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sagen:sagenpotsdam25

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 Als die Feste [[geo:brandenburghavel|Brandenburg]] durch die Verrätherei des Haveldünischen Kneesen [[vip:Tugumir]] in die Hände des [[vip:gero|Markgrafen Gero]] kam, der dann die heidnischen Völker bis zum Oderstrom besiegte, stiftete derselbe in der eroberten Stadt 946 das erste christliche Bisthum der Mark und erbaute dort die erste Kirche. Als die Feste [[geo:brandenburghavel|Brandenburg]] durch die Verrätherei des Haveldünischen Kneesen [[vip:Tugumir]] in die Hände des [[vip:gero|Markgrafen Gero]] kam, der dann die heidnischen Völker bis zum Oderstrom besiegte, stiftete derselbe in der eroberten Stadt 946 das erste christliche Bisthum der Mark und erbaute dort die erste Kirche.
  
-Schon dreißig Jahre später aber vertrieben die [[volk:Wilzen]], welche das Christenthum nur gezwungen und widerwillig angenommen hatten, die Priester und Beamten des Kaisers überall, und wandten sich zurück zu ihren alten Göttern, deren Dienst sie im Geheimen fortgeführt hatten, eroberten auch Brandenburg und [[geo:Havelberg]] wieder und erschlugen und tödteten unter grausamen Martern die Priester. Später vereinigten sie sich mit dem Obotriten-Fürsten Billung zum Kampfe gegen die Sachsen, der mit wechselndem Glück bis zum Frieden zu [[geo:werbenelbe|Werben]] 1005 fortgesetzt wurde. Aber noch bis zu den Zeiten [[vip:albrechtderbaer|Albrecht des Bären]]; der Brandenburg 1157 wieder eroberte, kamen die Gegenden an der Havel bald in christliche, bald in heidnische Hände, und der etwa um das Jahr 1020 von Mistowoy III. wiederhergestellte Tempel des[[ gott:triglaw|Triglaf]] auf dem Harlunger Berge ist abwechselnd bald diesem [[ding:götze|Götzen]], bald dem christlichen [[typ:Gottesdienst]] gewidmet gewesen. Ähnliches geschah zu Havelberg mit dem Tempel des uralten Götzen [[gott:Gerowit]].+Schon dreißig Jahre später aber vertrieben die [[volk:Wilzen]], welche das Christenthum nur gezwungen und widerwillig angenommen hatten, die Priester und Beamten des Kaisers überall, und wandten sich zurück zu ihren alten Göttern, deren Dienst sie im Geheimen fortgeführt hatten, eroberten auch Brandenburg und [[geo:Havelberg]] wieder und erschlugen und tödteten unter grausamen Martern die Priester. Später vereinigten sie sich mit dem Obotriten-Fürsten Billung zum Kampfe gegen die Sachsen, der mit wechselndem Glück bis zum Frieden zu [[geo:werbenelbe|Werben]] 1005 fortgesetzt wurde. Aber noch bis zu den Zeiten [[vip:albrechtderbaer|Albrecht des Bären]]; der Brandenburg 1157 wieder eroberte, kamen die Gegenden an der Havel bald in christliche, bald in heidnische Hände, und der etwa um das Jahr 1020 von Mistowoy III. wiederhergestellte Tempel des[[ gott:triglaw|Triglaf]] auf dem Harlunger Berge ist abwechselnd bald diesem [[ding:götze|Götzen]], bald dem christlichen [[typ:Gottesdienst]] gewidmet gewesen. Ähnliches geschah zu Havelberg mit dem Tempel des uralten Götzen [[gott:jarovit|Gerowit]].
  
-In der Mitte des zwölften Jahrhunderts aber war die Macht der Wendischen Stämme durch Albrecht gebrochen, ihre Namen erloschen und viele derselben wurden ausgerottet. Nach Gerlachs Meinung wäre die Schanze erst in dieser Zeit entstanden und hieße eigentlich der Königswall. Er und einige andere Chronisten nehmen an, sie sei von dem Wendischen Könige [[vip:Prebislaw]] aufgeworfen worden, als dieser sich in dem unglücklichen Kriege gegen den Markgrafen demselben zum letzten Male auf dem Potsdamer Werder entgegenstellte. In dem Königswall habe der Wendenfürst vorher die Führer seines Heeres versammelt, um zu berathen, ob noch eine Schlacht gewagt werden könne.+In der Mitte des zwölften Jahrhunderts aber war die Macht der Wendischen Stämme durch Albrecht gebrochen, ihre Namen erloschen und viele derselben wurden ausgerottet. Nach Gerlachs Meinung wäre die Schanze erst in dieser Zeit entstanden und hieße eigentlich der Königswall. Er und einige andere Chronisten nehmen an, sie sei von dem Wendischen Könige [[vip:Pribislaw]] aufgeworfen worden, als dieser sich in dem unglücklichen Kriege gegen den Markgrafen demselben zum letzten Male auf dem Potsdamer Werder entgegenstellte. In dem Königswall habe der Wendenfürst vorher die Führer seines Heeres versammelt, um zu berathen, ob noch eine Schlacht gewagt werden könne.
  
 In dieser wildbewegten Zeit soll die erste christliche Kirche, einer Volkssage nach, in dieser Gegend erbaut und zerstört sein, und von ihr sollen auch die Spuren und Reste des Mauerwerks herstammen, welche man noch jetzt auf dem Kirchberge im Hainholze unweit der Nedlitzer Fähre, der Räuberschanze gegenüber, an der entgegengesetzten Seite des Krampnitzsees unter Moos und Rasen verborgen findet; eine Stelle, welche in der Umgegend als nicht geheuer bekannt und gefürchtet ist. In dieser wildbewegten Zeit soll die erste christliche Kirche, einer Volkssage nach, in dieser Gegend erbaut und zerstört sein, und von ihr sollen auch die Spuren und Reste des Mauerwerks herstammen, welche man noch jetzt auf dem Kirchberge im Hainholze unweit der Nedlitzer Fähre, der Räuberschanze gegenüber, an der entgegengesetzten Seite des Krampnitzsees unter Moos und Rasen verborgen findet; eine Stelle, welche in der Umgegend als nicht geheuer bekannt und gefürchtet ist.
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 Oft mag in jenen Kämpfen die feste Schanze abwechselnd von den [[volk:sorben|Wenden]] erobert und verlassen worden sein, oder ihnen als geheimer Aufenthalts- und Versammlungsort gedient haben, wie sie später der Schutz und die Zufluchtsstätte der Bewohner des Potsdamer Werders gewesen ist, als der raub- und mordlustige Erzbischof Burchhard von Magdeburg in den endlosen Kämpfen mit dem Havellande diese Gegenden überzog und verwüstete, oder schon damals, als die heidnischen Litthauer, vom Papste, aus Haß gegen den im Bann befindlichen [[vip:ludwigvbayern|Markgraf Ludwig]], dazu aufgeregt, in dieselben eingefallen waren, und Hunderte von Dörfern in Asche gelegt und viele Tausend Menschen ermordet oder in die Sclaverei fortgeführt hatten. Oft mag in jenen Kämpfen die feste Schanze abwechselnd von den [[volk:sorben|Wenden]] erobert und verlassen worden sein, oder ihnen als geheimer Aufenthalts- und Versammlungsort gedient haben, wie sie später der Schutz und die Zufluchtsstätte der Bewohner des Potsdamer Werders gewesen ist, als der raub- und mordlustige Erzbischof Burchhard von Magdeburg in den endlosen Kämpfen mit dem Havellande diese Gegenden überzog und verwüstete, oder schon damals, als die heidnischen Litthauer, vom Papste, aus Haß gegen den im Bann befindlichen [[vip:ludwigvbayern|Markgraf Ludwig]], dazu aufgeregt, in dieselben eingefallen waren, und Hunderte von Dörfern in Asche gelegt und viele Tausend Menschen ermordet oder in die Sclaverei fortgeführt hatten.
  
-Unter den mannichfachen Gräuelthaten, welche alte Chroniken von diesem Einfalle der Litthauer und Polen in die Marken im Jahre 1326 erzählen, sind besonders die grausamen Gewaltthätigkeiten zu erwähnen, welche die sittenlosen Barbaren gegen fromme Nonnen und sittsame Frauen verübten, deren viele sich selbst tödteten, um nicht in ihre Hände zu fallen. So sollen viele edle Jungfrauen sich freiwillig, um der Schande zu entgehen, in den Jungfernsee gestürzt haben, der seitdem diesen Namen erhalten hat. Auch soll unweit der Nedlitzer Weinberge ein sich flüchtendes edles Fräulein in die Hände zweier Litthauischer Hauptleute gerathen sein, die sich dann heftig um ihren Besitz gestritten hätten. Der Feldherr dieses Volks, David von Garthen, sei während des Streites hinzugekommen, und weil er sich über denselben erzürnt, habe er die schöne Jungfrau durch einen Hieb mitten von einander gehauen, und dann jedem der Heiden eine Hälfte zugetheilt. Die Stelle, wo das Blut der frommen Christinn den Sand geröthet hat, liegt noch jetzt todt und wüst, und kein Grashalm wurzelt auf derselben.+Unter den mannichfachen Gräuelthaten, welche alte Chroniken von diesem Einfalle der Litthauer und [[volk:Polen]] in die Marken im Jahre 1326 erzählen, sind besonders die grausamen Gewaltthätigkeiten zu erwähnen, welche die sittenlosen Barbaren gegen fromme Nonnen und sittsame Frauen verübten, deren viele sich selbst tödteten, um nicht in ihre Hände zu fallen. So sollen viele edle Jungfrauen sich freiwillig, um der Schande zu entgehen, in den Jungfernsee gestürzt haben, der seitdem diesen Namen erhalten hat. Auch soll unweit der Nedlitzer Weinberge ein sich flüchtendes edles Fräulein in die Hände zweier Litthauischer Hauptleute gerathen sein, die sich dann heftig um ihren Besitz gestritten hätten. Der Feldherr dieses Volks, David von Garthen, sei während des Streites hinzugekommen, und weil er sich über denselben erzürnt, habe er die schöne Jungfrau durch einen Hieb mitten von einander gehauen, und dann jedem der Heiden eine Hälfte zugetheilt. Die Stelle, wo das Blut der frommen Christinn den Sand geröthet hat, liegt noch jetzt todt und wüst, und kein Grashalm wurzelt auf derselben.
  
 In den unglücklichen Zeiten, welche durch den [[vip:falscherwaldemar|falschen Waldemar]] und dann unter [[vip:jobstvonmähren|Jobst von Mähren]] - der Potsdam an Wichard von Rochow für 400 Schock böhmischer Groschen verpfändete - über die Mark kamen, als der Adel durch beständige Fehden und Plünderungen die Macht und den Einfluß der aufblühenden Städte zu brechen suchte, und in den Brüchern oder auf anderen unzugänglichen Stellen seine festen Häuser und Zwingburgen anlegte, hat sicher auch die Räuberschanze, da sich die Städte 1393 gegen den Adel verbanden, als Schlupfwinkel und Hinterhalt in den Fehden gegen [[geo:Berlin]], [[geo:spandau|Spandow]], [[geo:Nauen]], [[geo:Potsdam]] und Brandenburg, in deren Mitte sie liegt, gedient.  In den unglücklichen Zeiten, welche durch den [[vip:falscherwaldemar|falschen Waldemar]] und dann unter [[vip:jobstvonmähren|Jobst von Mähren]] - der Potsdam an Wichard von Rochow für 400 Schock böhmischer Groschen verpfändete - über die Mark kamen, als der Adel durch beständige Fehden und Plünderungen die Macht und den Einfluß der aufblühenden Städte zu brechen suchte, und in den Brüchern oder auf anderen unzugänglichen Stellen seine festen Häuser und Zwingburgen anlegte, hat sicher auch die Räuberschanze, da sich die Städte 1393 gegen den Adel verbanden, als Schlupfwinkel und Hinterhalt in den Fehden gegen [[geo:Berlin]], [[geo:spandau|Spandow]], [[geo:Nauen]], [[geo:Potsdam]] und Brandenburg, in deren Mitte sie liegt, gedient. 
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 Zu Spandow, auf dem Potsdamer Werder und auf dem Teltow trieben die Landesbeschädiger besonders ihr Wesen, und von dieser unglücklichen Zeit stammt wahrscheinlich der Name der Räuberschanze her. Schwer hatte das kleine Städtchen Potsdam wohl von diesen bösen Nachbaren zu leiden gehabt, von denen, in einem Briefe an den Rath von Berlin und Köln, Rudolph III., Kursfürst von Sachsen, die folgenden bezeichnet: die Ritter von Thilen, Vite von Thümen, Köpke von Bredow, Claus, Albrecht und Gebehard Griben, die Schulten Söhne von Bornim, Michael Fuchs, Hans Mederiter und Spoldenyr. Zu Spandow, auf dem Potsdamer Werder und auf dem Teltow trieben die Landesbeschädiger besonders ihr Wesen, und von dieser unglücklichen Zeit stammt wahrscheinlich der Name der Räuberschanze her. Schwer hatte das kleine Städtchen Potsdam wohl von diesen bösen Nachbaren zu leiden gehabt, von denen, in einem Briefe an den Rath von Berlin und Köln, Rudolph III., Kursfürst von Sachsen, die folgenden bezeichnet: die Ritter von Thilen, Vite von Thümen, Köpke von Bredow, Claus, Albrecht und Gebehard Griben, die Schulten Söhne von Bornim, Michael Fuchs, Hans Mederiter und Spoldenyr.
  
-Als [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] aus dem Hause Hohenzollern - mit dem die Zeit begann, in welcher Ruhe und Sicherheit in diese Gegenden zurückkehrten, die unter seinen glorreichen Nachfolgern zu immer segensreicherem Zustande gelangten – Markgraf von Brandenburg geworden war, hatte Wichard von Rochow noch die verpfändete Stadt Potsdam im Besitz, und wollte sie nicht herausgeben, wobei er von dem widerspänstigen Adel unterstützt wurde. Friedrich aber zog mit seiner vierundszwanzigpfündigen Kanone, der sogenannten faulen Grete, von einer Burg zur andern, zwang dieselben zur Übergabe, und ließ viele Widerspänstige und Räuber hinrichten.+Als [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] aus dem Hause [[familie:Hohenzollern]] - mit dem die Zeit begann, in welcher Ruhe und Sicherheit in diese Gegenden zurückkehrten, die unter seinen glorreichen Nachfolgern zu immer segensreicherem Zustande gelangten – Markgraf von Brandenburg geworden war, hatte Wichard von Rochow noch die verpfändete Stadt Potsdam im Besitz, und wollte sie nicht herausgeben, wobei er von dem widerspänstigen Adel unterstützt wurde. Friedrich aber zog mit seiner vierundszwanzigpfündigen Kanone, der sogenannten faulen Grete, von einer Burg zur andern, zwang dieselben zur Übergabe, und ließ viele Widerspänstige und Räuber hinrichten.
  
 Auch Wichard von Rochow mußte sich in seiner festen Burg Golze ergeben, und wurde 1414 in das Schloß Potsdam gefangen gesetzt, wo er drei Jahre zubrachte, bis er Gehorsam gelobte. Den Bürgern von Potsdam, welche anfänglich gemeinsschaftliche Sache mit dem von Rochow gemacht hatten, gewährte Markgraf Friedrich Verzeihung, und erlaubte 1416, die Stadt Potsdam mit „Buten Potsdam“ durch eine Brücke zu verbinden, und darauf einen Zoll zu erheben. Bis dahin hatte nur eine Fähre über die Havel geführt. Auch Wichard von Rochow mußte sich in seiner festen Burg Golze ergeben, und wurde 1414 in das Schloß Potsdam gefangen gesetzt, wo er drei Jahre zubrachte, bis er Gehorsam gelobte. Den Bürgern von Potsdam, welche anfänglich gemeinsschaftliche Sache mit dem von Rochow gemacht hatten, gewährte Markgraf Friedrich Verzeihung, und erlaubte 1416, die Stadt Potsdam mit „Buten Potsdam“ durch eine Brücke zu verbinden, und darauf einen Zoll zu erheben. Bis dahin hatte nur eine Fähre über die Havel geführt.
  
-In den folgenden ruhigeren Zeiten wurde die Schanze der Schauplatz anderer eigenthümlicher Scenen. König Siegmund hatte den Zigeunern einen Freibrief für ihre Züge durch Deutschland verliehen, welche vorgaben, aus Klein-Ägypten zu kommen, um eine siebenjährige Wallfahrt zur Buße durch die Welt zu machen. Unter ihrem Könige Zindel kamen sie 1418 zuerst in die Mark und verbreiteten sich bald in zahlreichen Stammen, deren Häupter sich Herzoge und Grafen nannten. Schon damals trieben sie geheimnißvolle Künste, Gaukeleien und Wahrsagereien, und führten unter ihren Zelten, die sie nach Gefallen an sicheren und wohlgelegenen Punkten in den Wäldern aufschlugen, ein freies und ungebundenes Leben, scheuten auch kein Mittel, um sich ihren Unterhalt zu verschaffen, als nur die Arbeit.+In den folgenden ruhigeren Zeiten wurde die Schanze der Schauplatz anderer eigenthümlicher Scenen. [[vip:sigismundhrr|König Siegmund]] hatte den [[volk:zigeuner|Zigeunern]] einen Freibrief für ihre Züge durch Deutschland verliehen, welche vorgaben, aus Klein-Ägypten zu kommen, um eine siebenjährige Wallfahrt zur Buße durch die Welt zu machen. Unter ihrem Könige Zindel kamen sie 1418 zuerst in die Mark und verbreiteten sich bald in zahlreichen Stammen, deren Häupter sich Herzoge und Grafen nannten. Schon damals trieben sie geheimnißvolle Künste, Gaukeleien und Wahrsagereien, und führten unter ihren Zelten, die sie nach Gefallen an sicheren und wohlgelegenen Punkten in den Wäldern aufschlugen, ein freies und ungebundenes Leben, scheuten auch kein Mittel, um sich ihren Unterhalt zu verschaffen, als nur die Arbeit.
  
 Die Räuberschanze vereinigte alle Eigenschaften für ihre Nomadenlager, die lange und oft hier gestanden haben. Von ihr aus zogen die Männer auf die verborgenen Unternehmungen, und Wald und See lieferten den mit allen Künsten vertrauten Kindern der Freiheit ihre leicht berückte Beute. Von hier aus wanderten die phantastisch geschmückten, klugen Alten zum Wahrsagen in die Städte und Dörfer, im Geleit der leicht geschürzten braunen Mädchen, durch deren freie Tänze, so wie durch ihre schwarzen Locken und leuchtenden Augen jede Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und abgelenkt wurde. Noch im Anfange dieses Jahrhunderts will man von Zeit zu Zeit einzelne Zigeuner in dem ihnen durch lange Überlieferung wohl bekannten Versteck getroffen, und Spuren ihres Aufenthaltes gefunden haben. Die Räuberschanze vereinigte alle Eigenschaften für ihre Nomadenlager, die lange und oft hier gestanden haben. Von ihr aus zogen die Männer auf die verborgenen Unternehmungen, und Wald und See lieferten den mit allen Künsten vertrauten Kindern der Freiheit ihre leicht berückte Beute. Von hier aus wanderten die phantastisch geschmückten, klugen Alten zum Wahrsagen in die Städte und Dörfer, im Geleit der leicht geschürzten braunen Mädchen, durch deren freie Tänze, so wie durch ihre schwarzen Locken und leuchtenden Augen jede Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und abgelenkt wurde. Noch im Anfange dieses Jahrhunderts will man von Zeit zu Zeit einzelne Zigeuner in dem ihnen durch lange Überlieferung wohl bekannten Versteck getroffen, und Spuren ihres Aufenthaltes gefunden haben.
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 Unter Kurfürst Albrecht versuchte der Adel in der Mark zu seiner früheren Ungebundenheit zurück zu kehren, und aus den überall herumziehenden Kriegsleuten „den einrössig Trabenden,“ die ihre Dienste ausboten, bildeten sich immer mehr Raubbanden, welche in den alten Schlupfwinkeln sich fest zu setzen strebten. Besonders war der Priegnitzische Adel nicht dahin zu bringen, von Faustrecht und Wegelagerung abzulassen. Kurfürst Albrecht aber versammelte 1477 aus den Bürgern der Städte ein Heer, eroberte viele ihrer Festen und ließ alle, der Räuberei überwiesenen, hinrichten.  Unter Kurfürst Albrecht versuchte der Adel in der Mark zu seiner früheren Ungebundenheit zurück zu kehren, und aus den überall herumziehenden Kriegsleuten „den einrössig Trabenden,“ die ihre Dienste ausboten, bildeten sich immer mehr Raubbanden, welche in den alten Schlupfwinkeln sich fest zu setzen strebten. Besonders war der Priegnitzische Adel nicht dahin zu bringen, von Faustrecht und Wegelagerung abzulassen. Kurfürst Albrecht aber versammelte 1477 aus den Bürgern der Städte ein Heer, eroberte viele ihrer Festen und ließ alle, der Räuberei überwiesenen, hinrichten. 
  
-Als jedoch [[vip:joachimibrandenburg|Joachim I.]], noch nicht sechszehn Jahr alt, 1499 zur Regierung kam, glaubten die unruhigen Edelleute, unter einem so jungen Fürsten ungehindert auf den Stegreif ausgehen zu können. Bald wurden auch alle Landstraßen in der Kurmark wieder unsicher; man fürchtete sich vor den Raubrittern, wie vor dem Teufel, schlug bei Nennung ihres Namens das Kreuz, und betete mit den Worten der Litanei: „Für Köckeritze, Lüderitze, Krachte und Itzenplitze behüte uns lieber Herre Gott.“ Ja sogar unter den nächsten Hofleuten fanden sich solche, welche des Nachts Wegelagerung trieben, Kaufleute und Reisende beraubten und sich am Tage wieder bei Hofe einfanden. Kurfürst Joacim hielt mit Strenge auf die Beachtung des Landfriedens, ließ in einem Jahr siebzig Freibeuter hängen, und schonte auch derer nicht, die sonst bei ihm in großem Ansehen standen. So ließ er einen Hofmann Lindenberger, der bei Nacht in der Gegend von Potsdam auf Beute auszog, augenblicklich den Kopf abschlagen, als er eines Raubes überwiesen wurde.+Als jedoch [[vip:joachimibrandenburg|Joachim I.]], noch nicht sechszehn Jahr alt, 1499 zur Regierung kam, glaubten die unruhigen Edelleute, unter einem so jungen Fürsten ungehindert auf den Stegreif ausgehen zu können. Bald wurden auch alle Landstraßen in der Kurmark wieder unsicher; man fürchtete sich vor den Raubrittern, wie vor dem Teufel, schlug bei Nennung ihres Namens das Kreuz, und betete mit den Worten der Litanei: „Für Köckeritze, Lüderitze, Krachte und Itzenplitze behüte uns lieber Herre Gott.“ Ja sogar unter den nächsten Hofleuten fanden sich solche, welche des Nachts Wegelagerung trieben, Kaufleute und Reisende beraubten und sich am Tage wieder bei Hofe einfanden. Kurfürst Joachim hielt mit Strenge auf die Beachtung des Landfriedens, ließ in einem Jahr siebzig Freibeuter hängen, und schonte auch derer nicht, die sonst bei ihm in großem Ansehen standen. So ließ er einen Hofmann Lindenberger, der bei Nacht in der Gegend von Potsdam auf Beute auszog, augenblicklich den Kopf abschlagen, als er eines Raubes überwiesen wurde.
  
 Es konnte nicht fehlen, daß diese Strenge den Adel sehr verdroß, der sich noch nicht an die Ehrfurcht vor dem Landesherrn gewöhnen konnte, sondern darauf sann, sich zu rächen. Ein Hofjunker, von Otterstädt, wagte es sogar, an die Thür des Schlafgemachs des Kurfürsten zu schreiben: „Jochinken, Jochinken hóde dy, wo wy dy krygt, hangen wy dy.“ Ja er versuchte, diese Drohung auszuführen, und lauerte auf den Kurfürsten im Köpnicker Walde, wurde jedoch durch einen der Bauern, welche ihren Herrn sehr liebten, verrathen, mit seiner Rotte gefangen genommen und mußte sein schändliches Unternehmen büßen, indem er zu Berlin gevierttheilt und sein Kopf auf das Köpnicker Thor gesteckt wurde. Es konnte nicht fehlen, daß diese Strenge den Adel sehr verdroß, der sich noch nicht an die Ehrfurcht vor dem Landesherrn gewöhnen konnte, sondern darauf sann, sich zu rächen. Ein Hofjunker, von Otterstädt, wagte es sogar, an die Thür des Schlafgemachs des Kurfürsten zu schreiben: „Jochinken, Jochinken hóde dy, wo wy dy krygt, hangen wy dy.“ Ja er versuchte, diese Drohung auszuführen, und lauerte auf den Kurfürsten im Köpnicker Walde, wurde jedoch durch einen der Bauern, welche ihren Herrn sehr liebten, verrathen, mit seiner Rotte gefangen genommen und mußte sein schändliches Unternehmen büßen, indem er zu Berlin gevierttheilt und sein Kopf auf das Köpnicker Thor gesteckt wurde.
  
-Durch solche Strenge gelang es endlich dem Kurfürsten Joachim, den Übermuth seiner ritterbürtigen Unterthanen zu zügeln, und den Gesetzen in den Marken Ehrfurcht zu verschaffen. Nun aber vereinigte sich das herrenlose Gesindel zu gefürchteten Banden, welche in diesen Gegenden bis in die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts große Räubereien und Mordthaten verübten, und sich in Schlupfwinkeln, wie die Räuberschanze, lange gegen ihre Verfolger vertheidigten. Der Namen einiger ihrer Führer hat sich erhalten, z. B. die Zigeuner Papst und Herzog Loll, der theure Johann und Kohlhaase. Erst als sich Fürsten und Städte zu ihrer Ausrottung vereinigten, genoß in der Kurmark der Ackersmann die Frucht seiner Arbeit, die Städte blühten auf, und Alles gewann Geschmack an einem ruhigen Leben, während sich Künste und Wissenschaften immer mehr verbreiteten.+Durch solche Strenge gelang es endlich dem Kurfürsten Joachim, den Übermuth seiner ritterbürtigen Unterthanen zu zügeln, und den Gesetzen in den Marken Ehrfurcht zu verschaffen. Nun aber vereinigte sich das herrenlose Gesindel zu gefürchteten Banden, welche in diesen Gegenden bis in die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts große Räubereien und Mordthaten verübten, und sich in Schlupfwinkeln, wie die Räuberschanze, lange gegen ihre Verfolger vertheidigten. Der Namen einiger ihrer Führer hat sich erhalten, z. B. die Zigeuner Papst und Herzog Loll, der theure Johann und [[vip:hanskohlhase|Kohlhaase]]. Erst als sich Fürsten und Städte zu ihrer Ausrottung vereinigten, genoß in der Kurmark der Ackersmann die Frucht seiner Arbeit, die Städte blühten auf, und Alles gewann Geschmack an einem ruhigen Leben, während sich Künste und Wissenschaften immer mehr verbreiteten.
  
 Ein Zeitraum von hundert Jahren schenkte nun der Mark den Segen der Ruhe und die Wohlthat, die kräftige und weise Regenten ihrem Volke sind. Nur noch in Mährchen und Erzählungen lebten die furchtbaren Begebenheiten, deren Schauplatz so lange diese Gegenden gewesen waren, und mit gerechter Hoffnung sahen ihre Bewohner einer glücklicheren Zukunft entgegen. Ein Zeitraum von hundert Jahren schenkte nun der Mark den Segen der Ruhe und die Wohlthat, die kräftige und weise Regenten ihrem Volke sind. Nur noch in Mährchen und Erzählungen lebten die furchtbaren Begebenheiten, deren Schauplatz so lange diese Gegenden gewesen waren, und mit gerechter Hoffnung sahen ihre Bewohner einer glücklicheren Zukunft entgegen.
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 //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung// //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung//
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