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sagen:sagenbuesching069h

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-====== Der Kaiser und die Musikanten ======+====== Der verzauberte Kaiser ======
  
-In seinem verzauberten Zustande liebt der [[vip:friedrichbarbarossa|Kaiser]] Musik sehr. Mancher Hirt, der hier auf seiner [[lex:Schalmei]] blieswurde schon zu ihm eingeladenum ihm etwas vorzublasen, und dann beschenkt. Das war bekannt in der Gegend. Eine Gesellschaft [[typ:musikant|Musikanten]] beschloß daherihm eine vollständige Nachtmusik zu bringen. In einer finstern Mitternachtsstunde machen sie sich auf, und als unten in [[geo:Tilleda]] die [[typ:Glocke]] zwölf schlug, blasen sie los.+»Ein Bergmann, der still und fromm für sich lebte, ging einst am dritten [[zeit:ostern|Ostertage]] auf den [[region:Kyffhäuser]]. Da fand er an der hohen Warte einen Mönch sitzenmit einem langen weißen Bartder ihm bis auf die Knie reichte. Als dieser den Bergmann sahe, machte er ein großes Buch zu, worin es las, und sagte freundlich zu ihm: Komm mit mir zum [[vip:friedrichbarbarossa|Kaiser Friedrich]], der wartet schon seit einer Stunde auf uns. Der [[wesen:Zwerg]] hat mir schon die [[ding:Springwurzel]] gebracht.
  
-Beim zweiten Murki kommt die Prinzessin mit Lichtern in der Hand auf sie zugetanzt, und ladet mit Mienen sie einihr zu folgen. Der Berg öffnet sich, die ganze Gesellschaft zieht spielend ein. Essen und Trinken wird reichlich aufgetischt, und die Kapellisten lassen sich's gut schmecken. Das war nun zwar recht gutaber sie wollen gern auch etwas von den Brillanten habendie nur so herum lagenAllein niemand bietet ihnen etwas an. Nicht ganz zufrieden, brechen sie endlich auf, als schon der Morgen grautemeinend, beim Abschiede würde es doch ein Trinkgeld gebenAllein, der Kaiser nickt ihnen, ganz nach großer Herren Art, freundlich zu, und seine erlauchte Tochter giebt jedem Musikanten einen grünen Busch.+Dem Bergmann eiste es über den ganzen Körper; doch der Mönch sprach ihm so tröstlich zu, daß er ganz freudig mitging, und ihm versprachkeinen Laut hören zu lassen, es möchte auch kommenwas kämeSie gingen nun auf einen freien Platz, der ringsum mit einer Mauer umschlossen war. Da machte der Mönch einen großen Kreis mit seinem Krummstabeund schrieb wunderbare Zeichen in den SandDann las er lange und laut Gebete aus dem großen Buchdie der Bergmann aber nicht verstand. Endlich schlug er mit seinem Stabe dreimal auf die Erde, und rief: Thue dich auf!
  
-Ehrenthalber nimmt ihn ein jeder anals sie aber wieder im Freien sindwerfen sie die Büsche weg, und räsonniren und lachen über ein solch kaiserliches GeschenkNur einer behält den Buschum ihn zum Andenken aufzuhebenAls er nach Hause kommt, und seinem Weibe den Busch aus [[typ:Scherz]] überreichtsieheda hatten sich alle Blätter in goldene [[typ:taler|Zehnthalerstücke]] verwandelt. Flugs liefen die Andern alle auf den Berg zurück, wollten ihre Büsche wiederholenaber – fort waren sie.+Da entstand unter ihren Füßen ein dumpfes Getösewie bei einem fernen Gewitter; es zittert unter ihnen die Erde. Und nun sinkt der Bergmann mit dem Mönch, der seine Hand umfaßt hat, mit dem Boden, so weit der Kreis umzeichnet war, ganz sanft in die Tiefe hinab. Sie treten hinunter, und der Boden steigt wieder langsam hinauf. Nun waren sie in einem großen Gewölbe. 
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 +Der Mönch geht mit festem Schritt voran, der Bergmann mit zitternden Knieen hinter her. So gehn sie einige Gänge hindurch, bis es anfängt ganz dunkel um sie her zu werden. Bald aber finden sie eine ewige Lampeund sehen, daß sie sich in einem geräumigen Kreuzgang befinden. Der Mönch steckt hier zwei Fackeln anfür sich und seinen BegleiterSie gehen fortund mit einemmal stehen sie vor einem großen eisernen Kirchenthor. 
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 +Der Mönch betet, hält die Springwurzel, vor der alle bezauberte Riegel aufspringen, an das Schloß, und ruftOeffne dichThürUnd mit Donnerkrachen springen alle die eisernen Riegel und Schlösser von selbst auf, und sie sehen vor sich eine runde Kapelle. Der Boden war spiegelglatt, wie Eis, und wer nicht keusch und züchtig gelebt hatte (so sagte nachmals der Mönch dem Bergmann), brach hier beide Beine, und kam nie zurück. Die Decke und die Seitenwände des runden Gewölbes flimmerten und flammerten beim Schein der Fackeln. Große Zacken von Kristall und von Diamanten hingen da herab, und zwischen ihnen noch größere Zacken von gediegenem Golde. In der einen Ecke stand ein goldner Altar, in der andern ein goldnes Taufbecken auf silbernem Fuß. 
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 +Der Mönch winkte nun seinem Begleiter, gerade in der Mitte stehen zu bleiben, und gab ihm in jede Hand eine Fackel. Er selbst ging zu einer ganz silbernen Thür, klopfte dreimal mit dem Krummstabe an, und die Thür sprang auf. 
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 +Der Thür gerade gegenüber saß auf einem goldnen Thron der [[vip:friedrichbarbarossa|Kaiser Friedrich]], nicht etwa aus Stein gehauen, nein! wie er leibte und lebte, mit einer goldnen Krone auf dem Kopfe, mit dem er beständig nickte, indem er die großen Augenbraunen zusammenzog. Sein langer rother Bart war durch den steinernen Tisch, der vor ihm stand, durchgewachsen und reichte ihm bis auf die Füße herab. Dem Bergmann verging Hören und Sehen über den Anblick. 
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 +Endlich kam der Mönch zurück und zog seinen Begleiter schweigend fort. Die silberne Pforte schloß sich selbst wieder zu; das eiserne Thor schlugmit schrecklichem Geprasselhinter ihnen zusammen. Als sie den Kreuzgang hindurch wieder in die vordre Höle kamen, senkte sich langsam der kreisrunde Boden herab. Beide traten darauf und wurden sanft in die Höhe gehoben. 
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 +Oben gab der Mönch dem Bergmann zwei kleine Stangen von einem unbekannten Erz, die er aus der Kapelle mitgebracht hatte, welche seine Urenkel noch jetzt zum Andenken aufbewahren.«
  
 //Quelle: [[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812,// //Quelle: [[autor:buesching|Johann Gustav Gottlieb Büsching]]: [[buch:volkssagenbuesching|Volkssagen, Märchen und Legenden]], Leipzig, Reclam, 1812,//
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sagen/sagenbuesching069h.1681377657.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)