bearbeitungen dieser Sage findet man im 2ten Bande der neuen Volksmährchen der |
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| - | | + | Büsching |
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| - | Im eilften Jahrhunderte lebte Otto, Graf von Oldenburg, ein großer Freund der [[typ:Jagd]]. | + | Im eilften Jahrhunderte lebte Otto, Graf [[familie: |
| - | Einst verirrte er sich bei einer Rehhetze von seinem Gefolge bis in den Osenberg, eine öde Sandgegend, eine Meile von [[geo: | + | Einst verirrte er sich bei einer Rehhetze von seinem Gefolge bis in den Osenberg, eine öde Sandgegend, eine Meile von [[geo: |
| „O hätt’ ich einen kühlen Wassertrunk!“ | „O hätt’ ich einen kühlen Wassertrunk!“ | ||
| - | Und siehe, da that sich vor ihm der Berg auf, und hervor trat eine schöne | + | Und siehe, da that sich vor ihm der Berg auf, und hervor trat eine schöne Jungfrau in herrlichem Gewande. Den blendend weißen Nacken wallte ihr Haar hinab, und ein Kranz zierte ihr Haupt. In der Hand hielt sie ein köstlich silber-vergoldetes Geschirr, wie ein Jägerhorn gestaltet und gar künstlich gearbeitet, das war mit Wasser angefüllt. |
| „Du bist durstig,“ sprach sie zum Grafen, „da, trinke, labe dich!“ | „Du bist durstig,“ sprach sie zum Grafen, „da, trinke, labe dich!“ | ||
| - | Dabei reichte sie ihm das [[typ:Horn]] hin. Otto nahm es, sah das Wasser an, getraute sich aber nicht zu trinken, so gern er auch den brennenden | + | Dabei reichte sie ihm das Horn hin. Otto nahm es, sah das Wasser an, getraute sich aber nicht zu trinken, so gern er auch den brennenden Durst gelöscht hätte. |
| „Scheue nicht den Trunk!“ sprach sie, „er wird dir nicht schaden. Trinkst du, dann wird es wohl gehen dir und deinem Hause, dein Land wird zunehmen und ein Gedeihen haben. Trinkst du nicht, dann wird – das wisse! – Uneinigkeit zerrütten dein Geschlecht.“ | „Scheue nicht den Trunk!“ sprach sie, „er wird dir nicht schaden. Trinkst du, dann wird es wohl gehen dir und deinem Hause, dein Land wird zunehmen und ein Gedeihen haben. Trinkst du nicht, dann wird – das wisse! – Uneinigkeit zerrütten dein Geschlecht.“ | ||
| - | Aber Otto mißtraute der Rede der schönen Dirne, trank nicht, und goß das Horn hinter sich aus. Sein [[typ:Pferd]] wurde davon etwas naß, und Otto gewahrte mit [[typ: | + | Aber Otto mißtraute der Rede der schönen Dirne, trank nicht, und goß das Horn hinter sich aus. Sein Pferd wurde davon etwas naß, und Otto gewahrte mit Schrecken, daß im Augenblick da, wo es naß geworden, die Haare wie weggebeizt verschwanden. Erboßt rief die Jungfrau: |
| „Gieb mir mein Horn zurück!“ | „Gieb mir mein Horn zurück!“ | ||
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