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sagen:sagenpotsdam17

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-====== Der düstere Teich bei Lindstädt (Grässe) ======+====== Der düstere Teich bei Lindstädt (v. Reinhard) ======
  
-    Nach K.v. ReinhardSagen und Mährchen aus Potsdam's VorzeitS122 etc.+Wenn man von den erst ohnlängst am Neuen Palais entstandenen Anlagen aus, dem kleinen Bache folgt, der die grünen Wiesen des idyllischen Gutes Lindstadt bewässert, das bald eine neue, schöne Erweiterung des Gartens von Sanssouci bilden wird; so gelangt man zu einem dunkelen Wasserbehälter, der einsam und still zwischen den steilen Höhen des Pans und Herzberges liegtEhe dieser Bach- welcher sonst das tiefe Bruch bewässerte, aus dem der große König den Garten schuf, den sein edler, allgeliebter Enkel mit so seltenem Kunstsinn erweitert und verschönt, - an manchen Stellen zum Zweck der Ueberrieselungen angestauet wurde, konnte man sechs Quellen zählen, aus welchen er sein Wasser erhältund eine siebente, die größte, ist im Grunde des düsteren TeichsIn früheren Zeiten, als diese abgelegene Gegend noch mit uraltem Eichenwalde bedeckt war, dessen knorrige Äste weit über den See ragten, war dieser düstere Ort verrufen und geflohen, und noch jetzt vermeiden die Bewohner der Umgegend zur Nachtzeit seine Ufer und erzählen von mancherlei Spuk, der dort umgeht.
  
-Wenn man von den am Neuen Palais zu [[geo:Potsdam]] entstandenen Anlagen aus dem kleinen Bache folgtder die grünen Wiesen des Gutes Lindstädt bewässert, so kommt man an einen dunkeln Weiher, der einsam zwischen den steilen Höhen des Pan- und Herzberges liegt. Früher erhielt jener Bach sein Wasser aus sieben Quellen, von denen eine auf dem Grunde dieses Teiches befindlich ist+Ein großer, mächtiger Stein, der [[ding:Teufelsstein]], soll früher an der Stelle des Sees gelegen haben, und erst als dieser versunken, ist das Wasser aus der Tiefe gedrungen. Wie dieser Stein dahin gekommendarüber sind von je her zwei verschiedene Geschichten erzählt worden. Nach einer Sage soll der [[wesen:Teufel]] sehr ergrimmt gewesen sein, als man die erste christliche Kirche in diesen Landen, auf dem Kirchberge im Hainholze, ohnweit der [[geo:nedlitzpotsdam|Nedalitzer]] Fähre, gebaut hatte; weil er glaubte, sein Reich würde nun ein Ende haben. Gern hätte er die Kirche zerstört, er konnte aber nicht an sie heran, weil rings umber der Boden geweiht war.
  
-Dieser Ort war früher sehr verrufen wegen des Spukesder an seinen Ufern vorgehen sollte, und ist auch jetzt noch gemieden. Es soll nämlich einst ein großer Stein, der [[ding:Teufelsstein]], an der Stelle dieses Sees gelegen haben, und erst zur Zeit des schwedischen Krieges verschwunden, dann aber Wasser aus der Tiefe an dieser Stelle hervorgedrungen sein und jenen Teich gebildet haben. Ueber den Ursprung dieses Steines existiren aber zwei verschiedene Sagen+Da hat er denn recht ingrimmig auf den nächsten Bergen gestandenwenn das Kreuz auf dem Thürmchen im Abend - und Morgenschein weithin über den dunkelen Wald leuchteteoder das helle Glöckchen durch die Gegend schallte. Einmal aber ist er so zornig und wüthend gewordendaß er von dem Berge hinter der Krampnitz aus den großen Granitstein nach dem Gotteshause geworfen hatum es zu zerstören. Der Stein aber flog weit über das Kreuz hinweg und blieb an dem Fuße des Panberges liegen.
  
-Nach der einen soll ihn der [[wesen:Teufel]] von dem Berge hinter der Krempatz aus nach dem Kirchlein auf dem Kirchberge im Hainholze, ohnweit der [[geo:nedlitzpotsdam|Nedlitzer]] Fähre, der ersten christlichen Kirche in jenen Landenaus Aerger über die Einführung des Christenthums geschleudert habenderselbe sey aber über das Kreuz hinweggeflogen und am Fuße des Panberges liegen geblieben+Andere, die es besser wissen wollen, erzählen: der Stein habe früher auf der Kuppe des Panberges gelegen und sei ein heidnischer [[ding:Opferstein]] gewesen. Als nun das Christenthum sich in den [[region:markbrandenburg|Marken]] verbreitetsei er, nachdem das Götzenbild auf dem Berge von den Christenpriestern zerstört worden, in die mit dichtem Wald und Gestrüpp bedeckte Schlucht herabgerollt. Da haben denn die Anhänger der alten Götter noch viele, viele Jahre hier heimlich ihre Opfer gebracht und die Feste in gewohnter Weise gefeiertbis sie endlich ausgestorben und die Christenpriester die uralten Gebrauche in ihren Kirchendienst aufgenommen hattenum das Volk für diesen zu gewinnen, wie die Bescheerung zu [[zeit:Weihnachten]], die Johannis-Feuer, das Maifest u. s. w.
  
-Nach Andern wäre er ein heidnischer Opferstein gewesen, der früher auf der Kuppe des Panberges gelegen habe, dann aber in die mit dichtem Wald und Gestrüpp bedeckte Schlucht hinabgerollt sey, wo aber die Anhänger der alten Götter noch lange im Geheim ihren Gottesdienst und Opferfeste gefeiert hätten. Später habe sich nun ein Stamm der Unterirdischen unter dem Steine angesiedelt, von wo aus der Eingang in ihre Gemächer und Höhlen gegangen sey+Später habe sich nun ein Stamm der Unterirdischen unter dem Steine angesiedelt, von wo aus der Eingang in die Gemächer und Höhlen der kleinen Zwerge gegangen sei. Von dem Leben und Treiben dieser Gnomen wird gar mancherlei erzählt und viele sonderbare Geschichten haben sich in der Umgegend erhalten. Bald schildern diese die kleinen Erdgeister als gute, den Menschen freundlich gesinnte Wesen, bald als hülfreiche aber neckische Kobolde, oft aber auch als böse, hinterlistige Tückebolde, die den Leuten Schaden und Unglück bringen.
  
-Von diesen kleinen Männern werden nun aber in der Umgegend verschiedene Sagen erzähltwelche sie bald als gutmüthigebald als tückischeschadenfrohe Wesen erscheinen lassenMan sagt nunes zerfielen diese kleinen Leutchen in drei Klassennämlich in die weißen und grauen, die stets in diesen Gegenden heimisch gewesen seienund in die schwarzen, welche erst mit dem Teufel ins Land gekommen wären+Diese Verschiedenheit kommt daher, daß es drei Stämme solcher Unterirdischen giebt, in Art und Character so verschiedenwie an Bildung und Farbe. Die Weißen sind guten Sinneshalten sich gern zu den Menschen und sind ihnen hülfreich und förderlichso lange sie nicht geneckt oder arg behandelt werdenVon weniger guter Art sind die Grauendoch schaden auch diese den Menschen ungeneckt nicht absichtlichwenn sie ihnen auch gern Possen spielen und bei dem Schabernack, den sie treiben, es so genau nicht nehmen, ob ihre Späße und Neckereien Unheil anrichten; ja sie haben es wohl gern, wenn sie die Leute ärgern, erschrecken, irre führen und foppen können. Diese weißen und grauen Erdzwerge sind immer hier heimisch gewesen, schon von uralter Zeit; die Schwarzen aber sind erst mit dem Teufel ins Land gekommen und sind recht bösen Sinnes und häßlicher, widerwärtiger Art. Wo sie schaden und verderben können, gehen sie mit Lust daran und ihr tückischer Sinn verläßt sie nicht, wenn sie auch auf irgend eine Weise veranlaßt sich in den Dienst der Menschen gegeben, oder von diesen durch geheime Mittel gezwungen worden gehorsam und folgsam zu sein.
  
-Die weißen sind guten Sinnesverkehren gern mit den Menschen und leisten ihnen bereitwillig Hülfe, so lange sie nicht geneckt oder beleidigt werden; die grauen sind weniger gutdenn sie necken und foppen die Menschen gerneohne viel zu fragenwelches Unheil sie damit anrichtenAm schlimmsten sind aber die schwarzensie thun den Menschen nur Böseskönnen aber von diesen durch gewisse geheime Künste gebannt und dienstbar gemacht werden+Um einen solchen Unterirdischender sich auch unsichtbar machen und in mancherlei Gestalten verwandeln kann, zu seinem Dienste zu zwingen, braucht man sich nur etwas ihm Angehörendes zu verschaffen; dies muß er wieder einlösen. Am leichtesten geschieht dies, wenn man sie bei ihren Tanzfesten überrascht, die sie in den Vollmondnächten auf einsamen Waldplätzen feiern. Schleicht man sich an sie heran und wirft mit Erbsen oder kleinen Steinen unter sie, so müssen sie liegen lassen was getroffen wird. So machte es ein Bauer aus Bornim, der fand dann auf dem Platze eine kleine Glockewie sie die Kleinen an ihrer Mütze tragen. Um andern Morgen kam der Zwergdem sie gehörteals ein Jude verwandelt in das Haus des Bauern, feilschte um die Glocke und kaufte sie um zweihundert GoldguldenOft begeben sich die weißen und grauen Zwerge in die Häuserwenn Musik darin - gemacht wird, oder setzen sich Nachts auf die warmen Feuerstellen; gehen auch wohl den Mägden und Knechten hülfreich zur Hand. Haben sie dies einmal gethan, so bleiben sie gern dienstbar, essen auch die für sie hingestellten Speisen, nur wenn man ihnen etwas schenkthalten sie sich für abgelohnt und kommen nicht wieder.
  
-Um dies zu könnenbraucht man sich nur etwas ihnen Angehörendes zu verschaffendies müssen sie wieder einlösenAm leichtesten geschieht dieswenn man sie bei ihren Tanzfesten überrascht, die sie in den Vollmondsnächten auf einsamen Waldplätzen feiernSchleicht man sich an sie heran und wirft mit Erbsen oder kleinen Steinen unter sie, so müssen sie liegen lassenwas getroffen wirdSo machte es ein Bauer aus Bornim, der fand auf dem Platze eine kleine Glockewie sie die Kleinen an ihrer Mütze tragen+In die Höhlen der Unterirdischen, zu welchen der Eingang unter dem Steine am Fuße des Panberges warsind auch von Zeit zu Zeit Menschen aus der Umgegend gekommenbesonders Kinder, alle auf sonderbare und unvorhergesehene Weise. Einige haben Geld und Kleinode mit zurück gebracht; Andere kamen nach kurzer Zeit ganz alt und verändert wieder, oder sind von argem Spuk geneckt wordenAlle aber konnten nicht genug erzählen von der Pracht und Ausdehnung der Höhlen und Gängeden Schätzen und wunderbaren Dingen, die sie unten gesehen und erlebt: Man erzählt auch von einer frommen Wittwe, die sieben Töchter gehabt, welche sie in Sorgen erzogen. Diese Kinder hätten die Zwerge mit in den Berg genommen, mit ihnen gespielt und sie genährt, wenn die Mutter bei der Arbeit auf dem Felde war- Die Frau hat es wohl gewußt und es gern gesehen. Der Pfarrer aber hat sie sehr gescholten und ihr geheißen die Kinder zurück zu haltenauch ihr einen Bannspruch gelehrt, dem die [[wesen:zwerg|Zwerge]] gehorchen mußten. Als sie nun eines Tages früher vom Felde kam und die Kinder nicht zu Hause fandist sie zum Teufelsstein gegangen und hat die Kinder gerufen wie ihr der Pfarrer geheißenDa haben die sieben Mädchen an sieben verschiedenen Stellen die kleinen Köpfchen aus der Erde gesteckt und die Mutter recht wehmüthig angesehen. Als diese nun aber den Bannspruch gesagtsind die Köpfchen in die Erde zurück gesunken und an ihrer Stelle sind die sieben Quellen hervor gekommen.
  
-Am andern Morgen kam der [[wesen:Zwerg]], dem sie gehörte, als ein Jude verkleidet in das Haus des Bauern, feilschte um die Glocke und kaufte sie für 200 GoldgüldenOft begeben sich die weißen und grauen Zwerge in die Häuserwenn Musik darin gemacht wirdoder setzen sich Nachts auf die warmen Feuerstellen, gehen auch wohl den Mägden und Knechten hilfreich zur Hand. Haben sie dies einmal gethan, so bleiben sie gern dienstbar, essen auch die für sie hingestellten Speisen, nur wenn man ihnen etwas schenkt, halten sie sich für abgelohnt und kommen nicht wieder.+Wann und wie es nun geschehen, daß der Teufelsstein in die Tiefe gesunken und das Wasser empor getreten ist, darüber weiß man nichts gewisses. Zur Zeit des [[zeit:30jährigerkrieg|dreißigjährigen Krieges]] soll er noch da gelegen und viel schwedische Krieger um ihn begraben seinManche meinen er wäre eingesunkenwährend diesen eine Todtenfeier gehalten; Andere sagender [[vip:kunkel|Alchymist Kunkel]] habe unter ihm nach dem Golde der Zwerge gegraben und von diesen sei er hinab gezogen um die Schätze zu retten und den Schwarzkünstler zu verderben
  
-In die Höhlen der Unterirdischen, zu welchen der Eingang unter dem genannten Teufelssteine war, sind auch von Zeit zu Zeit Menschen aus der Umgegend gekommen, besonders Kinder, alle auf sonderbare und unvorhergesehene Weise. Einige haben Geld und Kleinodien mit zurückgebracht, Andere sind nach kurzer Zeit ganz alt und verändert wiedergekommen oder von argem Spuck geneckt worden. Alle aber konnten nicht genug erzählen von der Pracht und Ausdehnung der Höhlen und Gängevon den Schätzen und wunderbaren Dingen, die sie unten gesehen und erlebt. Man erzählt auch von einer frommen Wittwe, die sieben Töchter gehabtwelche sie in Sorgen erzogen. Diese Kinder hätten die Zwerge mit in den Berg genommen, mit ihnen gespielt und sie ernährt, wenn die Mutter bei der Arbeit auf dem Felde war. Die Frau hat es wohl gewußt und es gern gesehen. Der Pfarrer aber hat sie sehr gescholten, und sie geheißen die Kinder zurückzuhalten, auch ihr einen Bannspruch gelehrt, dem die Zwerge gehorchen mußten+Später haben sich dann die Unterirdischen nach und nach aus unserer Gegend weg begeben, und nur selten soll sich noch Einer von ihnender die Schätze bewachen mußam düsteren Teich oder in den Kellern des Hauses Lindstädt sehen lassen.
  
-Als sie nun eines Tages früher vom Felde kam und die Kinder nicht zu Hause fand, ist sie zum Teufelsstein gegangen und hat die Kinder gerufen, wie ihr der Pfarrer geheißen. Da haben die sieben Mädchen an sieben verschiedenen Stellen die kleinen Köpfchen aus der Erde gesteckt und die Mutter recht wehmüthig angesehen. Als diese nun aber den Bannspruch gesagt, sind die Köpfchen in die Erde zurückgesunken und an ihrer Stelle sind die sieben Quellen hervorgekommen. Der Stein aber soll von den Unterirdischen in die Tiefe hinabgezogen worden sein, als der bekannte [[vip:kunkel|Alchimist Kunkel]] einst unter ihm nach dem Golde der Zwerge gegraben hatte. Dann sind sie selbst nach und nach aus der Gegend weggezogen und nur selten noch soll sich einer von ihnen, der die Schätze bewachen muß, am düstern Teich oder in den Kellern des Hauses Lindstädt sehen lassen. 
  
-//Quelle: Johann Georg Theodor GrässeSagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 1, Glogau 1868/71, S105-107;  +//Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl vReinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung//
-[[http://www.zeno.org/nid/20004937244|www.zeno.org]]//+
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