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sagen:sagenderlausitz040

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 ====== Die besiegte Mittagsfrau ====== ====== Die besiegte Mittagsfrau ======
-Einst hatte sich ein Mädchen beim Flachsjäten auf dem Felde verspätet, es hatte das Läuten der Mittagsglocke im Dorf nicht gehört. Da tauchte die [[typ:Mittagsfrau]] auf. Das Mädchen bemerkte gerade noch, wie das scheußliche Weib hinter ihm stand und schon die Sichel hob, um es zu töten. Es sprang auf, raffte ebenfalls eine Sichel vom Feldrain und rief blitzenden Auges: »Ich fürchte mich nicht!« +Einst hatte sich ein Mädchen beim Flachsjäten auf dem Felde verspätet, es hatte das Läuten der Mittagsglocke im Dorf nicht gehört. Da tauchte die [[wesen:Mittagsfrau]] auf. Das Mädchen bemerkte gerade noch, wie das scheußliche Weib hinter ihm stand und schon die Sichel hob, um es zu töten. Es sprang auf, raffte ebenfalls eine Sichel vom Feldrain und rief blitzenden Auges: »Ich fürchte mich nicht!« 
  
 Das Weib wunderte sich. »Auch vor der Mittagsfrau nicht?« Das Mädchen erwiderte: »Vor niemandem!« Die Mittagsfrau lachte hämisch: »Du gefällst mir!« Darauf das Mädchen: »Und du mir gar nicht, es sei denn, dass du deine Sichel weglegst!« Die Mittagsfrau tat es und sagte: »Ich will dir dein Leben lassen, wenn du mir eine Stunde lang vom Flachs erzählen kannst!«»Nun, dann hast du verloren«, lachte das Mädchen, »denn warum sollte ich das nicht können?« Und es nahm sich vor, beim Sprechen jedes Wort recht lang zu ziehen; umso leichter würde es gewinnen. So begann es zu berichten: Das Weib wunderte sich. »Auch vor der Mittagsfrau nicht?« Das Mädchen erwiderte: »Vor niemandem!« Die Mittagsfrau lachte hämisch: »Du gefällst mir!« Darauf das Mädchen: »Und du mir gar nicht, es sei denn, dass du deine Sichel weglegst!« Die Mittagsfrau tat es und sagte: »Ich will dir dein Leben lassen, wenn du mir eine Stunde lang vom Flachs erzählen kannst!«»Nun, dann hast du verloren«, lachte das Mädchen, »denn warum sollte ich das nicht können?« Und es nahm sich vor, beim Sprechen jedes Wort recht lang zu ziehen; umso leichter würde es gewinnen. So begann es zu berichten:
  
-»Mit dem [[typ:Flachs]] hat man viel, sehr viel Arbeit. Schon im Herbst sucht der Bauer das beste Feld für den Flachs aus, ackert und eggt es, damit es von Unkraut rein sei. Sobald der Schnee abgetaut ist, wird der Acker mit dem Spaten umgegraben. Dann wird er mit eisernen Rechen fein gekrümelt und glatt gerecht, sodass er eben wie eine Tenne ist. Nun wird der beste und reinste Samen ausgesät. Junge Mädchen treten ihn Schritt für Schritt in die Erde ein. Ja, mit dem Flachs hat man sehr, sehr viel Arbeit! Manchmal picken Vögel die Körnchen auf und wer es mit dem Wetter nicht getroffen hat, dem zerstören Fröste die Saat.+»Mit dem Flachs hat man viel, sehr viel Arbeit. Schon im Herbst sucht der Bauer das beste Feld für den Flachs aus, ackert und eggt es, damit es von Unkraut rein sei. Sobald der Schnee abgetaut ist, wird der Acker mit dem Spaten umgegraben. Dann wird er mit eisernen Rechen fein gekrümelt und glatt gerecht, sodass er eben wie eine Tenne ist. Nun wird der beste und reinste Samen ausgesät. Junge Mädchen treten ihn Schritt für Schritt in die Erde ein. Ja, mit dem Flachs hat man sehr, sehr viel Arbeit! Manchmal picken Vögel die Körnchen auf und wer es mit dem Wetter nicht getroffen hat, dem zerstören Fröste die Saat.
  
 Ist der Frühling vorgeschritten und grünt das Feld, dann eilt die fleißige Bauersfrau hinaus, um alles Unkraut auszujäten. Bald blüht der Flachs und groß ist die Freude, wenn die Stängel bei günstigem Wetter recht lang gewachsen sind. Die Ernte ist da und beim Morgentau oder auch bei feuchtem Wetter gehen Frauen und Mädchen aufs Feld. Sie raufen den Flachs aus und breiten ihn auf der Erde aus. Zu lange darf er nicht liegen, denn der Samen könnte aus den braunen Köpfchen rinnen. Die Stängel müssen zur rechten Zeit gewendet, dann in Bündel gebunden und in die Scheune gefahren werden. Nun holt der Bauer den eisernen Kamm vom Boden und riffelt die Köpfe von den Stängeln. Ist der Frühling vorgeschritten und grünt das Feld, dann eilt die fleißige Bauersfrau hinaus, um alles Unkraut auszujäten. Bald blüht der Flachs und groß ist die Freude, wenn die Stängel bei günstigem Wetter recht lang gewachsen sind. Die Ernte ist da und beim Morgentau oder auch bei feuchtem Wetter gehen Frauen und Mädchen aufs Feld. Sie raufen den Flachs aus und breiten ihn auf der Erde aus. Zu lange darf er nicht liegen, denn der Samen könnte aus den braunen Köpfchen rinnen. Die Stängel müssen zur rechten Zeit gewendet, dann in Bündel gebunden und in die Scheune gefahren werden. Nun holt der Bauer den eisernen Kamm vom Boden und riffelt die Köpfe von den Stängeln.
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   * //[[autor:erichkrawc|Erich Krawc]], [[buch:sagenderlausitz|„Sagen der Lausitz“]],  Domowina Verlag 1962;//   * //[[autor:erichkrawc|Erich Krawc]], [[buch:sagenderlausitz|„Sagen der Lausitz“]],  Domowina Verlag 1962;//
-  * //[[https://www.heimatverein-merzdorf.de/?cat=16|Heimatverein Merzdorf]]// 
  
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sagen/sagenderlausitz040.1704968971.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)