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sagen:sagenpotsdam21

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 Der alte Schäfer zu [[geo:grubepotsdam|Grubow]] hatte am heiligen Abend vor [[zeit:Weihnachten]] alles zum Feste beschickt und geordnet, dann ging er in die Stube seines Sohnes, der bei ihm als Knecht diente, und fand diesen mit der jungen Frau vor der Wiege ihres ersten Kindes, beschäftigt, den Weihnachtsbaum auszupacken. Der alte Schäfer zu [[geo:grubepotsdam|Grubow]] hatte am heiligen Abend vor [[zeit:Weihnachten]] alles zum Feste beschickt und geordnet, dann ging er in die Stube seines Sohnes, der bei ihm als Knecht diente, und fand diesen mit der jungen Frau vor der Wiege ihres ersten Kindes, beschäftigt, den Weihnachtsbaum auszupacken.
  
-Nachdem er hier freundliche Handreichung geleistet und dem Enkel, der fröhlich nach den hellen Lichtern langte, über die runden Backen gestreichelt, winkte er den Sohn hinab in den Schafstall und ermahnte ihn mit leiser Stimme: Du weißt, heut gehen „die Zwölfe“ an, die fliegende Frau zieht umher, und alles Raubgethier ist wüthender und gefährlicher in dieser Zeit. Sei achtsam auf die Herde und verwahre den Pferch wohl; nenne Ihn (den Wolf) nicht während der zwolf Tage, er geht umher, hört es und wird böse; haue den Keil für den Wagen der Frau Harke und lege ihn auf die Schwelle, daß sie ihn findet, wenn sie ihn braucht, wonicht, stecke ihn später in unsern Wagen. Auf die Frau und die Magd ist in dieser Zeit nicht viel zu rechnen, die hält die Furcht am Rocken fest, daß sie bis Groß-Neujahr den dicken Flachsknoten nicht abspinnen können, und dann von der Hare gekratzt und besudelt werden; sorge, daß deine Frau keine Hülssenfrüchte kocht, du weißt, das bringt Schaden, laß sie lieber weder Linsen, noch Bohnen, noch Erbsen berühren; vor allem aber hüte das Kind. - Damit meinte der alte Schäfer aber, er sollte das Kind bewahren, daß der Wehrwolf es nicht hole und fresse.+Nachdem er hier freundliche Handreichung geleistet und dem Enkel, der fröhlich nach den hellen Lichtern langte, über die runden Backen gestreichelt, winkte er den Sohn hinab in den Schafstall und ermahnte ihn mit leiser Stimme: Du weißt, heut gehen „die Zwölfe“ an, die fliegende Frau zieht umher, und alles Raubgethier ist wüthender und gefährlicher in dieser Zeit. Sei achtsam auf die Herde und verwahre den Pferch wohl; nenne Ihn (den Wolf) nicht während der zwolf Tage, er geht umher, hört es und wird böse; haue den Keil für den Wagen der Frau Harke und lege ihn auf die Schwelle, daß sie ihn findet, wenn sie ihn braucht, wonicht, stecke ihn später in unsern Wagen. Auf die Frau und die Magd ist in dieser Zeit nicht viel zu rechnen, die hält die Furcht am Rocken fest, daß sie bis Groß-Neujahr den dicken Flachsknoten nicht abspinnen können, und dann von der Hare gekratzt und besudelt werden; sorge, daß deine Frau keine Hülssenfrüchte kocht, du weißt, das bringt Schaden, laß sie lieber weder Linsen, noch Bohnen, noch Erbsen berühren; vor allem aber hüte das Kind. - Damit meinte der alte Schäfer aber, er sollte das Kind bewahren, daß der [[wesen:werwolf|Wehrwolf]] es nicht hole und fresse.
  
 Der Sohn blieb bei den Schafen; der Alte sah noch einmal in die Weihnachtsstube, wo die Mutter vor der Wiege saß, und dann ging er hinaus auf den Voßberg vor dem Dorfe, schaute nach allen Seiten hin und hielt den naßgemachten Finger empor, um zu fühlen, woher der Wind wehe. Der Alte wußte wohl, daß Frau Hare in den Zwölfen die Witterung für das Jahr mache, und daß jeder Monat desselben ganz so ist, wie sein Tag zwischen Weihnachten und Groß- Neujahr. Es war aber eisig kalt auf dem Berge, und der Ostwind wehte scharf über das Blachfeld und trieb den feinen Schnee in langen Streifen zusammen; deshalb hüllte der Alte sich fester in seinen Pelz und machte sich bald auf den Heimweg. Der Sohn blieb bei den Schafen; der Alte sah noch einmal in die Weihnachtsstube, wo die Mutter vor der Wiege saß, und dann ging er hinaus auf den Voßberg vor dem Dorfe, schaute nach allen Seiten hin und hielt den naßgemachten Finger empor, um zu fühlen, woher der Wind wehe. Der Alte wußte wohl, daß Frau Hare in den Zwölfen die Witterung für das Jahr mache, und daß jeder Monat desselben ganz so ist, wie sein Tag zwischen Weihnachten und Groß- Neujahr. Es war aber eisig kalt auf dem Berge, und der Ostwind wehte scharf über das Blachfeld und trieb den feinen Schnee in langen Streifen zusammen; deshalb hüllte der Alte sich fester in seinen Pelz und machte sich bald auf den Heimweg.
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 //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung// //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung//
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sagen/sagenpotsdam21.1706796072.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)