sagen:sagenbuesching029
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| + | ====== Die weiße Frau ====== | ||
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| + | Diese Frau ist ganz weiß, hat auf dem Haupte einen weißen Schleier, wie die Wittwen tragen, mit weißen Bändern, ist lang von Person und eines sittsamen Angesichts, in welcher Gestalt sie von einem alten Thurme, aus dem Fenster eines alten Schlosses, am Mittage heraussehend, | ||
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| + | An der Gewißheit dieses weißen Gespenstes ist keinesweges zu zweifeln, dieweil auch in etlichen kurfürstlichen und fürstlichen Häusern des Römischen Reichs, sowohl von der reformirten, | ||
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| + | »Den 16. August 1678 ritt der tapfere Prinz, auf welchen sich ganz Deutschland eine Hofnung gemacht, nehmlich der Markgraf Erdmann Philipp, von der Rennbahn zu [[geo: | ||
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| + | Also hält man in Deutschland für eine unzweifelbare Sache, daß diese weiße Frau den fürnehmsten hohen Häusern durch ihre Erscheinung eine Vorbedeutung giebt. Jedoch ist ihr Ursprung und Anfang, wie bereits oben gedacht, in Böhmen zu suchen, von dannen sie in die deutschen Höfe auch herüber kommen ist. Weil die Herrn [[familie: | ||
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| + | Wir wollen aber hierbei vorstellen, wer diese weiße Frau gewesen ist: | ||
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| + | Ohngefähr im Jahr 1430 ward Udalrich von Rosenberg dem zweiten eine Tochter geboren, genannt Bertha, von seiner Gemahlin Katharina von Wartenberg, welche gestorben ist Anno 1436 und ihm noch andere Kinder beiderlei Geschlechts geboren. Udalrich war Oberburggraf von Böhmen und durch die Autorität des Römischen Papstes zum obersten Feldherrn über das Kriegsvolk der Römischgesinnten wider die [[volk: | ||
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| + | Weil nun Meinhards, des gewesenen Statthalters und Oberburggrafen ganzes Geschlecht abgestorben, | ||
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| + | In dem alten Gebäude des Schlosses Neuhaus steht ein Bild der Bertha, in Menschen Größe, sehr alt. Alle diejenigen, welche die [[wesen: | ||
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| + | Man erzählt auch folgende Geschichten von ihr: | ||
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| + | Als im Jahre 1539 Peter Rok, der letzte seines Stammes, geboren war, und, wie man's mit vornehmen Kindern zu halten pflegt, zu Trebona (Trzebon, zu deutsch Wittengau genannt) im Frauenzimmer auferzogen ward, fing die weiße Frau an bei Nacht oft zu ihm zu kommen, wenn die Amme oder das Kindermädchen der Schlaf übernommen hatte, wiegte das Kind, nahm es auch, so es weinete, aus der Wiege auf ihre Arme, stillte es mit süßem Lispeln und andern Verfahrungen, | ||
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| + | Hernach hat es sich begeben, daß ein neues Weib in das Frauenzimmer aufgenommen worden. Als nun selbiges Weib sieht, daß die weiße Frau das Kind aus der Wiege hebt und herum trägt, meint diese, es sei eine Schande, daß man das Kind einem Gespenst vertraue, faßt deshalb ein mehr als weibliches Herz, tritt hinzu, reißt dasselbe der weißen Frau aus den Armen und spricht: »was hast du mit unserem Kinde zu schaffen?« Hierauf fährt die weiße Frau, welche bisher allezeit geschwiegen, | ||
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| + | Gleich damit hat sie sich zu allen Hofmägden gewendet und gesprochen: »und ihr habt mir, eurer gnädigen Frauen, auch niemals annoch einige Ehre erwiesen, wie sich's gebührte, darum so behaltet nun euer Kind immerhin; ich will von nun an nicht wieder kommen.« Und zu der Amme sagte sie insonderheit: | ||
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| + | Als aber dieser Peter Rok von der Amme solches, da er ein erwachsener Jüngling war, erfahren, hat er lange nicht verstanden, was damit eigentlich gemeint würde, bis er, in seinem Alter, nach Absterben seines Bruders Wilhelm, in derselbigen Wand, zu welcher die weiße Frau allezeit hatte pflegen hinein zu gehen (nachdem er vielleicht, durch eine neue Anzeigung, dazu eine Ermahnung bekommen), zu graben befohlen und daselbst einen verborgenen gewaltigen Schatz angetroffen, | ||
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| + | Zu Neuhaus ward alljährig ein Fest gefeiert, das Fest des süßen Breies, indem armen Leuten am [[zeit: | ||
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| + | Weil es aber nicht wohl möglich, daß eine so große Menge Volks an einem Orte und auf eine Zeit zugleich essen kann, läßt man auf einmal der Gäste nicht mehr ein, als der Raum des Platzes verstattet. Wenn dieselben gesättigt, läßt man sie, durch das Hintertheil des Schlosses, hinaus, und führt hingegen andere wieder herein, bis alle vorhandenen Armen gespeiset waren und keiner mehr übrig, welcher die Mahlzeit nicht genossen hätte. | ||
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| + | Die Speisen aber, so man ihnen vorsetzte, waren diese: erstlich ward ein dreipfündig Brod aufgelegt; hernach eine Suppe von Bier, oder andere Brühe, aufgesetzt, die gar fett und wohl mit Butter geschmalzet war; demnächst zweierlei Speisen von Karpfen (das heißt, Karpfen zwiefach zugerichtet) und endlich der sogenannte süße Brei, derselbe war aus Erbsen, Buchweitzen oder sonst andern Früchten gekocht. Vor Alters pflegte man ein wenig Honig hinein zu thun, daher der Name des süßen Breies. Dünnbier gab man ihnen, so viel sie verlangten, und zuletzt jedem auch sieben Prätzeln von Semmelmehl. Die meisten Gäste, besonders die Armen, nehmen mit sich nach Hause, was sie können und bringen darum zween Hafen mit sich, in den einen werfen sie zwei Theile von den Karpfen, unangesehen, | ||
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| + | Diese milde Handlung soll oftmals die Tonnen von etlichen Brauungen, so wie ganze Fischteiche geleert haben. Urkunden und Dokumente schwiegen schon früh, zur Zeit des Jesuiten Balbinus, über den Ursprung dieser frommen Sitte, die sich alljährig vom Vater zum Sohne, vom Vorgänger auf den Nachfolger vererbte. Alte hundertjährige Greise, mit weißen Scheiteln, damals befragt, erzählten, ihre Vorfahren hätten ihnen über die Entstehung des Festes folgendes erzählt und alle stimmten gleichlautend, | ||
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| + | Sie habe angefangen, das Neuhausische Schloß zu bauen und viele Jahre über solchem Werke zugebracht, mit großer Beschwerung aller Unterthanen, | ||
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| + | Nachdem endlich das Schloß in völligem Stande und vollendet, welches, nach Aussage dieser befragten Alten, im Herbst geschehen, hat die Frau, ihres Versprechens eingedenk, allen Unterthanen ein herrliches Mahl zugerichtet und unter währender Mahlzeit zu ihnen gesagt: »zu stätem Gedächtniß eurer That gegen eure liebe Herrschaft sollt ihr jährlich eine solche Mahlzeit haben. Also wird das Lob eures Verhaltens auf die späten Nachkommen fortgrünen.« | ||
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| + | Nachmals aber, – sagten diese guten ehrlichen Grauköpfe, – hätten die Herren für füglicher angesehen, daß man diese Mahlzeit, aus dem Herbste, auf den Tag und das Gedächtniß des heiligen Abendmahls verlegte, als an welchem ohnedem die Armen von reichen und vornehmen Christen bewirthet würden. Und solche Veränderung des Tages wäre eben so überalt noch nicht, ja sie erstrecke sich noch kaum über hundert Jahre. Das war es, was die hochbetagten Graubärte davon aussagten. | ||
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| + | In dem alten Schlosse Neuschloß ward auch die weiße Frau geschaut und hing daselbst die wahre Gestalt dieser verstorbenen, | ||
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| + | Wann sie erscheint, so läßt sie in ihrem Angesichte nichts als lauter sittsame Bescheidenheit, | ||
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| + | Man sagt, daß, als die [[volk: | ||
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| + | //Quelle: [[autor: | ||
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sagen/sagenbuesching029.1676027368.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
