sagen:sagenbuesching025
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| ====== Das verborgene Schloß im Walde ====== | ====== Das verborgene Schloß im Walde ====== | ||
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| - | Aber dieweil umher allenthalben ein dickes | + | Aber dieweil umher allenthalben ein dickes Gesträuch war, mußte er absitzen, das Roß anbinden und ihm mit seinem Schwerdte einen Weg räumen. Da er nun nahend an das Schloß kam, fing er mit hoher Stimme an zu rufen, aber niemand wollte ihn hören. So nahm er einen langen Baum, setzte denselben an ein Gewölbfenster und kroch also darauf hinan, bis er in das Schloß hineinkam. Er ging erstlich zum Thore und fand allda die Fallbrücke aufgehoben. Darnach ging er in die Gewölbe, darinnen er viel Fässer mit Wein gefunden, desgleichen auch viele Harnische und vermoderte Kleider. Er besah dies alles also, kroch zum selben Fenster wieder hinaus und kehrte wiederum nach dem Orte, daselbst er dieses Schloß ersehen, hielt sich also, dem Gedächtniß nach, gegen den Aufgang, bis er endlich, mit Mühe, am Abend wiederum auf das Schloß Drschtka zu den Seinigen kam. |
| Und wiewohl sie, von wegen seines Abwesens, vor diesem betrübt gewesen, so waren sie doch seiner Zukunft herzlich erfreut. Also setzte er sich hinter den Tisch, fing das Abendmahl an zu halten und fragte den Wirth: ob er etwas von einem wüsten Schlosse wisse? Er antwortete: »nein;« und er hätte niemals gehört, daß etwa in diesen Wildnissen ein Schloß sein sollte. Da zeigte ihnen der Herzog sämmtlich seinen Zustand an, darüber sie sich sehr verwunderten. Einer unter seinen Dienern, dazumal gegenwärtig, | Und wiewohl sie, von wegen seines Abwesens, vor diesem betrübt gewesen, so waren sie doch seiner Zukunft herzlich erfreut. Also setzte er sich hinter den Tisch, fing das Abendmahl an zu halten und fragte den Wirth: ob er etwas von einem wüsten Schlosse wisse? Er antwortete: »nein;« und er hätte niemals gehört, daß etwa in diesen Wildnissen ein Schloß sein sollte. Da zeigte ihnen der Herzog sämmtlich seinen Zustand an, darüber sie sich sehr verwunderten. Einer unter seinen Dienern, dazumal gegenwärtig, | ||
| - | Wer aber dies Schloß gebaut, findet man in den deutschen Chroniken so viel, daß [[vip: | + | Wer aber dies Schloß gebaut, findet man in den deutschen Chroniken so viel, daß [[vip: |
| Und als ihm dieser obangezeigte Ort der allerbequemste zu sein dünkte, führte er viel Arbeiter dahin, ließ ihrer etliche die Wälder ausreuten, etliche Steine brechen, Kalk brennen und die andern Mauern führen, Gewölbe, Thüren und andere Zimmer bauen. Da nun dieses Schloß in Eile vollendet, hat er es dermaßen mit Lebensmitteln versehen, damit er sich allda, selb zehnt, ein hundert Jahr erhalten könnte. Als aber alle Dinge, so in eine Festung gehörig, besonders aber von Gewehren und Geschossen bereitet, berief er alle die Arbeiter und das andere Gesinde in eine Stube vor das Schloß, versperrte sie auf das härteste und zündete das Gebäu mit eigener Hand an und verderbte sie allesammt, daß er nur ganz einsam auf dem Schlosse blieb. Dies that er darum, damit niemand ferner von diesem Schlosse etwas erführe; blieb eine kleine Zeit allda und kehrte wieder zu des Kaisers Hoff und dienete ihm, wie zuvor. | Und als ihm dieser obangezeigte Ort der allerbequemste zu sein dünkte, führte er viel Arbeiter dahin, ließ ihrer etliche die Wälder ausreuten, etliche Steine brechen, Kalk brennen und die andern Mauern führen, Gewölbe, Thüren und andere Zimmer bauen. Da nun dieses Schloß in Eile vollendet, hat er es dermaßen mit Lebensmitteln versehen, damit er sich allda, selb zehnt, ein hundert Jahr erhalten könnte. Als aber alle Dinge, so in eine Festung gehörig, besonders aber von Gewehren und Geschossen bereitet, berief er alle die Arbeiter und das andere Gesinde in eine Stube vor das Schloß, versperrte sie auf das härteste und zündete das Gebäu mit eigener Hand an und verderbte sie allesammt, daß er nur ganz einsam auf dem Schlosse blieb. Dies that er darum, damit niemand ferner von diesem Schlosse etwas erführe; blieb eine kleine Zeit allda und kehrte wieder zu des Kaisers Hoff und dienete ihm, wie zuvor. | ||
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| Auf eine Zeit hatte des Kaisers Tochter mit dem Grafen ein Vernehmen und ging vor das Schloß, darauf der Kaiser seine Hofhaltung hatte, hinaus. Allda erhaschte sie der Graf, und dieweil es mit ihrem Willen geschah, hatte er sie leicht mitzunehmen. Also saß sie hinter ihn auf sein Roß, ermahnete ihn, daß er eilen sollte und gesegnete weder Vater noch Mutter. Sie eilten in den Wäldern hin und her in der Irre; denn zu diesem Schlosse durchaus kein Weg war, und suchten also das Schloß, bis sie eines Tages sehr früh hinzukamen. Da gingen sie hinein und lebten mit einander in Freuden und genossen also dessen, was ihm der Graf zuvor bereitet hatte. Solches geschah im Jahre 925. | Auf eine Zeit hatte des Kaisers Tochter mit dem Grafen ein Vernehmen und ging vor das Schloß, darauf der Kaiser seine Hofhaltung hatte, hinaus. Allda erhaschte sie der Graf, und dieweil es mit ihrem Willen geschah, hatte er sie leicht mitzunehmen. Also saß sie hinter ihn auf sein Roß, ermahnete ihn, daß er eilen sollte und gesegnete weder Vater noch Mutter. Sie eilten in den Wäldern hin und her in der Irre; denn zu diesem Schlosse durchaus kein Weg war, und suchten also das Schloß, bis sie eines Tages sehr früh hinzukamen. Da gingen sie hinein und lebten mit einander in Freuden und genossen also dessen, was ihm der Graf zuvor bereitet hatte. Solches geschah im Jahre 925. | ||
| - | Nach fünf Jahren aber hatte der Kaiser seine Hofhaltung zu [[geo: | + | Nach fünf Jahren aber hatte der Kaiser seine Hofhaltung zu [[geo: |
| - | Als es aber begunnte finster zu werden, kam er an des Schlosses Thor und fing an ohne Unterlaß zu schreien und zu rufen; denn er nun in dreien Tagen nichts gegessen und von kaltem | + | Als es aber begunnte finster zu werden, kam er an des Schlosses Thor und fing an ohne Unterlaß zu schreien und zu rufen; denn er nun in dreien Tagen nichts gegessen und von kaltem Regen sehr naß geworden war. Graf Albert und Helena erschracken sehr, doch ging der Graf über das Brückenthor, |
| - | Er aber kennete sie beide, die Tochter und den Eidam gar wohl, durfte sich ihnen aber nicht offenbaren; denn er mußte für sich ein [[typ:Unglück]] erwarten. Sie zündeten ein [[typ:Licht]] an und verehrten ihn mit großer Begierde; denn sie, einen Menschen zu sehen, sehr verlangte. Sie fragten ihn auch: wer und von wannen er wäre? Er aber verkehrte zum Theil seine Sprache und Stimme und gab für, er wäre ein Ritter aus [[land: | + | Er aber kennete sie beide, die Tochter und den Eidam gar wohl, durfte sich ihnen aber nicht offenbaren; denn er mußte für sich ein Unglück erwarten. Sie zündeten ein Licht an und verehrten ihn mit großer Begierde; denn sie, einen Menschen zu sehen, sehr verlangte. Sie fragten ihn auch: wer und von wannen er wäre? Er aber verkehrte zum Theil seine Sprache und Stimme und gab für, er wäre ein Ritter aus [[land: |
| - | Der [[vip: | + | Der [[vip: |
| - | Der Kaiser nahm ihm den Ort und die Gelegenheit der Wälder gar wohl in Acht; denn dieser Tag viel heller als der vorhergehende war und wandte sich nach Mittag. Und als er nach [[geo: | + | Der Kaiser nahm ihm den Ort und die Gelegenheit der Wälder gar wohl in Acht; denn dieser Tag viel heller als der vorhergehende war und wandte sich nach Mittag. Und als er nach [[geo: |
| - | Als nun das Kriegsvolk bei [[geo:Regensburg]] zusammenkam, | + | Als nun das Kriegsvolk bei Regensburg zusammenkam, |
| - | Der Graf erhörte das Getümmel, lief eilends über die [[typ:Brücke]] auf das Thor und fragte: was das bedeute? Ihm wurde zur Antwort dieses: »der Kaiser Heinrich, welcher neulich bei euch auf diesem Schlosse gewesen und das Brod mit euch gegessen, welchen ihr, von wegen der Länge seines Bartes, nicht gekannt, hat uns befohlen, daß wir euch und seiner Tochter auf Leib und Leben absagen sollen.« Der Graf gab zur Antwort: er wolle sich wehren, aber er hätte nichts womit; denn alle [[typ: | + | Der Graf erhörte das Getümmel, lief eilends über die Brücke auf das Thor und fragte: was das bedeute? Ihm wurde zur Antwort dieses: »der Kaiser Heinrich, welcher neulich bei euch auf diesem Schlosse gewesen und das Brod mit euch gegessen, welchen ihr, von wegen der Länge seines Bartes, nicht gekannt, hat uns befohlen, daß wir euch und seiner Tochter auf Leib und Leben absagen sollen.« Der Graf gab zur Antwort: er wolle sich wehren, aber er hätte nichts womit; denn alle Armbrüste vermodert und die Sehnen verfault wären; und fing allein an sich mit Steinwerfen zu wehren. Helena lief eilends auf die umlaufende Wehr, schrie mit heller Stimme und sprach: »ihr sollt es sämmtlich wissen, daß ich, nach meinem lieben Herrn und Grafen, nicht eine Stunde leben will; wird mich nicht jemand anders ermorden, so will ich mich selbst umbringen.« |
| - | Die Herzoge traten für den Kaiser und suchten diesen Zweien | + | Die Herzoge traten für den Kaiser und suchten diesen Zweien Gnade. Die Bitte währete so lange, bis sich der Kaiser bewegen ließ und fing an (denn er selbst auch ein Buler war) zu weinen und sprach: »o, Minne, wie hast du so viel und mancherlei Fälle!« Allda wurde bald Friede gemacht und dem Grafen ein Vertrag angemeldet. Der Graf und Helena ließen die Brücke nieder, gingen dem Kaiser entgegen, fielen ihm zu Fuß und baten um Gnade. Der Kaiser, als ein gnädiger Potentat, erließ ihnen alle ihre Schuld und befahl, daß sie alsbald mit ihm gen Regensburg ziehen sollten. Sie nahmen ihre Schätze, welche sie vor dem Saale vergraben gehabt, huben die Brücke auf, gingen heraus, beschlossen nach sich das Schloß und wandten sich also mit dem Kaiser und den Fürsten nach [[land: |
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