Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:sagenpotsdam16

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:sagenpotsdam16 [2024/02/01 16:11] – angelegt ewuschsagen:sagenpotsdam16 [2025/01/30 17:57] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 7: Zeile 7:
 In der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts bestand [[geo:Potsdam]] fast nur aus vier Straßen, in deren Mitte auf einer kleinen Erhebung des Bodens die mit einem Begräbnißplatz umgebene Kirche und unweit davon ein kleines Rathhaus standen. Die Stadt hatte zwei Thore; das eine, das Brandenburger, führte durch den Wall in der Gegend des neuen Marktes; das andere, in der Gegend der grünen Brücke, hieß das Berliner, und war nur zum Theil durch eine Mauer, größtentheils aber durch einen Graben und ein festes Pfahlwerk mit dem ersteren verbunden. Nur längs der jetzigen Schusterstraße hatte [[vip:joachimibrandenburg|Kurfürst Joachim I]], eine Umschließung der Stadt mit Wall, Mauer und Graben begonnen, an welcher aber seit 1528 nicht weiter gebaut war. In der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts bestand [[geo:Potsdam]] fast nur aus vier Straßen, in deren Mitte auf einer kleinen Erhebung des Bodens die mit einem Begräbnißplatz umgebene Kirche und unweit davon ein kleines Rathhaus standen. Die Stadt hatte zwei Thore; das eine, das Brandenburger, führte durch den Wall in der Gegend des neuen Marktes; das andere, in der Gegend der grünen Brücke, hieß das Berliner, und war nur zum Theil durch eine Mauer, größtentheils aber durch einen Graben und ein festes Pfahlwerk mit dem ersteren verbunden. Nur längs der jetzigen Schusterstraße hatte [[vip:joachimibrandenburg|Kurfürst Joachim I]], eine Umschließung der Stadt mit Wall, Mauer und Graben begonnen, an welcher aber seit 1528 nicht weiter gebaut war.
  
-Von dem Berliner Thor längs der Havel hin bis über die jetzige Burg- und Heiligegeiststraße lag eine doppelte Reihe von Fischerhäusern; der Platz an der Havel aber, auf welchem jetzt die Heiligegeist-Kirche steht, war durch einen breiten Graben zur Insel gemacht, auf der Landseite geschützt durch Wall und Mauer, auf der anderen durch den breiten Fluß. Hier stand die Burg – „das alte Haus" - Potsdam, ein viereckiges steinernes Gebäude mit spitzen Giebeln und einem runden Thurm an jeder Ecke. Da, wo jetzt das Schloß sich erhebt, war durch Joachim ein kleines Lustschloß errichtet, unweit der hölzernen Brücke, welche [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] statt der Fähre 1416 über die Havel hatte erbauen lassen. Unterhalb der Stadt dem Tornow gegenüber, und von ihr durch einen dichten Eichenwald getrennt, der sich weithin nach [[geo:Fahrland]] und [[geo:Redlitz]] erstreckte, lag der Kiez, ein Fischerdorf, dessen wendische Bewohner unter einem eigenen Schulzen lebten. Die weite Havelbucht aber, welche jetzt unweit des Neustädter Thores sich ins Land erstreckt, war noch nicht vorhanden, und eine grüne Wiese nahm ihre Stelle ein, über die sich der Weg nach Brandenburg zog.+Von dem Berliner Thor längs der Havel hin bis über die jetzige Burg- und Heiligegeiststraße lag eine doppelte Reihe von Fischerhäusern; der Platz an der Havel aber, auf welchem jetzt die Heiligegeist-Kirche steht, war durch einen breiten Graben zur Insel gemacht, auf der Landseite geschützt durch Wall und Mauer, auf der anderen durch den breiten Fluß. Hier stand die Burg – „das alte Haus" - Potsdam, ein viereckiges steinernes Gebäude mit spitzen Giebeln und einem runden Thurm an jeder Ecke. Da, wo jetzt das Schloß sich erhebt, war durch Joachim ein kleines Lustschloß errichtet, unweit der hölzernen Brücke, welche [[vip:friedrichibrandenburg|Friedrich I.]] statt der Fähre 1416 über die Havel hatte erbauen lassen. Unterhalb der Stadt dem Tornow gegenüber, und von ihr durch einen dichten Eichenwald getrennt, der sich weithin nach [[geo:Fahrland]] und [[geo:nedlitzpotsdam|Nedlitz]] erstreckte, lag der Kiez, ein Fischerdorf, dessen wendische Bewohner unter einem eigenen Schulzen lebten. Die weite Havelbucht aber, welche jetzt unweit des Neustädter Thores sich ins Land erstreckt, war noch nicht vorhanden, und eine grüne Wiese nahm ihre Stelle ein, über die sich der Weg nach Brandenburg zog.
  
 In dieser Zeit lebte auf dem Kiez ein braungelocktes, dunkeläugiges Mädchen, das war des Schulzen Mündel, sechszehn Jahr alt, keck und sinnig; die hatte, wie die Leute sagten, von Klein auf immer ihren eigenen Kopf gehabt und war anders gewesen, als anderer Leute Kinder. Da ist dem alten Schulzen, der schon dreimal Wittwer geworden war, eingefallen, die schöne Anne zu heirathen; die hat sich nicht lange bedacht und hat ja gesagt, und am [[zeit:ostern|Osterfeste]] 1536 ist die Trauung gewesen. Nachdem aber die Hochzeit drei Tage mit Schmausen und Tanz gewährt, hat die junge Frau im Hause ihres Vormundes gelebt, wie früher als Mädchen, ist freundlich zu ihrem Manne, wie gegen alle Menschen gewesen, und hat nach wie vor die Fische nach der Stadt gebracht, und für den Erlös auf dem Markt eingekauft; auch nie versäumt zu lachen, zu scherzen oder zu tanzen, wo es sich nur irgend wollte. In dieser Zeit lebte auf dem Kiez ein braungelocktes, dunkeläugiges Mädchen, das war des Schulzen Mündel, sechszehn Jahr alt, keck und sinnig; die hatte, wie die Leute sagten, von Klein auf immer ihren eigenen Kopf gehabt und war anders gewesen, als anderer Leute Kinder. Da ist dem alten Schulzen, der schon dreimal Wittwer geworden war, eingefallen, die schöne Anne zu heirathen; die hat sich nicht lange bedacht und hat ja gesagt, und am [[zeit:ostern|Osterfeste]] 1536 ist die Trauung gewesen. Nachdem aber die Hochzeit drei Tage mit Schmausen und Tanz gewährt, hat die junge Frau im Hause ihres Vormundes gelebt, wie früher als Mädchen, ist freundlich zu ihrem Manne, wie gegen alle Menschen gewesen, und hat nach wie vor die Fische nach der Stadt gebracht, und für den Erlös auf dem Markt eingekauft; auch nie versäumt zu lachen, zu scherzen oder zu tanzen, wo es sich nur irgend wollte.
Zeile 29: Zeile 29:
 Im Jahre 1539 trat darauf [[vip:joachimiibrandenburg|Kurfürst Joachim II.]] öffentlich zur evangelischen Religion über; kurz vorher hielt er sich lange in dem Schlosse am Kiez auf, das er auch noch späterhin oft zu besuchen pflegte, um Zwiesprache zu halten mit der unbekannten Frau, – oder auch vielleicht nur um der Jagd wegen; denn von der Dame wollte überhaupt keiner seiner Hofleute etwas wissen, und wenn die Bewohner des alten Schlosses späterhin und noch jetzt zuweilen in den dunkelen Gängen zu nächtlicher Weile eine hohe Gestalt haben dahin schweben gesehen, geräuschlos durch die verschlossenen Thüren, hat sie gewiß die Furcht getäuscht. Im Jahre 1539 trat darauf [[vip:joachimiibrandenburg|Kurfürst Joachim II.]] öffentlich zur evangelischen Religion über; kurz vorher hielt er sich lange in dem Schlosse am Kiez auf, das er auch noch späterhin oft zu besuchen pflegte, um Zwiesprache zu halten mit der unbekannten Frau, – oder auch vielleicht nur um der Jagd wegen; denn von der Dame wollte überhaupt keiner seiner Hofleute etwas wissen, und wenn die Bewohner des alten Schlosses späterhin und noch jetzt zuweilen in den dunkelen Gängen zu nächtlicher Weile eine hohe Gestalt haben dahin schweben gesehen, geräuschlos durch die verschlossenen Thüren, hat sie gewiß die Furcht getäuscht.
  
-Zwanzig Jahre darauf brannte Potsdam sammt seiner Kirche und dem Rathhause ab, und nur das Jagdschloß im Eichenwalde beim Kiez blieb von den Gebäuden der damaligen Zeit übrig, wurde aber später vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm nach dem Wunsche seiner frommen Gemahlinn, zu einem Wittwenhause eingerichtet. Erst vor drei Jahren wurden die alten Wände eingerissen, doch steht das neu aufgebaute Predigerwittwen – Haus in der breiten Straße ganz auf den Grundmauern, welche Joachim II. um die hohe Eiche hatte aufführen lassen, unter welcher Anna zuerst den Honigsucher sah.+Zwanzig Jahre darauf brannte Potsdam sammt seiner Kirche und dem Rathhause ab, und nur das Jagdschloß im Eichenwalde beim Kiez blieb von den Gebäuden der damaligen Zeit übrig, wurde aber später vom [[vip:friedrichwilhelmbrandenburg|Kurfürsten Friedrich Wilhelm]] nach dem Wunsche seiner frommen Gemahlinn, zu einem Wittwenhause eingerichtet. Erst vor drei Jahren wurden die alten Wände eingerissen, doch steht das neu aufgebaute Predigerwittwen – Haus in der breiten Straße ganz auf den Grundmauern, welche Joachim II. um die hohe Eiche hatte aufführen lassen, unter welcher Anna zuerst den Honigsucher sah.
  
 //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung// //Quelle: [[autor:karlvonreinhard|Karl v. Reinhard]], [[buch:sagenpotsdam|Sagen und Mährchen aus Potsdams Vorzeit]], Potsdam 1841, Verlag der Stuhrschen Buchhandlung//
 ---- ----
-{{tag>sagen karlvonreinhard sagenpotsdam potsdam markbrandenburg caputh havel hochwasser 16jhd friedhof 1416 1536 1539 ostern friedrichibrandenburg joachimibrandenburg joachimiibrandenburg stadtbrand bekehrung eiche imker}}+{{tag>sagen karlvonreinhard sagenpotsdam potsdam markbrandenburg caputh fahrland nedlitz havel hochwasser 16jhd friedhof 1416 1536 1539 ostern friedrichibrandenburg joachimibrandenburg joachimiibrandenburg friedrichwilhelmbrandenburg stadtbrand bekehrung eiche imker v2}}
sagen/sagenpotsdam16.1706800292.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)