sagen:sagenundvolksmaehrchen04
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| - | In diesem friedlichen Thale versammelten, | + | In diesem friedlichen Thale versammelten, |
| Lange blieb diese schuldlose Freude ungestört, bis die benachbarte Raubburg auch diese Bürgerfeste unterbrach. | Lange blieb diese schuldlose Freude ungestört, bis die benachbarte Raubburg auch diese Bürgerfeste unterbrach. | ||
| - | Einst tanzten hier, am zweiten Vorabend der Hochzeit einer reich ausgestatteten Braut, viele geladene | + | Einst tanzten hier, am zweiten Vorabend der Hochzeit einer reich ausgestatteten Braut, viele geladene Jungfrauen, bis spät in die Nacht, welche der Vollmond erhellte. Gegen Mitternacht brach die jubelnde Schaar auf, um tanzend und singend heim zu kehren. Doch nicht alle der Geladenen kehrten zurück. Zwei der blühendsten Dirnen wurden in den elterlichen Häusern vermißt, und fanden sich, alles heimlichen Forschens und Suchens ungeachtet, nicht wieder. Nach einigen Stunden vergeblichen Harrens verbreitete sich Bestürzung über viele benachbarte Häuser, und die Sorge hielt manches weinende Auge wach. Auch die Rache entbrannte; denn Viele ahndeten schon, durch ähnliche Unbildung dazu berechtigt, eine, unter Begünstigung der Nacht und des Freudetaumels, |
| - | Und ihre Ahndung betrog sie nicht. – Einige Knappen des Burgherrn auf Arnstein hatten Kunde bekommen von diesem ländlichen Feste, und, um sich und ihrem Herrn einen [[typ:Scherz]] nach ihrer [[typ:Sitte]] zu bereiten, hatten sie, versteckt in dem Dickicht, welches die Tanzwiese begränzte, zwei der Tänzerinnen, | + | Und ihre Ahndung betrog sie nicht. – Einige Knappen des Burgherrn auf Arnstein hatten Kunde bekommen von diesem ländlichen Feste, und, um sich und ihrem Herrn einen Scherz nach ihrer Sitte zu bereiten, hatten sie, versteckt in dem Dickicht, welches die Tanzwiese begränzte, zwei der Tänzerinnen, |
| - | Kaum blickte die Sonne auf, so versammelten sich viele der Bürger, welche die Nacht [[typ: | + | Kaum blickte die Sonne auf, so versammelten sich viele der Bürger, welche die Nacht angstvoll durchwacht hatten, vor den Thüren ihrer Häuser, um mit den aufgeschreckten Nachbaren Rath zu pflegen, was zu thun sey. Ein heimlich ausgeschickter und mit der Morgenröthe heimkehrender Späher hatte nur zu sehr die Vermuthung einer gewaltsamen Entführung bestätigt, ob er gleich die Spur der Räuber im Gebirge verloren hatte, und es nur ahndete, daß sie auf dem Arnstein hauseten. |
| Die Schöffen, von dem sich verbreitenden Schrecken mit Tagesanbruch benachrichtigt, | Die Schöffen, von dem sich verbreitenden Schrecken mit Tagesanbruch benachrichtigt, | ||
| - | Und so fand, nachdem eine lange stürmische Berathung die Köpfe und Zungen der Eiferer, es sey betäubt, oder abgekühlt hatte, der Rath eines bejahrten Aldermanns Eingang, der den Versuch einer [[typ:list|Kriegslist]] vorschlug, welche den Entführten schnellere Befreiung versprach. | + | Und so fand, nachdem eine lange stürmische Berathung die Köpfe und Zungen der Eiferer, es sey betäubt, oder abgekühlt hatte, der Rath eines bejahrten Aldermanns Eingang, der den Versuch einer Kriegslist vorschlug, welche den Entführten schnellere Befreiung versprach. |
| - | Auf seinen Rath mußte jeder still nach seinem Hause zurückkehren, | + | Auf seinen Rath mußte jeder still nach seinem Hause zurückkehren, |
| Und die Kunde davon kam auch bis zu den Ohren des Burgherrn von Arnstein, der bei einem Zechgelage, mit seinen Rittern und Knappen, die Dummheit der Bürger laut belachte, die für sie ihre Töchter groß zögen. | Und die Kunde davon kam auch bis zu den Ohren des Burgherrn von Arnstein, der bei einem Zechgelage, mit seinen Rittern und Knappen, die Dummheit der Bürger laut belachte, die für sie ihre Töchter groß zögen. | ||
| - | Unter [[typ:Lachen]] und [[typ:Fluchen]] ward ein großer Ausritt beschlossen; | + | Unter Lachen und Fluchen ward ein großer Ausritt beschlossen; |
| - | Als die Dämmerung hereinbrach, | + | Als die Dämmerung hereinbrach, |
| Jetzt brachen die Tanzenden auf, um im Großvatertanz und singend nach Hause zu ziehen. – Siehe! da stürmte der Burgherr von Arnstein, von vielen Reisigen, Rittern und Knappen zu Pferde und zu Fuß begleitet, heran, um den großen Fang zu thun, dem der gestrige nur das Vorspiel seyn sollte. | Jetzt brachen die Tanzenden auf, um im Großvatertanz und singend nach Hause zu ziehen. – Siehe! da stürmte der Burgherr von Arnstein, von vielen Reisigen, Rittern und Knappen zu Pferde und zu Fuß begleitet, heran, um den großen Fang zu thun, dem der gestrige nur das Vorspiel seyn sollte. | ||
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| Der Burgherr, als er mitten unter die Tanzenden hineingesprengt war, saß ab von seinem Streitroß, um den Ruhm und die Freude zu haben, mit eignen hohen Händen die Braut entgegen zu nehmen. | Der Burgherr, als er mitten unter die Tanzenden hineingesprengt war, saß ab von seinem Streitroß, um den Ruhm und die Freude zu haben, mit eignen hohen Händen die Braut entgegen zu nehmen. | ||
| - | Aber, wie ward ihm, der hohnlachend und mit donnernder Stimme die vermeinte | + | Aber, wie ward ihm, der hohnlachend und mit donnernder Stimme die vermeinte Braut für sein Eigenthum erklärte, als ihm ein gezucktes Schwert entgegenblitzte, |
| - | Die eingefangenen | + | Die eingefangenen Räuber wurden im lauten Triumph der Stadt zu geführt. Den Burgherrn von Arnstein spundete man vorläufig in einen großen eichenen Kasten ein. Und hier gestand er, durch die Anstalten zu seiner nahen Hinrichtung geschreckt, den verübten und den beabsichtigten Frevel. Die geraubten Jungfrauen wurden, auf seinen Befehl, augenblicklich zurückgebracht; |
| Der eichene Kasten, worin der Burgherr von Arnstein einige Monden schmachtete, | Der eichene Kasten, worin der Burgherr von Arnstein einige Monden schmachtete, | ||
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