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sagen:sagenbuesching075

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 ====== Die Daneels-Höle ====== ====== Die Daneels-Höle ======
  
-Am mitternächtlichen Abhang des Berges, auf dessen Gipfel das Kloster Huyseburg, eine Meile vorwärts von [[geo:Halberstadt]], liegt, zeigt sich eine künstlich ausgehaune Felsenhöle, von ziemlich beträchtlichem Umfang, die jetzt, da der Wald an dieser Stelle stark ausgehauen ist, dem suchenden Auge leicht sich darbietet, einst aber von dickbelaubten Eichen und Buchen völlig versteckt war. Jetzt sieht man nur noch die nackten ofnen Felsenwände, und unterscheidet zwei Gemächer, deren eins zu einem Auffenthalt für Menschen, das andere zum Pferdestall bereitet war. Noch bemerkt man an der obern Decke eine durch die Kunst gemachte Oefnung, welche den starken Fels durchdringt. Das Volk erzählt davon folgende Sage.+Am mitternächtlichen Abhang des Berges, auf dessen Gipfel das [[kirche:klosterhuysburg|Kloster Huyseburg]], eine Meile vorwärts von [[geo:Halberstadt]], liegt, zeigt sich eine künstlich ausgehaune Felsenhöle, von ziemlich beträchtlichem Umfang, die jetzt, da der Wald an dieser Stelle stark ausgehauen ist, dem suchenden Auge leicht sich darbietet, einst aber von dickbelaubten Eichen und Buchen völlig versteckt war. Jetzt sieht man nur noch die nackten ofnen Felsenwände, und unterscheidet zwei Gemächer, deren eins zu einem Auffenthalt für Menschen, das andere zum Pferdestall bereitet war. Noch bemerkt man an der obern Decke eine durch die Kunst gemachte Oefnung, welche den starken Fels durchdringt. Das Volk erzählt davon folgende Sage.
  
 „In dieser Höle wohnte einst ein Räuber, der viele Jahre die ganze Gegend umher unsicher machte. Sein Name war Daneel, oder, Daneil. Sein Bruder, ein Sternseher, hatte ihm diesen Schlupfwinkel aufgesucht, und für seine Absichten eingerichtet. Der Undankbare ermordete ihn, damit sein verborgener Auffenthalt desto weniger verrathen werden könnte. „In dieser Höle wohnte einst ein Räuber, der viele Jahre die ganze Gegend umher unsicher machte. Sein Name war Daneel, oder, Daneil. Sein Bruder, ein Sternseher, hatte ihm diesen Schlupfwinkel aufgesucht, und für seine Absichten eingerichtet. Der Undankbare ermordete ihn, damit sein verborgener Auffenthalt desto weniger verrathen werden könnte.
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 Nun wurde der eingeschloßne Räuber durch Ströme kochenden Wassers, die man unaufhörlich durch die Oefnung hineingoß, indem das in Reihe gestellte Volk die gefüllten Eimer von Hand zu Hand reichte, bestürmt und geängstet. Nach einigen Stunden hörte man ihn unruhig bald aus seinem Gemach in den Pferdestall, bald aus diesem in jenes herüberlaufen. Aber nun bemerkte man auch, daß das Wasser, durch eine Menge kleiner nicht zu verstopfenden Ritzen, fast eben so schnell wieder ablaufe, als es hineingegossen werde. Endlich fiel man darauf, das Wasser durch beigemischtes Mehl zu verdicken. Die benachbarten Mühlen und Dörfer mußten ihre Vorräthe liefern; und nun wurde stundenlang unaufhörlich heißer Brei in die Höle hineingeschüttet. Endlich wurde es ganz still in der Höle. Da lange keine Spur vom Leben des Räubers mehr bemerkt war, wurde endlich die eiserne Pforte durch Brecheisen aufgesprengt. Und, gleich am Eingang fand man den zusammen gekrümmten Leichnam des Unholds.“  Nun wurde der eingeschloßne Räuber durch Ströme kochenden Wassers, die man unaufhörlich durch die Oefnung hineingoß, indem das in Reihe gestellte Volk die gefüllten Eimer von Hand zu Hand reichte, bestürmt und geängstet. Nach einigen Stunden hörte man ihn unruhig bald aus seinem Gemach in den Pferdestall, bald aus diesem in jenes herüberlaufen. Aber nun bemerkte man auch, daß das Wasser, durch eine Menge kleiner nicht zu verstopfenden Ritzen, fast eben so schnell wieder ablaufe, als es hineingegossen werde. Endlich fiel man darauf, das Wasser durch beigemischtes Mehl zu verdicken. Die benachbarten Mühlen und Dörfer mußten ihre Vorräthe liefern; und nun wurde stundenlang unaufhörlich heißer Brei in die Höle hineingeschüttet. Endlich wurde es ganz still in der Höle. Da lange keine Spur vom Leben des Räubers mehr bemerkt war, wurde endlich die eiserne Pforte durch Brecheisen aufgesprengt. Und, gleich am Eingang fand man den zusammen gekrümmten Leichnam des Unholds.“ 
  
-//Quellen://  +//Quelle:// 
-  * //[[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 279;// +
   * //[[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812//   * //[[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812//
-  * //[[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otmar_Volcks-Sagen.pdf/279&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
  
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sagen/sagenbuesching075.1706554492.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)