sagen:sagenpotsdam25
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| - | In der Mitte des zwölften Jahrhunderts aber war die Macht der Wendischen Stämme durch Albrecht gebrochen, ihre Namen erloschen und viele derselben wurden ausgerottet. Nach Gerlachs Meinung wäre die Schanze erst in dieser Zeit entstanden und hieße eigentlich der Königswall. Er und einige andere Chronisten nehmen an, sie sei von dem Wendischen Könige [[vip:Prebislaw]] aufgeworfen worden, als dieser sich in dem unglücklichen Kriege gegen den Markgrafen demselben zum letzten Male auf dem Potsdamer Werder entgegenstellte. In dem Königswall habe der Wendenfürst vorher die Führer seines Heeres versammelt, um zu berathen, ob noch eine Schlacht gewagt werden könne. | + | In der Mitte des zwölften Jahrhunderts aber war die Macht der Wendischen Stämme durch Albrecht gebrochen, ihre Namen erloschen und viele derselben wurden ausgerottet. Nach Gerlachs Meinung wäre die Schanze erst in dieser Zeit entstanden und hieße eigentlich der Königswall. Er und einige andere Chronisten nehmen an, sie sei von dem Wendischen Könige [[vip:Pribislaw]] aufgeworfen worden, als dieser sich in dem unglücklichen Kriege gegen den Markgrafen demselben zum letzten Male auf dem Potsdamer Werder entgegenstellte. In dem Königswall habe der Wendenfürst vorher die Führer seines Heeres versammelt, um zu berathen, ob noch eine Schlacht gewagt werden könne. |
| In dieser wildbewegten Zeit soll die erste christliche Kirche, einer Volkssage nach, in dieser Gegend erbaut und zerstört sein, und von ihr sollen auch die Spuren und Reste des Mauerwerks herstammen, welche man noch jetzt auf dem Kirchberge im Hainholze unweit der Nedlitzer Fähre, der Räuberschanze gegenüber, an der entgegengesetzten Seite des Krampnitzsees unter Moos und Rasen verborgen findet; eine Stelle, welche in der Umgegend als nicht geheuer bekannt und gefürchtet ist. | In dieser wildbewegten Zeit soll die erste christliche Kirche, einer Volkssage nach, in dieser Gegend erbaut und zerstört sein, und von ihr sollen auch die Spuren und Reste des Mauerwerks herstammen, welche man noch jetzt auf dem Kirchberge im Hainholze unweit der Nedlitzer Fähre, der Räuberschanze gegenüber, an der entgegengesetzten Seite des Krampnitzsees unter Moos und Rasen verborgen findet; eine Stelle, welche in der Umgegend als nicht geheuer bekannt und gefürchtet ist. | ||
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| Zu Spandow, auf dem Potsdamer Werder und auf dem Teltow trieben die Landesbeschädiger besonders ihr Wesen, und von dieser unglücklichen Zeit stammt wahrscheinlich der Name der Räuberschanze her. Schwer hatte das kleine Städtchen Potsdam wohl von diesen bösen Nachbaren zu leiden gehabt, von denen, in einem Briefe an den Rath von Berlin und Köln, Rudolph III., Kursfürst von Sachsen, die folgenden bezeichnet: die Ritter von Thilen, Vite von Thümen, Köpke von Bredow, Claus, Albrecht und Gebehard Griben, die Schulten Söhne von Bornim, Michael Fuchs, Hans Mederiter und Spoldenyr. | Zu Spandow, auf dem Potsdamer Werder und auf dem Teltow trieben die Landesbeschädiger besonders ihr Wesen, und von dieser unglücklichen Zeit stammt wahrscheinlich der Name der Räuberschanze her. Schwer hatte das kleine Städtchen Potsdam wohl von diesen bösen Nachbaren zu leiden gehabt, von denen, in einem Briefe an den Rath von Berlin und Köln, Rudolph III., Kursfürst von Sachsen, die folgenden bezeichnet: die Ritter von Thilen, Vite von Thümen, Köpke von Bredow, Claus, Albrecht und Gebehard Griben, die Schulten Söhne von Bornim, Michael Fuchs, Hans Mederiter und Spoldenyr. | ||
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| Auch Wichard von Rochow mußte sich in seiner festen Burg Golze ergeben, und wurde 1414 in das Schloß Potsdam gefangen gesetzt, wo er drei Jahre zubrachte, bis er Gehorsam gelobte. Den Bürgern von Potsdam, welche anfänglich gemeinsschaftliche Sache mit dem von Rochow gemacht hatten, gewährte Markgraf Friedrich Verzeihung, und erlaubte 1416, die Stadt Potsdam mit „Buten Potsdam“ durch eine Brücke zu verbinden, und darauf einen Zoll zu erheben. Bis dahin hatte nur eine Fähre über die Havel geführt. | Auch Wichard von Rochow mußte sich in seiner festen Burg Golze ergeben, und wurde 1414 in das Schloß Potsdam gefangen gesetzt, wo er drei Jahre zubrachte, bis er Gehorsam gelobte. Den Bürgern von Potsdam, welche anfänglich gemeinsschaftliche Sache mit dem von Rochow gemacht hatten, gewährte Markgraf Friedrich Verzeihung, und erlaubte 1416, die Stadt Potsdam mit „Buten Potsdam“ durch eine Brücke zu verbinden, und darauf einen Zoll zu erheben. Bis dahin hatte nur eine Fähre über die Havel geführt. | ||
| - | In den folgenden ruhigeren Zeiten wurde die Schanze der Schauplatz anderer eigenthümlicher Scenen. König Siegmund hatte den Zigeunern einen Freibrief für ihre Züge durch Deutschland verliehen, welche vorgaben, aus Klein-Ägypten zu kommen, um eine siebenjährige Wallfahrt zur Buße durch die Welt zu machen. Unter ihrem Könige Zindel kamen sie 1418 zuerst in die Mark und verbreiteten sich bald in zahlreichen Stammen, deren Häupter sich Herzoge und Grafen nannten. Schon damals trieben sie geheimnißvolle Künste, Gaukeleien und Wahrsagereien, | + | In den folgenden ruhigeren Zeiten wurde die Schanze der Schauplatz anderer eigenthümlicher Scenen. |
| Die Räuberschanze vereinigte alle Eigenschaften für ihre Nomadenlager, | Die Räuberschanze vereinigte alle Eigenschaften für ihre Nomadenlager, | ||
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| Unter Kurfürst Albrecht versuchte der Adel in der Mark zu seiner früheren Ungebundenheit zurück zu kehren, und aus den überall herumziehenden Kriegsleuten „den einrössig Trabenden, | Unter Kurfürst Albrecht versuchte der Adel in der Mark zu seiner früheren Ungebundenheit zurück zu kehren, und aus den überall herumziehenden Kriegsleuten „den einrössig Trabenden, | ||
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| Es konnte nicht fehlen, daß diese Strenge den Adel sehr verdroß, der sich noch nicht an die Ehrfurcht vor dem Landesherrn gewöhnen konnte, sondern darauf sann, sich zu rächen. Ein Hofjunker, von Otterstädt, | Es konnte nicht fehlen, daß diese Strenge den Adel sehr verdroß, der sich noch nicht an die Ehrfurcht vor dem Landesherrn gewöhnen konnte, sondern darauf sann, sich zu rächen. Ein Hofjunker, von Otterstädt, | ||
| - | Durch solche Strenge gelang es endlich dem Kurfürsten Joachim, den Übermuth seiner ritterbürtigen Unterthanen zu zügeln, und den Gesetzen in den Marken Ehrfurcht zu verschaffen. Nun aber vereinigte sich das herrenlose Gesindel zu gefürchteten Banden, welche in diesen Gegenden bis in die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts große Räubereien und Mordthaten verübten, und sich in Schlupfwinkeln, | + | Durch solche Strenge gelang es endlich dem Kurfürsten Joachim, den Übermuth seiner ritterbürtigen Unterthanen zu zügeln, und den Gesetzen in den Marken Ehrfurcht zu verschaffen. Nun aber vereinigte sich das herrenlose Gesindel zu gefürchteten Banden, welche in diesen Gegenden bis in die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts große Räubereien und Mordthaten verübten, und sich in Schlupfwinkeln, |
| Ein Zeitraum von hundert Jahren schenkte nun der Mark den Segen der Ruhe und die Wohlthat, die kräftige und weise Regenten ihrem Volke sind. Nur noch in Mährchen und Erzählungen lebten die furchtbaren Begebenheiten, | Ein Zeitraum von hundert Jahren schenkte nun der Mark den Segen der Ruhe und die Wohlthat, die kräftige und weise Regenten ihrem Volke sind. Nur noch in Mährchen und Erzählungen lebten die furchtbaren Begebenheiten, | ||
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