sagen:sagenpotsdam03
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| ====== Die Gründung Potsdams ====== | ====== Die Gründung Potsdams ====== | ||
| - | Zu der Zeit, als der mächtige Wilzan, der in der festen Burg zu Dragowit wohnte, über die [[volk: | + | Zu der Zeit, als der mächtige Wilzan, der in der festen Burg zu Dragowit wohnte, über die [[volk: |
| Die kleine Insel war ein wenig breiter, als der Theil der Stadt, welcher jetzt wieder durch den Kanal zu einer Insel gemacht wird, und nur ihr östliches Ende, der Mündung der Rudow gegen über, war mit einzelnen Fischerhütten besetzt, deren Bewohner zwar weit und breit die Seen und Arme der Havel befuhren, welche damals noch reich an Stören, Lachsen und Welsen waren, selten aber durch die Sümpfe und Wälder drangen, von welchen ihr Wohnplatz im Norden umschlossen war. | Die kleine Insel war ein wenig breiter, als der Theil der Stadt, welcher jetzt wieder durch den Kanal zu einer Insel gemacht wird, und nur ihr östliches Ende, der Mündung der Rudow gegen über, war mit einzelnen Fischerhütten besetzt, deren Bewohner zwar weit und breit die Seen und Arme der Havel befuhren, welche damals noch reich an Stören, Lachsen und Welsen waren, selten aber durch die Sümpfe und Wälder drangen, von welchen ihr Wohnplatz im Norden umschlossen war. | ||
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| Der Krul war ein wilder, grausamer Mann, besonders seit sein einziger Sohn in einem Kampfe mit den [[volk: | Der Krul war ein wilder, grausamer Mann, besonders seit sein einziger Sohn in einem Kampfe mit den [[volk: | ||
| - | Einmal, als Chocus auf der Wolfsjagd gewesen war, fuhr er spät Abends im Frühlinge von [[geo: | + | Einmal, als Chocus auf der Wolfsjagd gewesen war, fuhr er spät Abends im Frühlinge von [[geo:templinpotsdam|Templin]] in einem Kahne nach Hause zurück. Das Wasser war hoch und der Wind stürmte aus Westen. Als sie fast den Wendorf erreicht hatten, verlor der Knecht das Ruder, und sie mußten mit ihren Spießen sich fort zu bewegen suchen. Der Sturm trieb sie aber zurück; schon wurde es dunkel, und nachdem sie lange hin und her geworfen waren, trieben sie endlich an einer kleinen Insel fest. Hier suchten sie Schutz gegen den Sturm hinter dem Schilfe und schliefen ein. |
| Als der Fürst am Morgen erwachte, gewahrte er nahe bei sich einen Kahn, darin saß eine Fischerin, welche ein Netz ausgeworfen hatte und fang. Das Mädchen aber war so schön, daß er gar nicht wieder von ihm wegsehen konnte. Als die Fischerin jedoch den fremden, reich gekleideten Mann erblickte, war sie sehr erschrocken und stieß mit dem Kahne vom Ufer ab. Chocus ging ihr nach und sprach so schöne Worte, daß sie dem Mädchen zu Herzen gingen; und als er sogar eigen mit den dunklen Augen in ihre schönen blauen Augen blickte, da folgte sie seinen Wünschen, kam ans Land und dachte den ganzen Tag nicht wieder daran, weg zu fahren. Um Abende aber schifften sie alle drei über den Fluß und landeten da, wo jetzt die Heilige – Geists Kirche steht. Der junge Fürst hieb mit seinem Schwerte Zweige von den alten Eichen, und sie bauten sich eine Hütte. Dort lebten sie viele Monate in dem schönen grünen Eichenwalde, | Als der Fürst am Morgen erwachte, gewahrte er nahe bei sich einen Kahn, darin saß eine Fischerin, welche ein Netz ausgeworfen hatte und fang. Das Mädchen aber war so schön, daß er gar nicht wieder von ihm wegsehen konnte. Als die Fischerin jedoch den fremden, reich gekleideten Mann erblickte, war sie sehr erschrocken und stieß mit dem Kahne vom Ufer ab. Chocus ging ihr nach und sprach so schöne Worte, daß sie dem Mädchen zu Herzen gingen; und als er sogar eigen mit den dunklen Augen in ihre schönen blauen Augen blickte, da folgte sie seinen Wünschen, kam ans Land und dachte den ganzen Tag nicht wieder daran, weg zu fahren. Um Abende aber schifften sie alle drei über den Fluß und landeten da, wo jetzt die Heilige – Geists Kirche steht. Der junge Fürst hieb mit seinem Schwerte Zweige von den alten Eichen, und sie bauten sich eine Hütte. Dort lebten sie viele Monate in dem schönen grünen Eichenwalde, | ||
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| Der Kriwe aber war bei dem neuen Fürsten in der Burg, und als nun Chocus kam mit seinem Knechte, ließ er ihn in einen tiefen Kerker werfen, ohne Luft und Speise, damit er umkomme. Dieser jedoch öffnete ihm in der zweiten Nacht die Thür, und er floh zu den Wilzan nach Dragowit. Der nahm ihn freundlich auf, und hätte ihn gern in sein Erbe gesetzt, doch fürchtete er den Ober-Kriwen, | Der Kriwe aber war bei dem neuen Fürsten in der Burg, und als nun Chocus kam mit seinem Knechte, ließ er ihn in einen tiefen Kerker werfen, ohne Luft und Speise, damit er umkomme. Dieser jedoch öffnete ihm in der zweiten Nacht die Thür, und er floh zu den Wilzan nach Dragowit. Der nahm ihn freundlich auf, und hätte ihn gern in sein Erbe gesetzt, doch fürchtete er den Ober-Kriwen, | ||
| - | Als sie aber über den tiefen Schnee nach der Hütte unter den Eichen kamen, fanden sie das schöne weiße Mädchen starr und todt. Von der Stunde an hat der junge Held nie wieder gelacht, sein dunkles Auge erlosch, und sein Haupt wurde Burg auf der Stelle, wo die Hütte stand, und nannte sie Pozdupini, d. h. unter den Eichen. Weil er ein gar guter Herr war, sammelten sich viele Einwohner auf dem Werder, der nach ihm Chocie genannt wurde, und bald entstand ein kleiner Ort um die Burg. Oft erwähnen alte Chroniken des Volksstamms der [[volk:Chocini]], und erzählen gar mancherlei von deren Anhänglichkeit und Liebe zu ihrem Fürsten. | + | Als sie aber über den tiefen Schnee nach der Hütte unter den Eichen kamen, fanden sie das schöne weiße Mädchen starr und todt. Von der Stunde an hat der junge Held nie wieder gelacht, sein dunkles Auge erlosch, und sein Haupt wurde Burg auf der Stelle, wo die Hütte stand, und nannte sie Pozdupini, d. h. unter den Eichen. Weil er ein gar guter Herr war, sammelten sich viele Einwohner auf dem Werder, der nach ihm Chocie genannt wurde, und bald entstand ein kleiner Ort um die Burg. Oft erwähnen alte Chroniken des Volksstamms der Chocini, und erzählen gar mancherlei von deren Anhänglichkeit und Liebe zu ihrem Fürsten. |
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