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sagen:sagenbuesching077

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 ====== Das wüthende Heer und Frau Venus Berg ====== ====== Das wüthende Heer und Frau Venus Berg ======
  
-Unter dem [[typ:wütendesheer|wüthenden Heere]] versteht man das Jagdgeschrei und Gebell der [[typ:hund|Hunde]], welches man zu Zeiten nächtlich in den Wäldern hört. Manch wilder [[typ:Jäger]] und unmilder König, der das Wild in seinen Forsten hegte, auf daß es die Saaten seiner Unterthanen vertilgte, soll nun so umher reiten. So glaubten sonst die Dänen, der [[typ:Geist]] ihres ruchlosen Königs Abel ritte in den Wildnissen und einigen andern Orten auf der [[typ:Jagd]] sichtbarlich herum. Zu Frankreich, in Tours, glaubte man, daß König Hugo der nächtliche Reuter sei und selbst der fromme König Artus ((Le chariot de roi Artus, ou le char du diable. Glossaire de la langue romane p. Rocquefort. I. 240.)) kam in den Verdacht, daß er mit seiner Massenei umherschwärme.+Unter dem [[wesen:wütendesheer|wüthenden Heere]] versteht man das Jagdgeschrei und Gebell der Hunde, welches man zu Zeiten nächtlich in den Wäldern hört. Manch [[wesen:wilderjäger|wilder Jäger]] und unmilder König, der das Wild in seinen Forsten hegte, auf daß es die Saaten seiner Unterthanen vertilgte, soll nun so umher reiten. So glaubten sonst die [[volk:Dänen]], der Geist ihres ruchlosen Königs Abel ritte in den Wildnissen und einigen andern Orten auf der Jagd sichtbarlich herum. Zu [[land:Frankreich]], in Tours, glaubte man, daß König Hugo der nächtliche Reuter sei und selbst der fromme [[wesen:artus|König Artus]] ((Le chariot de roi Artus, ou le char du diable. Glossaire de la langue romane p. Rocquefort. I. 240.)) kam in den Verdacht, daß er mit seiner Massenei umherschwärme.
  
-In Deutschland hielt man aber am meisten dafür, es sei Frau [[gott:Venus]], die, aus dem Venusberge kommend, mit ihrem verführerischen Heere durch die Lande zöge und neue Einwohner ihrem Lande zu gewinnen suche. [[vip:Tannhäuser]], der [[vip:treuereckart|treue Eckard]] genannt, ginge vor diesem tollwüthenden Heere voran und, mit einem [[typ:stab|Stabe]] bewaffnet, weise er zurück die Leute, die er im Wege fünde und helfe ihnen sich zu retten. Davon hat man ein altes Lied:+In [[land:Deutschland]] hielt man aber am meisten dafür, es sei Frau [[gott:Venus]], die, aus dem [[region:hörselberg|Venusberge]] kommend, mit ihrem verführerischen Heere durch die Lande zöge und neue Einwohner ihrem Lande zu gewinnen suche. [[wesen:Tannhäuser]], der [[wesen:treuereckart|treue Eckard]] genannt, ginge vor diesem tollwüthenden Heere voran und, mit einem Stabe bewaffnet, weise er zurück die Leute, die er im Wege fünde und helfe ihnen sich zu retten. Davon hat man ein altes Lied:
  
 Nun will ich aber heben an,\\ Nun will ich aber heben an,\\
 Vom Tannhäuser wollen wir singen,\\ Vom Tannhäuser wollen wir singen,\\
-Und was er [[typ:wunder|Wunders]] hat gethan\\+Und was er Wunders hat gethan\\
 Mit Frau Venussinnen.\\ Mit Frau Venussinnen.\\
  
-Der Tannhäuser war ein [[typ:Ritter]] gut,\\+Der Tannhäuser war ein Ritter gut,\\
 Er wollt' groß Wunder schauen,\\ Er wollt' groß Wunder schauen,\\
 Da zog er in Frau Venus Berg\\ Da zog er in Frau Venus Berg\\
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 »Herr Tannhäuser, ihr seid mir lieb,\\ »Herr Tannhäuser, ihr seid mir lieb,\\
 Daran sollt ihr gedenken,\\ Daran sollt ihr gedenken,\\
-Ihr habt mir einen [[typ:Eid]] geschworen,\\+Ihr habt mir einen Eid geschworen,\\
 Ihr wollt nicht von mir wenken (wanken).«\\ Ihr wollt nicht von mir wenken (wanken).«\\
  
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 »Nehm ich dann ein ander Weib,\\ »Nehm ich dann ein ander Weib,\\
 Als ich hab' in meinem Sinne,\\ Als ich hab' in meinem Sinne,\\
-So muß ich in der [[typ:hölle|Höllen]] Glut\\+So muß ich in der Höllen Glut\\
 Da ewiglich verbrennen.« \\ Da ewiglich verbrennen.« \\
  
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 »Euer' Minne ist mir worden leid,\\ »Euer' Minne ist mir worden leid,\\
 Ich hab's in meinem Sinne.\\ Ich hab's in meinem Sinne.\\
-O Venus, edle [[typ:Jungfrau]] zart,\\+O Venus, edle Jungfrau zart,\\
 Ihr seid ein' Teufelinne.«\\ Ihr seid ein' Teufelinne.«\\
  
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 In Jammer und in Reuen:\\ In Jammer und in Reuen:\\
 »Ich will gen [[geo:Rom]] in die Stadt,\\ »Ich will gen [[geo:Rom]] in die Stadt,\\
-Allaus dem [[typ:Papst]] vertrauen.\\+Allaus dem [[vip:papsturbaniv|Papst]] vertrauen.\\
  
 Nun fahr' ich fröhlich auf die Bahn,\\ Nun fahr' ich fröhlich auf die Bahn,\\
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 Herr Papst, geistlicher Vater mein,\\ Herr Papst, geistlicher Vater mein,\\
-Ich klag euch meine [[typ:Sünde]],\\+Ich klag euch meine Sünde,\\
 Die ich mein' Tag begangen hab',\\ Die ich mein' Tag begangen hab',\\
 Als ich euch will verkünden.\\ Als ich euch will verkünden.\\
Zeile 107: Zeile 107:
 Ein Jahr auf dieser Erden,\\ Ein Jahr auf dieser Erden,\\
 So wollt' ich Reu und Buß empfahn\\ So wollt' ich Reu und Buß empfahn\\
-Und Gottes [[typ:gnade|Gnad]] erwerben.«\\+Und Gottes Gnad erwerben.«\\
  
 Da zog er wieder aus der Stadt,\\ Da zog er wieder aus der Stadt,\\
Zeile 134: Zeile 134:
 Wo ihn Gott will hinweisen.\\ Wo ihn Gott will hinweisen.\\
  
-Das soll nimmer kein [[typ:Priester]] thun,\\+Das soll nimmer kein Priester thun,\\
 Dem Menschen Mißtrost geben,\\ Dem Menschen Mißtrost geben,\\
 Will er dann Buß und Reu empfahn,\\ Will er dann Buß und Reu empfahn,\\
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 Wilhelmus Neubrigensis im ersten Buche der Englischen Historie Kapitel 38 erzählt nachfolgende Geschichte: In der Provinz Deir, nicht weit von meinem Vaterland', hat sich diese wunderbare Geschichte zugetragen, welche ich von Jugend auf weiß: Wilhelmus Neubrigensis im ersten Buche der Englischen Historie Kapitel 38 erzählt nachfolgende Geschichte: In der Provinz Deir, nicht weit von meinem Vaterland', hat sich diese wunderbare Geschichte zugetragen, welche ich von Jugend auf weiß:
  
-Es ist ein Flecken, etliche Meilen Weges vom Orientalischen Meere gelegen, dabei die berühmten Wässer Vipsä genannt, aus welchem Flecken ein [[typ:Bauer]] zu seinem Freund', im nächsten Flecken wohnend, ihn zu besuchen gezogen. Und als er in eiteler Nacht wieder nach Hause verreisen wollte, siehe! da hat er in dem nächsten Berge, welchen ich oft gesehen habe, der zwo oder drei Stadien vom Dorfe liegt, liebliche Stimmen der Sänger und ein lustiges Gelach' gehöret. Er verwunderte sich, wer dort an dem Ort in solcher Nacht, mit so herrlichen Freuden, der Nacht ihre Ruhe zerstört und hat solches selbst sehen wollen. Als er an der Seite des Berges eine offene Thür bemerkt, ist er hinzugetreten und hat hinein gesehen, allda er ein schön, weit und scheinbarlich Haus erblickt, so da ganz voll war von Mann und Weibspersonen, so da zu Tische saßen.+Es ist ein Flecken, etliche Meilen Weges vom Orientalischen Meere gelegen, dabei die berühmten Wässer Vipsä genannt, aus welchem Flecken ein Bauer zu seinem Freund', im nächsten Flecken wohnend, ihn zu besuchen gezogen. Und als er in eiteler Nacht wieder nach Hause verreisen wollte, siehe! da hat er in dem nächsten Berge, welchen ich oft gesehen habe, der zwo oder drei Stadien vom Dorfe liegt, liebliche Stimmen der Sänger und ein lustiges Gelach' gehöret. Er verwunderte sich, wer dort an dem Ort in solcher Nacht, mit so herrlichen Freuden, der Nacht ihre Ruhe zerstört und hat solches selbst sehen wollen. Als er an der Seite des Berges eine offene Thür bemerkt, ist er hinzugetreten und hat hinein gesehen, allda er ein schön, weit und scheinbarlich Haus erblickt, so da ganz voll war von Mann und Weibspersonen, so da zu Tische saßen.
  
-Einer aber aus den Aufwärtern, als er ihn gesehen an der Thüre stehen, hat ihm einen [[typ:Becher]] gebracht, welchen, nachdem er ihn genommen, er mit Fleiß nicht hat wollen trinken, sondern hat ihn ausgegossen, den Becher behalten und ist schnell davon gerannt. Als sich ein Tumult in der [[typ:höhle|Höle]], wegen des Bechers, erhob und ihm etliche nacheileten, ist er mit seinem schnellen [[typ:pferd|Pferde]] davon geritten und hat sich mit seinem [[typ:raub|Raube]] in den Flecken begeben. Solcher Becher von unbekannter Materie, einer seltsamen und ungewöhnlichen Farbe und Form, ist Heinrich, dem alten Könige von Engeland, als ein Geschenk dargebothen und darnach der Königin Bruder David, König von Schottland, überschickt worden und ward viele Jahre in dem [[typ:schatz|Schatze]] des Königs behalten, dann aber dem König Heinrich dem zweiten, so solchen zu sehen begehrte, wiederum vom König Wilhelm aus Schottland zugeschickt+Einer aber aus den Aufwärtern, als er ihn gesehen an der Thüre stehen, hat ihm einen Becher gebracht, welchen, nachdem er ihn genommen, er mit Fleiß nicht hat wollen trinken, sondern hat ihn ausgegossen, den Becher behalten und ist schnell davon gerannt. Als sich ein Tumult in der Höle, wegen des Bechers, erhob und ihm etliche nacheileten, ist er mit seinem schnellen Pferde davon geritten und hat sich mit seinem Raube in den Flecken begeben. Solcher Becher von unbekannter Materie, einer seltsamen und ungewöhnlichen Farbe und Form, ist Heinrich, dem alten Könige von Engeland((Anmerkung Sagenwiki: Heinrich I. (englisch Henry I; * um 1068 in Selby in Yorkshire; † 1. Dezember 1135 in Lyons-la-Forêt in der Normandie) wegen seines Interesses an den Wissenschaften Henry Beauclerk oder Henry Beauclerc genannt, war von 1100 bis 1135 König von England. Heinrich war der jüngste Sohn Wilhelms des Eroberers und seiner Ehefrau Mathilde von Flandern. Quelle: [[https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(England)|Wikipedia]])), als ein Geschenk dargebothen und darnach der Königin Bruder David, König von Schottland, überschickt worden und ward viele Jahre in dem Schatze des Königs behalten, dann aber dem König Heinrich dem zweiten, so solchen zu sehen begehrte, wiederum vom König Wilhelm aus Schottland((Anmerkung Sagenwiki: Wilhelm I. der Löwe (Schottisch-Gälisch (mittelalt.): Uilliam mac Eanric, modernes Schottisch-Gälisch: Uilleam mac Eanraig (dt. Wilhelm, Sohn Heinrichs), engl. William I the Lion, William Dunkeld, William Canmore; * um 1142; † 4. Dezember 1214 auf Stirling Castle) war schottischer König. Mit 49 Jahren war seine Herrschaft die längste Regierungszeit eines schottischen Königs im Mittelalter und nach der Herrschaft von Jakob VI. die längste Regierung eines schottischen Königs. Quelle: [[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_I._(Schottland)|Wikipedia]])) zugeschickt
  
-Andere setzen auch den Venusberg an den Nursiner See in Italien, wo man die Venus lebendig in einer Höle zu sehen vermeint, die alle Wochen in eine [[typ:schlange|Schlange]] sich verwandelte, und ward eine Wacht um die Höle gehalten, um die Leute abzuhalten, die mit Beschwörungen umgehen.+Andere setzen auch den Venusberg an den Nursiner See in Italien, wo man die Venus lebendig in einer Höle zu sehen vermeint, die alle Wochen in eine Schlange sich verwandelte, und ward eine Wacht um die Höle gehalten, um die Leute abzuhalten, die mit Beschwörungen umgehen.
  
 //Quelle: [[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812,// //Quelle: [[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812,//
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