sagen:sagenbuesching022
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| Herzog Borziwog zu Tein wollte sich, im Jahr 909, einstmals erlustigen, nahm zu sich etliche seiner Diener und Hunde, ritt auf die Jagd, in ein tiefes Thal, über das Wasser die Misa genannt; daselbst schoß er mit seinem Bogen ein großes Reh. Als es nun getroffen, wollte es die Flucht geben, aber der Herzog Borziwog und seine Diener eilten ihm mit ihren Rossen schleunig nach. Und als es unter einen hohen und sehr großen Steinfelsen, | Herzog Borziwog zu Tein wollte sich, im Jahr 909, einstmals erlustigen, nahm zu sich etliche seiner Diener und Hunde, ritt auf die Jagd, in ein tiefes Thal, über das Wasser die Misa genannt; daselbst schoß er mit seinem Bogen ein großes Reh. Als es nun getroffen, wollte es die Flucht geben, aber der Herzog Borziwog und seine Diener eilten ihm mit ihren Rossen schleunig nach. Und als es unter einen hohen und sehr großen Steinfelsen, | ||
| - | Bald trat ein ziemlich hoher Mann, eines grausamen Ansehens, in einem langen Rock, mit einem Stabe und barfuß, im langen Haar, dem auch die Haare an den Augenliedern überhingen, | + | Bald trat ein ziemlich hoher Mann, eines grausamen Ansehens, in einem langen Rock, mit einem Stabe und barfuß, im langen Haar, dem auch die Haare an den Augenliedern überhingen, |
| - | Borziwog sprach: »ich bitte dich, führe mich in deine Wohnung.« Der Mann sprach: »nun komme, und besiehe dieselbige.« Wandte sich damit um und ging an den Felsen. Borziwog folgte ihm mit seinen Dienern nach. Und als sie hinein kamen, verwunderten sie sich über eine solche Wohnung. Der Herzog sprach zu ihm: »Lieber, sage mir deinen Namen?« Er sprach: »in der Taufe bin ich Iwan genannt worden.« Borziwog fragte: »von wannen bist du hieher kommen? Aus welcher Nazion bist du, oder wie lange hast du hier gewohnt?« Iwan antwortete: »ich bin aus Krabaten herkommen, mein Vater hat Gestimulus und meine Mutter Elisabeth geheißen. Zu der Zeit, als ich hierher kommen bin, hat, wie ich vernommen, Neklan das Land regieret. Es ist allbereit zwei und vierzig Jahre, daß ich allhier wohne, in vierzehen Jahren hat mich auch kein Mensch gesehen, so lange bin ich aus diesem Felsen nicht kommen.« Der Herzog sprach: »was hast du vor Speise diese Zeit über gehabt?« Er antwortete: »die Gnade Gottes hat mir dieses Thierlein, so du erschlagen hast, gegeben, dessen Milch ich genossen habe.« Borziwog antwortete: »ich sehe, daß du ein Mann Gottes bist und heilig; ich bitte dich, sitze auf mein Roß, und reite mit mir in meine Behausung, lege deine Hand auf meines Weibes Haupt und sprich ihr den Segen.« Iwan antwortete: »ich kann nicht reiten, doch, wird es Gottes Wille sein, so will ich deine Behausung besuchen.« Also gesegneten sie einander mit Trauern. Und Borziwog wollte das Wild nicht mitnehmen. Iwan sprach: »nimm und zertheile es und opfre es den Armen, auf daß sie für unsere Seele Gott bitten.« | + | Borziwog sprach: »ich bitte dich, führe mich in deine Wohnung.« Der Mann sprach: »nun komme, und besiehe dieselbige.« Wandte sich damit um und ging an den Felsen. Borziwog folgte ihm mit seinen Dienern nach. Und als sie hinein kamen, verwunderten sie sich über eine solche Wohnung. Der Herzog sprach zu ihm: »Lieber, sage mir deinen Namen?« Er sprach: »in der Taufe bin ich [[vip:Iwan]] genannt worden.« Borziwog fragte: »von wannen bist du hieher kommen? Aus welcher Nazion bist du, oder wie lange hast du hier gewohnt?« Iwan antwortete: »ich bin aus Krabaten herkommen, mein Vater hat Gestimulus und meine Mutter Elisabeth geheißen. Zu der Zeit, als ich hierher kommen bin, hat, wie ich vernommen, Neklan das Land regieret. Es ist allbereit zwei und vierzig Jahre, daß ich allhier wohne, in vierzehen Jahren hat mich auch kein Mensch gesehen, so lange bin ich aus diesem Felsen nicht kommen.« Der Herzog sprach: »was hast du vor Speise diese Zeit über gehabt?« Er antwortete: »die Gnade Gottes hat mir dieses Thierlein, so du erschlagen hast, gegeben, dessen Milch ich genossen habe.« Borziwog antwortete: »ich sehe, daß du ein Mann Gottes bist und heilig; ich bitte dich, sitze auf mein Roß, und reite mit mir in meine Behausung, lege deine Hand auf meines Weibes Haupt und sprich ihr den Segen.« Iwan antwortete: »ich kann nicht reiten, doch, wird es Gottes Wille sein, so will ich deine Behausung besuchen.« Also gesegneten sie einander mit Trauern. Und Borziwog wollte das Wild nicht mitnehmen. Iwan sprach: »nimm und zertheile es und opfre es den Armen, auf daß sie für unsere Seele Gott bitten.« |
| Als nun Borziwog wieder auf Tetin angekommen, zeigte er seinem Gemal Ludomilla kläglich an, was ihm auf der Jagd zugestanden war. Und als sie dieses hörete, weinete sie und begehrete mit Verlangen, den Mann Gottes zu sehen; und sie beteten dieselbe Nacht mit großer Andacht. Auf den Morgen sandten sie ihren Kaplan und mit ihm sechs Diener, auf daß sie den Mann überreden und auf den Tetin bringen sollten. Als sie nun daher kamen, richteten sie es fleißig aus, setzten ihn auf eine Eselin und kamen mit ihm auf Tetin. Borziwog und Ludomilla gingen ihm weit entgegen und nahmen ihn ehrlich an. Als er auf's Schloß kam, legten sie ihm mancherlei Speise für, aber er wollte nichts genießen. Sie entfingen von ihm desselben Tages den Segen, ließen ihn, auf sein Begehren, von sich und sandten ihre Diener, ihn wieder in seine Wohnung zu beleiten. | Als nun Borziwog wieder auf Tetin angekommen, zeigte er seinem Gemal Ludomilla kläglich an, was ihm auf der Jagd zugestanden war. Und als sie dieses hörete, weinete sie und begehrete mit Verlangen, den Mann Gottes zu sehen; und sie beteten dieselbe Nacht mit großer Andacht. Auf den Morgen sandten sie ihren Kaplan und mit ihm sechs Diener, auf daß sie den Mann überreden und auf den Tetin bringen sollten. Als sie nun daher kamen, richteten sie es fleißig aus, setzten ihn auf eine Eselin und kamen mit ihm auf Tetin. Borziwog und Ludomilla gingen ihm weit entgegen und nahmen ihn ehrlich an. Als er auf's Schloß kam, legten sie ihm mancherlei Speise für, aber er wollte nichts genießen. Sie entfingen von ihm desselben Tages den Segen, ließen ihn, auf sein Begehren, von sich und sandten ihre Diener, ihn wieder in seine Wohnung zu beleiten. | ||
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