sagen:sagenpotsdam01
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| (An der Chaussee nach Berlin dicht hinter Glienicke.) | (An der Chaussee nach Berlin dicht hinter Glienicke.) | ||
| - | Lange, lange Zeit schon, ehe die slavischen Völker des Asowschen Meeres verließen und sich nach vielen blutigen Kämpfen mit den Urbewohnern, | + | Lange, lange Zeit schon, ehe die slavischen Völker des Asowschen Meeres verließen und sich nach vielen blutigen Kämpfen mit den Urbewohnern, |
| - | Jagd und Viehzucht ernährten den Germanen, der, unbekannt mit dem Ackerbau, dem Gebrauche der Metalle, der Buchstabenschrift und allen Künsten, die das Leben verschönen, | + | Jagd und Viehzucht ernährten den Germanen, der, unbekannt mit dem Ackerbau, dem Gebrauche der Metalle, der Buchstabenschrift und allen Künsten, die das Leben verschönen, |
| - | Die [[region: | + | Die [[region: |
| - | Auf dem Glienicker Werder, der damals auch auf jenen Strecken mit Wasser umgeben war, wo jetzt bei Stolpe niedrige Wiesen sich hinziehen, hatten die Semnonen einen der Erde geweihten | + | Auf dem Glienicker Werder, der damals auch auf jenen Strecken mit Wasser umgeben war, wo jetzt bei Stolpe niedrige Wiesen sich hinziehen, hatten die Semnonen einen der Erde geweihten Tempel, zu welchem sie in den Nächten des Neumonds weit her mit ihren Opfergaben zogen. Hier vernahmen sie die geheimnißvollen Sprüche der Priester und saßen dann, begeistert von den Heldengesängen der Barden und trunken von dem mit Honig vermischten, |
| - | Eine Strecke von diesem Orte auf der breiten Kuppe des Schäferberges war in dem dichten Walde ein kreisförmiger Raum ausgehauen, von welchem nach allen Himmelsgegenden hin Wege ausliefen. In der Mitte lag ein mächtiger | + | Eine Strecke von diesem Orte auf der breiten Kuppe des Schäferberges war in dem dichten Walde ein kreisförmiger Raum ausgehauen, von welchem nach allen Himmelsgegenden hin Wege ausliefen. In der Mitte lag ein mächtiger |
| Immer weniger waren der Männer beim Thing geworden, immer tieferes Schweigen ruhte auf der Versammlung wenn nach einem neuen Vordringen der [[volk: | Immer weniger waren der Männer beim Thing geworden, immer tieferes Schweigen ruhte auf der Versammlung wenn nach einem neuen Vordringen der [[volk: | ||
| - | Noch einmal, zum letzten Male, war der Thing berufen, zum letzten Male übergab der greise Priester die heilige Fahne aus dem Tempel dem kühnsten der Führer, und die Barden sangen den Schlachtgesang. Dann zog das ganze Volk dem Feinde entgegen, dessen mächtiges Heer zwischen der Nuthe und Becke in der Gegend des Sterns sich zum Kämpfe rüstete. Jünglinge und Greise zogen mit; Frauen und [[typ: | + | Noch einmal, zum letzten Male, war der Thing berufen, zum letzten Male übergab der greise Priester die heilige Fahne aus dem Tempel dem kühnsten der Führer, und die Barden sangen den Schlachtgesang. Dann zog das ganze Volk dem Feinde entgegen, dessen mächtiges Heer zwischen der [[region:Nuthe]] und Becke in der Gegend des Sterns sich zum Kämpfe rüstete. Jünglinge und Greise zogen mit; Frauen und Jungfrauen folgten Waffen tragend, und Barden und Priester munterten mit ihnen die Streiter zum letzten entscheidenden Kampfe auf. Er war blutig aber kurz. Das kleine Häufchen der Semnonen wurde erdrückt von der Menge; keiner floh, Alle erlagen. |
| - | Nur der alte, hundertjährige Priester war beim Tempel zurück geblieben. Hier im heiligen Grunde hatte er die Kinder um sich versammelt, und zum letzten Male floß das Blut auf dem Opfersteine: | + | Nur der alte, hundertjährige Priester war beim Tempel zurück geblieben. Hier im heiligen Grunde hatte er die Kinder um sich versammelt, und zum letzten Male floß das Blut auf dem Opfersteine: |
| - | Der blutige Kampf hatte bis zum Abend gewährt. Vorsichtig, einen Hinterhalt fürchtend, drang in der Nacht die starke Vorhut der [[volk: | + | Der blutige Kampf hatte bis zum Abend gewährt. Vorsichtig, einen Hinterhalt fürchtend, drang in der Nacht die starke Vorhut der Wenden vor; bald war der tiefe Grund umringt, doch erst am Morgen wagten sie unter seine Eichen hinab zu steigen. Alle Kinder wurden ihre Beute; zu Sklaven auferzogen, bildeten sie den Überrest des einst so mächtigen Stammes der Semnonen; noch jetzt sind ihre Nachkommen an dem hellen Haar und den blauen Augen unter den Wendischen Abkömmlingen zu erkennen. |
| - | Der [[typ:Priester]] aber und das reiche | + | Der Priester aber und das reiche Götzenbild waren verschwunden; |
| - | Lange Zeit betrachteten die Nachkommen der [[volk:Semnonen]] den Ort noch als heilig, und wagten nicht, ihn durch Suchen nach den Schätzen zu entweihen; späterhin verwuchs der See immer mehr, und es wurde unmöglich, durch Schlamm und Wurzelgeflecht bis auf seinen Grund zu dringen. | + | Lange Zeit betrachteten die Nachkommen der Semnonen den Ort noch als heilig, und wagten nicht, ihn durch Suchen nach den Schätzen zu entweihen; späterhin verwuchs der See immer mehr, und es wurde unmöglich, durch Schlamm und Wurzelgeflecht bis auf seinen Grund zu dringen. |
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sagen/sagenpotsdam01.1689140231.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
