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sagen:sagenbuesching072

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 Die geraubten Schätze von Gold und Silber und Edelsteinen liegen noch jetzt aufgethürmt in den verschütteten Kellern und Gewölben der Dummburg. Doch nur selten ist es einem Wanderer vergönnt, die hineinführenden Pforten zu finden, wenn er auch hier und da verfallne Eingänge entdeckt. – Geister in Mönchsgestalten, oder auch leibhafte Mönche, steigen hier öfters hinab. Die geraubten Schätze von Gold und Silber und Edelsteinen liegen noch jetzt aufgethürmt in den verschütteten Kellern und Gewölben der Dummburg. Doch nur selten ist es einem Wanderer vergönnt, die hineinführenden Pforten zu finden, wenn er auch hier und da verfallne Eingänge entdeckt. – Geister in Mönchsgestalten, oder auch leibhafte Mönche, steigen hier öfters hinab.
  
-Einst sah’ ein armer Holzhauer, der hinter den Felsentrümmern eine Buche fällen wollte, einen Mönch langsam daher kommen durch den Forst, und verbarg sich hinter dem Baum. Der Mönch ging vorbei, und in die Klippen hinein. Der Holzhauer schlich ihm nach, und sah, daß der [[typ:Mönch]] an einer kleinen Pforte stehen blieb, die noch keiner der Dorfbewohner entdeckt hatte. Der Mönch klopfte leise an, und rief: „Thürlein, öfne dich!“ und die Pforte sprang auf. „Thürlein, schließe dich!“ hört’ er rufen, und, es schloß sich die Pforte. Am ganzen Leibe zitternd bezeichnete der Holzhauer den gekrümmten Gang mit Zweigen und über einander gelegten Steinen. – Seit der Zeit konnte er nicht schlafen und nicht essen; so ängstete ihn die Neugierde, zu wissen, was in dem Keller sey, zu dem die wunderbare Pforte führte.+Einst sah’ ein armer Holzhauer, der hinter den Felsentrümmern eine Buche fällen wollte, einen Mönch langsam daher kommen durch den Forst, und verbarg sich hinter dem Baum. Der Mönch ging vorbei, und in die Klippen hinein. Der Holzhauer schlich ihm nach, und sah, daß der Mönch an einer kleinen Pforte stehen blieb, die noch keiner der Dorfbewohner entdeckt hatte. Der Mönch klopfte leise an, und rief: „Thürlein, öfne dich!“ und die Pforte sprang auf. „Thürlein, schließe dich!“ hört’ er rufen, und, es schloß sich die Pforte. Am ganzen Leibe zitternd bezeichnete der Holzhauer den gekrümmten Gang mit Zweigen und über einander gelegten Steinen. – Seit der Zeit konnte er nicht schlafen und nicht essen; so ängstete ihn die Neugierde, zu wissen, was in dem Keller sey, zu dem die wunderbare Pforte führte.
  
-Den nächsten Sonnabend fastete er; und mit Sonnenaufgang ging er am Sonntage, mit dem Rosenkranz in der Hand, hin zu den bezeichneten Klippen. Jetzt stand er vor der Pforte, und klappte mit den Zähnen; denn immer dacht’ er einen Geist kommen zu sehen in Mönchsgestalt. Aber, es erschien ihm kein Geist. Zitternd schlich er heran zur Pforte, lauschte lange, und – hörte nichts. Endlich betete er in der Angst seines Herzens zu allen Heiligen und der [[vip:jungfraumaria|Jungfrau]], und klopfte dann schnell, halb ohne Besinnung, an die Pforte. „Thürlein, öfne dich!“ sprach er mit schwacher, bebender Stimme. Die Pforte sprang auf, und er sahe vor sich einen schmalen dämmernden Gang. Er wankte hinein; und der Gang verlohr sich bald in ein geräumiges, ziemlich helles Gewölbe. „Thürlein, schließe dich!“ sagte er, ohne es zu wollen. Da schloß sich hinter ihm die Pforte.+Den nächsten Sonnabend fastete er; und mit Sonnenaufgang ging er am Sonntage, mit dem Rosenkranz in der Hand, hin zu den bezeichneten Klippen. Jetzt stand er vor der Pforte, und klappte mit den Zähnen; denn immer dacht’ er einen Geist kommen zu sehen in Mönchsgestalt. Aber, es erschien ihm kein Geist. Zitternd schlich er heran zur Pforte, lauschte lange, und – hörte nichts. Endlich betete er in der Angst seines Herzens zu allen Heiligen und der [[vip:hlgmaria|Jungfrau]], und klopfte dann schnell, halb ohne Besinnung, an die Pforte. „Thürlein, öfne dich!“ sprach er mit schwacher, bebender Stimme. Die Pforte sprang auf, und er sahe vor sich einen schmalen dämmernden Gang. Er wankte hinein; und der Gang verlohr sich bald in ein geräumiges, ziemlich helles Gewölbe. „Thürlein, schließe dich!“ sagte er, ohne es zu wollen. Da schloß sich hinter ihm die Pforte.
  
 Nun ging er zitternd vorwärts, und fand große ofne Fässer und Säcke, angefüllt mit alten Thalern und feinen Gulden, und schweren Goldstücken. Auch standen da mehrere Schmuckkästchen voll Juwelen und Perlen; kostbare Monstranzen und geschmückte Heiligenbilder lagen und standen auf silbernen Tischen in den Ecken der Höle. Der Holzhauer bekreuzte und segnete sich, wünschte tausend Meilen sich von dem bezauberten Ort; und konnte doch der Begierde nicht widerstehen, etwas zu nehmen von den ungebrauchten Schätzen, um seine Frau und seine acht Kinder zu kleiden, die lange schon in Lumpen gingen. Nun ging er zitternd vorwärts, und fand große ofne Fässer und Säcke, angefüllt mit alten Thalern und feinen Gulden, und schweren Goldstücken. Auch standen da mehrere Schmuckkästchen voll Juwelen und Perlen; kostbare Monstranzen und geschmückte Heiligenbilder lagen und standen auf silbernen Tischen in den Ecken der Höle. Der Holzhauer bekreuzte und segnete sich, wünschte tausend Meilen sich von dem bezauberten Ort; und konnte doch der Begierde nicht widerstehen, etwas zu nehmen von den ungebrauchten Schätzen, um seine Frau und seine acht Kinder zu kleiden, die lange schon in Lumpen gingen.
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 Jetzt hörte er das Läuten zur Messe in dem Kloster. Er betete seinen Rosenkranz; dann pochte er leise an die Pforte. „Thürlein, öffne dich!“ Es öffnete sich die Pforte; aber – o Jammer! da lag der blutende Körper seines bösen Nachbars ausgestreckt auf seinen Säcken, und die Fässer und Kasten voll Gold und Silber und Diamanten und Perlen sanken vor seinen Augen immer tiefer und tiefer in die Erde! Jetzt hörte er das Läuten zur Messe in dem Kloster. Er betete seinen Rosenkranz; dann pochte er leise an die Pforte. „Thürlein, öffne dich!“ Es öffnete sich die Pforte; aber – o Jammer! da lag der blutende Körper seines bösen Nachbars ausgestreckt auf seinen Säcken, und die Fässer und Kasten voll Gold und Silber und Diamanten und Perlen sanken vor seinen Augen immer tiefer und tiefer in die Erde!
  
-//Quellen://  +//Quelle:// 
-  * //[[autor:johann_karl_christoph_nachtigal|Johann Karl Christoph Nachtigal]]: [[buch:volckssagen|Volcks-Sagen]]. Wilmans, Bremen 1800, Seite 225;// +
   * //[[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812;//   * //[[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812;//
-  * //[[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otmar_Volcks-Sagen.pdf/225&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
  
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